Mediterranean Tasting Wines of Alentejo

Auf der anderen Seite des Flusses ist das Gras immer grüner? Nicht im Alentejo. Eine der heißesten und trockensten Regionen Portugals. Jenseits vom Tejo: Das ist die Bedeutung des Namens Alentejo. Jenseits des Flusses – wohlgemerkt aus Blickrichtung Lissabon.

Aber wenn das Gras dort schon nicht grüner ist, sind dann vielleicht die Weine wenigstens saftiger? Das Gebiet zwischen Portugals Hauptstadt im Westen, dem spanischen Nachbarn im Osten und der Algarve im Süden versteht sich als Weinregion im Umbruch. Im Spagat zwischen Tradition und Moderne.

Acht Vertreter der Region Alentejo zeigte das Comissão Vitivincíola Regional Alentejana in einem Mediterranean Tasting in Hamburg im Juwelier Studio. Moderation: Justin Leone, Chef-Sommelier im Münchener Restaurant Tantris.

Heiße Region, heißer Wein? Die acht Kandidaten im Tasting zeichnen ein anderes Bild. Saubere Vinifikation und moderater Holzeinsatz schaffen Klasse, Frische, Eleganz. Alentejo auf Augenhöhe mit den Großen der Welt.

Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite des Flusses. Aber sind die Weine dort auch saftiger? Click to Tweet

Paulo Laureano, Selmes

Dolium Escola 2013
Weiss | Rebsorte Antão Vaz | 30 Jahre alte Rebstöcke | Schieferboden | acht Monate Barrique | leichte Batonage | etwa 3.000 Flaschen | 13,5 % vol. | 23 €
Helles Gelb. Einladende Blütennase, vielversprechend. Knackige Frische, schlank, mit Power, tolle Mineralität, spannender Stoff, schöne Länge. Rating 8/12
Winzer Laureano berät mittlerweile viele Weinmacher im Alentejo. Das lässt auf mehr solcher Klasseweine hoffen.


Herdade dos Grous, Albernoa

Herdade dos Grous Reserva Branco 2012
Weiss | Rebsorten Antão Vaz, Verdelho und Viognier | sechs Monate Barrique | 13,5 % vol. | 18 €
Reiches Gelb. Nase erinnert an gute Chardonnays. Im Mund reich, aromatisch, cremig, komplex, kraftvolle Struktur, Schmelz, perlig-feine, tänzelnde Säure, mineralisch-frischer Nachhall. Rating 8/12
Diese Reserva flutet den Mund regelrecht. Eine Aromenwelle, die über den Gaumen strömt und herrlich nachhallt. Love it!


Monte da Capela, Pias

Vila Alice Tinto Reserva 2011
Rot | Rebsorten Trincadeira, Aragonez, Alfrocheiro, Cabernet-Sauvignon | 14 % vol. | 8 €
Kaffeepraline in der Nase. Im Mund Frische, Frucht, guter Trinkfluss. Im Nachgang leichte Würze, Lakritz-Töne. Rating 5/12
Nicht lang drüber schnacken – der will getrunken werden. Solider Basiswein für jeden Tag.


Rovisco Garcia, Aldeia Velha Avs

Rovisco Garcia Tinto Superior 2011
Rot | Rebsorten Aragonez, Syrah, Petit Verdot, Cabernet-Sauvignon, Alicante Bouschet | etwa 1.000 Flaschen | strengste Selektion, beste Fässer | 14,5 % vol. | 23 €
Tiefschwarzer, undruchsichtiger Kern, lila Reflexe. Zupackender Grip, Eleganz, Komplexität, reiche Länge. Im Nachhall fast staubig trocken. Rating 7/12
„Tradition, Modernität perfekt kombiniert“, nennt es Justin Leone. Man könnte auch sagen: macht richtig Spaß im Glas.


Herdade do Esporão, Monsaraz

Petit Verdot Tinto 2011
Rot | Rebsorte Petit Verdot | 14,5 % vol. | 30 €
Dunkles Rot mit Lila. Herrlich saftiger Mund, bei aller Kraft mit spielerischer Leichtigkeit, elegant, charakterstark, und eine Länge, die herrlich nachklingt. Rating 8/12
Reinsortiger Petit Verdot hat Seltenheitswert. Im Alentejo kann er ausreifen und zeigen, was er drauf hat. Toll!


Dona Maria – Júlio Bastos, Estremoz

Dona Maria Grande Reserva 2010
Rot | Rebsorten Alicante Bouschet, Petit Verdot, Syrah | 14,5 % vol.
In der Nase ätherisch und einladend. Reiche Frucht, tolle Balance, spielt im Mund die gesamte Orchesterbandbreite, von den Tiefen bis zu den Höhen komplett durch. Gut gemacht. Rating 8/12
Kein Wunder, dass Mouton-Rothschild bei diesem Weinmacher schon angeklopft hat. Parker lässt grüßen.


Quinta do Mouro, Estremoz

Estremoz 2008
Rot | Rebsorten Aragonez, Alicante Bouschet, Touriga Nacional, Cabernet-Sauvignon | Kreideboden | 14 % vol. | 28 €
Reife Himbeeren in der Nase. Im Mund trotz seiner sieben Jahre immer noch straff. Perfekte Balance von Frucht, Säure, Tannin. Tolle Länge. Immer noch Potenzial. Leone: „Gern nochmal vier Jahre warten.“ Rating 9/12
Altes Weingut, komplett durchmodernisiert. Das zeigt sich im Glas: großer Wein, klasse gemacht.


Azamor, Villa Vicosa

Icon d’Azamor 2004
Rot | Rebsorten Syrah, Alicante Bouschet, Touriga Franca | 14 % vol. | 60 €
Tiefdunkler Kern, altersgerecht leichte Aufhellungen an den Rändern. Fleischige Nase. Hat von den präsentierten Roten die „spanischste“ Nase. Reif und kräftig im Mund, ausgewogen, mit guter Struktur. Schöne Balance. Baut sich auf wie eine langsame Welle auf und klingt lange nach. Leone: „Nochmal zwei Jahre Zeit geben.“ Rating 8/12
Der Senior der Runde zeigt das Potenzial roter Alentejos. Und gleichzeitig, wie sehr sich die Stilistik zu heute gewandelt hat.

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Edgar Wilkening

Geschäftsführender Gesellschafter bei wineroom.de | Eine Amon & Wilkening Division
Im Hauptberuf Strategieentwickler, Autor und Medien-Macher. Kopf des Pop-up-Restaurants "Die 7 Sünden" und von einigem mehr. In den verbleibenden Stunden des Tages dem Thema Wein verbunden als amtierender Korkenzieher von eigenen Gnaden. Erste bewusste Flasche: fränkischer Bocksbeutel aus dem elterlichen Keller – vermutlich Müller-Thurgau. Ist so was prägend ...?
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