Wann werden die Trauben gewaschen?

Wann werden die Trauben gewaschen?

Leser fragen – Dr. Sommelier antwortet frank und frei von der Leber weg

Hallo Dr. Sommelier,

jede Hausfrau weiß ja, wie wichtig es ist, Gemüse und Obst vor dem Verzehr zu waschen. Deshalb meine Frage: Wann werden eigentlich die Trauben gewaschen, aus denen Wein gemacht wird?

Liebe Grüße
Rita P., Bad Oldesloe

Leser fragen – Dr. Sommelier antwortet frank und frei von der Leber weg

Liebe Rita P.,

da sprechen Sie ein äußerst heikles Thema an. Die meisten Weinproduzenten würden es gerne vermeiden, darüber zu reden. Denn an diesem Punkt entpuppen sich fast alle Erzeuger als Dreckspatzen und Schmutzfinken.

Die schmuddelige Wahrheit: Die überwiegende Zahl der Winzer wäscht ihre Trauben gar nicht. Sondern schickt das Lesegut in der Regel so, wie es geerntet wird, direkt in die Presse – unabhängig davon, ob sich Fliegendreck, Vogel-Aa oder noch ganz anderes auf der Beerenschale befindet.

Wenn Sie sichergehen wollen, dass der Wein, den Sie trinken, aus Trauben stammt, die vor der Weiterverarbeitung gewaschen wurden, empfehle ich Ihnen auf dieses Zeichen zu achten.


Gütesiegel, dass die Trauben vor der Weiterverarbeitung zu Wein gewaschen wurden.

Gütesiegel des “International WBP Consortium”. Der “Washed Before Processing”-Standard stellt sicher, dass die Winzer, die sich dem Standard verpflichten, ihre Trauben vor der weiteren Verarbeitung zunächst waschen.


Es ist das Gütesiegel der Winzer, die sich dem internationalen “WBP-Standard” verpflichtet haben. “WBP” ist das Kürzel für “Washing Before Processing”, also für das Waschen der Trauben vor der weiteren Verarbeitung zu Wein.

Hersteller, die dieses Zeichen auf ihrem Etikett führen, sind vom “International WBP Consortium” zertifiziert. Sie werden regelmäßig kontrolliert, ob ihr Lesegut vor der Weiterverarbeitung vorschriftsmäßig gewaschen wird – so, wie es auch jede Hausfrau machen würde.

Nach Orangewein und veganem Wein dürften Washed-Before-Processing-Weine das nächste große Ding der Weinwelt werden. Denn meiner Erfahrung nach können Sie nur bei Weinen mit WBP-Zeichen wirklich sicher sein, dass die Trauben, deren Saft sie im Glas haben, gewaschen sind. Ob das aber auch einen Wein garantiert, der sich gewaschen hat und im önologischen Sinne sauber ist, ist nochmal eine ganz andere Frage.

Mit den besten Wünschen für Ihr vinologisches Wohlbefinden
Ihr Dr. Sommelier

[easy-tweet tweet=”Washed Before Processing: Wird WBP der neue Standard im Wein?” hashtags=”wine,winemaking,”]

Frühburgunder-Forum im Kloster Marienthal

Frühburgunder-Forum im Kloster Marienthal

Wenn der Spätburgunder eine Diva ist – dann ist die kleine Schwester Frühburgunder aber ‘ne echte Oberzicke. Schwierig im Anbau. Kleine Beeren, dadurch viel Schale, wenig Saft. Wer jedes Jahr große Fässer vollkriegen will, baut lieber was anderes an. Zwar zwei Wochen früher reif als der Spätburgunder, dann aber auch gefundenes Fressen für Heerscharen von Vögeln und Wespen, die sich auf die vollreifen Früchte stürzen und Party feiern.

Kein Wunder, dass der Frühburgunder kurz vorm Exitus stand. Wer nicht auf Effizienz getrimmt ist, wird ausgemustert. In den 60ern wurde Frühburgunder nur noch auf gut einem Dutzend Hektar angebaut. Wohlgemerkt in ganz Deutschland. Nur ein paar Renitente hielten an dem ertragsschwachen Sonderling fest. Der Rest riss raus und pflanzte effizienten Dornfelder & Co.

Vom Aus-Sterbebett zurückgekehrt ins pralle Leben

Mittlerweile erlebt die Oberzicke eine verdiente Renaissance. Dabei spielt die Ahr eine herausragende Rolle. Nicht nur, weil dieser Winzling unter den deutschen Weinbaugebieten ein Siebtel der Gesamtanbaufläche für Frühburgunder in Deutschland stemmt: immerhin 36 von insgesamt 254 Hektar. (Stand 2015; Quelle: Statistisches Bundesamt, Grunderhebung der Rebflächen, Fachserie 3 Reihe 3.1.5 – 2015, erschienen am 18.05.2016.)


Blick auf die Lagen Alte Lay und Jesuitengarten bei Walporzheim/Ahr
Volles Haus beim Frühburgunder-Forum an der Ahr

Oben: Die Lagen Alte Lay und Jesuitengarten bei Walporzheim/Ahr. Die “hervorragende Nase” links nennt sich Kaiserstuhl.
Unten: Volles Haus beim Frühburgunder-Forum. Wer genau hinschaut, entdeckt sogar (wein)königlichen Glanz in der Hütte.


Noch entscheidender wiegt: Von der Ahr stammen die besten, elegantesten, mineralischsten Frühburgunder, die wir je im Glas hatten. Keine molligen, samtenen Frühburgunderfruchtsäfte, wie sie in Rheinhessen oder Württemberg oft gekeltert werden. Sondern geschliffen klare Weine, die es in punkto Spannkraft und Präzision durchaus mit der großen Schwester Spätburgunder aufnehmen können.

Und man hat sich noch was einfallen lassen an der Ahr, um die Wiedereingliederung der Oberzicke in die Weinwelt zu fördern: das Frühburgunder-Forum. Eine Veranstaltung bei der sich alles, alles und alles ausschließlich um die einst verschmähte Rebsorte dreht. Holla, die Ahr rollt der Oberzicke den roten Teppich aus? Schauen wir mal, ob der das am Ende noch zu Kopfe steigt.

Die Ahr rollt der Oberzicke Frühburgunder den roten Teppich aus

2007 gab’s das erste Frühburgunder-Forum. Seitdem alle zwei Jahre. 2017 also das sechste Mal. Tagungsort ist das Weingut Kloster Marienthal mit seinen charmanten Räumlichkeiten. Und pünktlich high noon ging’s los: zwölf Uhr am Samstag, den 8. April.

Zwanzig Ahr-Weinbetriebe waren dabei: alte Hasen und junger Nachwuchs, Familienbetriebe und Genossenschaften, kleine Namen und große. Von den VDP-Weingütern fehlten nur Nelles und Stodden. Schade eigentlich. Beide haben Frühburgunder im Sortiment. Aber muss dann eben ohne gehen. Und siehe da: ging sehr gut.


Selfie mit Hoheit: Weinautor Edgar Wilkening mit Königin Christina
Gemäuer von Kloster Marienthal im Sonnenschein

Oben: Neee, natürlich nicht die Oberzicke, von der hier die Rede ist! Selfie mit Ihrer Hoheit Weinkönigin Christina Kurth.
Unten: Der Hauch der Geschichte weht durch die Fenster von Kloster Marienthal.


Na klar, Rahmenprogramm gab’s auch. Seminare. Workshops. Aber der eigentliche Reiz besteht in der extremen Fokussierung des Forums. Ein Weinbaugebiet. Eine Rebsorte. Kein Hin und Her. Kein Wechsel zwischen Rebsorten, Ländern, Gebieten, wie bei anderen Veranstaltungen. Nur Ahr. Nur Frühburgunder.

Alle Winzer grundsätzlich mit identischen Ausgangsbedingungen. Das macht es so spannend. Da zeigt sich, wer sein Handwerk ernst nimmt und seine Hausaufgaben gemacht hat. Und wer es hat schleifen lassen. Wer die Oberzicke zum Lachen bringt. Zum Tanzen. Zum Feiern. Und wer nicht. Es war alles dabei: von Siebter-Himmel bis Alter-das-geht-ja-gar-nicht! Und so wird das kleine Frühburgunder-Forum unversehens zur großen Lehrstunde in Winzer-Handwerk.

Das Forum als Lehrstunde in Sachen Winzer-Handwerk

“Grob fehlerhaft” taucht nicht nur einmal in unseren Verkostungsnotizen auf. Da ging’s dann wohl im Weinberg schon los: schlechter Lesezeitpunkt, unsauberes Lesegut, mangelhafte Selektion. Und wurde im Keller nicht mehr besser. Die Oberzicke verzeiht eben keine Fehler. Sondern bringt sie umso deutlicher ins Glas.

Selbst bei einem der namhaften Spitzenerzeuger steht “flach, ausdruckslos, ohne Spannung” in unseren Verkostungsunterlagen. Name tut hier nichts zu Sache. Kriegen eh gerade genug auf den Deckel, nicht nur für ihren Frühburgunder. Spaß macht das alles jedenfalls nicht. Gucken wir also lieber ans andere Ende der Skala. Da hin, wo die wahren Frühburgunder-Meister am Werk sind.


Die Ruine von Kloster Marienthal
Stand von Weingut Peter Kriechel mit sehr breitem und gutem Frühburgunder-Portfolio

Oben: So ruinös der erste Eindruck erscheinen mag, das Gartencafé inmitten der Ruinen ist absolut hinreißend.
Unten: Michael Kriechel, Peter Kriechel und Johan Larsson mit starkem Line-up – zehn verschiedene Frühburgunder.  


Dass wir den klaren, eleganten Stil vom Weingut Deutzerhof (Mayschoß) mögen und insbesondere deren Frühburgunder, ist spätestens seit dieser Geschichte kein Geheimnis mehr. Entsprechend groß die Freude am 15er Alpha & Omega (25 Euro), toller Jahrgang, geerntet aus zwei Lagen, ganz am Anfang und ganz am Ende des Ahrtals, die eine fett, die andere karg, was dem Wein eine wunderbare Kombination aus eleganter Frucht und kühler Mineralik verleiht. Groß!

Getoppt noch vom Großen Gewächs des Deutzerhofs, dem 14er Frühburgunder aus dem Mönchberg (36 Euro). Der zeigt enorme Kraft, dabei Eleganz, Finesse, Länge. Frühburgunder par excellence. Immer noch jugendlich in der Anmutung und mit weiteren fünf bis acht Jahren Potenzial. Klasse, wie gekonnt Betriebsleiter Hans-Jörg Lüchau die burgundisch inspirierte Handschrift Wolfgang Hehles weiterschreibt.

Herrliche Fundstücke auch beim Weingut Paul Schumacher (Marienthal). Hier wird weitgehend bio gearbeitet, möglichst spontan vergoren, aber ohne ein Dogma daraus zu machen. Maximal 1,8 bar Druck schonen die Kerne beim Pressen und ersparen uns Bittertöne. Auch die Maischestandzeiten reduziert man gerade: von früher eher drei Wochen auf aktuell eher zwei Wochen.

Entsprechend reintönig und minimalistisch, fast karg präsentieren sich die Weine. Der 14er Ahr Frühburgunder (13,50 Euro) mit seinen 60 hl/ha Ertrag puristisch, saubere Frucht, schön balanciert. Lustvoller Trinkgenuss für verhältnismäßig kleines Geld. Darüber angesiedelt der 15er Frühburgunder “Alegria” (20 Euro): mit 40 hl/ha deutlich weniger Ertrag, stärkere Selektion, dadurch komplexer, kräftiger, etwas konzentrierter. Verführt mit klarer Frische, purer Eleganz und guter Struktur. Sehr gut!

Zwei Frühburgunder pro Weingut, das ist der Schnitt beim Forum. Manchmal ist’s auch nur eine Flasche, manchmal sind’s drei, selten vier. Aber zehn verschiedene Frühburgunder am Tisch – damit zeigen die Brüder Michael und Peter Kriechel vom Weingut Kriechel (Walporzheim) das mit Abstand breiteste Portfolio des Forums.

Sie sind so etwas wie die Könige des Frühburgunders: Sieger beim Deutschen Rotwein-Preis 2016 mit ihrem Frühburgunder 2012 aus dem Marienthaler Rosenberg. Flächenmäßig größter Anbauer von Frühburgunder weltweit. Und so was wie Frühburgunder-Flüsterer sind sie auch irgendwie. Eigenen Klon selektioniert. Und das Portfolio am Tisch, es ist nicht nur breit – es ist auch groß.

Die Frühburgunder-Flüsterer vom Weingut Kriechel

Den Auftakt macht ein Blanc de Noir Sekt Brut Nature aus 2014 mit 0,7 gr. Restzucker (20 Euro). Und guck mal einer an: Frühburgunder kann Prickel! Schön gemacht. Dezente Frucht, Frische, schöne Säure, Eleganz. Fein! Aber meines Wissens praktisch nicht zu kaufen, falls man nicht direkt im Weingut nachfragt.

Der 15er Jubilus Frühburgunder trocken (9,90 Euro) ist nicht nur bester Frühburgunder unter zehn Euro im Forum, er war auch offizieller Berlinale-Wein 2017. Deutlicher Qualitätssprung dann: der 14er Ahr-Frühburgunder B (15,50 Euro) aus dem Barrique. Herbe Frucht und Tiefe.

Bei der Selektion hat es im Jahr 2014 für die Goldkapsel-Edition nicht ganz gereicht. Deshalb haben die Kriechels ihre Selektion “abgestuft”, auf die Goldkapsel verzichtet und als 14er Frühburgunder “Edition PK” exklusiv in Magnum-Flaschen abgefüllt (42 Euro). Meines Wissens ebenfalls ausschließlich auf Anfrage im Weingut erhältlich. Der 15er Martha Frühburgunder muss erwähnt werden (20 Euro): aus eigenem Klon gezogen, saftiger, süßer, leichter. Nur 400 Flaschen, deshalb ebenfalls nur auf Nachfrage erhältlich.

Und es hört gar nicht mehr auf: die großartige Goldkapsel 2013 Ahr-Jubilus Frühburgunder (25 Euro), herrlich samtig, saftig, gereift. Das 15er Pendant des Rotwein-Preis-Gewinners vom Marienthaler Rosenberg (39 Euro): fantastisch ausgewogen, jugendlich noch, dicht, mit feiner Würze. Daneben, aus der Schatzkammer und nur zum Verkosten: das Äquivalent aus 2009, kraftvoll, rund, vollkommen ausgewogen, exzellent gereift.

Und nicht zu vergessen der Exot am Kriechel-Tisch: Frühburgunder aus Schweden, aus dem früh reifenden, eigenen Klon der Kriechels, vom Weingut Stora Horn auf der Insel Hasslö. Inhaber Johan Larsson präsentiert mit dem 16er Jahrgang ein ehrgeiziges Projekt, das auf lange Sicht angelegt ist: hochqualitative Weine aus Südschweden. Das ist so außergewöhnlich, da reden wir sicher bei anderer Gelegenheit nochmal im Detail drüber. Aber Klimawandel und die Eigenschaften der Rebsorte zeigen: Da geht noch einiges in Sachen Frühburgunder – auch in Schweden. Es bleibt spannend.

Auf jeden Fall erlebenswert, wenn die Oberzicke auf dem Teppich bleibt, den die Ahr ihr ausrollt. Das nächste Frühburgunder-Forum dann im Frühjahr 2019. Genauen Termin und Eintrittskarten gibt es rechtzeitig über die Webseite des Verbands Ahrwein e.V. Es lohnt sich!


Transparenz-Hinweis: Der Besuch des Frühburgunder-Forums erfolgte auf Eigen-Initiative und eigene Kosten.

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Zimmertemperatur bei Rotwein und der Marsch zum Altglas-Container

Zimmertemperatur bei Rotwein und der Marsch zum Altglas-Container

Zwei der orginellsten Exemplare aus unserer schönen Serie “10 geniale Türhänger, die jeder Wein-Liebhaber braucht”.

Der brombeerfarbene Hänger beschäftigt sich mit dem Thema Trinktemperatur bei Rotwein. Der gehört in der Regel nämlich deutlich kühler ins Glas als es häufig der Fall ist. Denn bei unseren heutigen Zimmertemperaturen gilt: kühl ins Glas mit dem guten Zeug – warm wird’s von allein.

Rotwein bei Zimmertemperatur ist ein großes Thema


Der grüne Türhänger bettelt um Hilfe angesichts der Mengen von Altglas, die sich unter dem Verkostertisch schon mal ansammeln können und fachgerecht entsorgt werden wollen. Jemand da, der mit anpacken kann?

Hilfe gesucht für die Entsorgung des Altglas

Die ganze Serie mit allen zehn Türhängern plus Druck-PDFs zum kostenlosen Download findet sich hier.

Trinkig – oder trink ich nich?

Trinkig – oder trink ich nich?

Leser fragen – Dr. Sommelier antwortet frank und frei von der Leber weg

Hallo Dr. Sommelier,

ich hab das jetzt schon mehrmals gehört bei Weinshows und Verkostungen. Da probiert jemand einen Wein und sagt dann anerkennend: trink ich. Und zwar selbst dann, wenn er ihn – und das verstehe ich nicht – direkt vorher ausgespuckt hat, also eben gerade nicht trinkt. Ich finde das verstörend. Sie nicht?

Fragt mit freundlichen Grüßen
Ihre Susanne G. aus H.

Leser fragen – Dr. Sommelier antwortet frank und frei von der Leber weg

Liebe Susanne G.,

ich verstehe das. Dazu muss man aber wissen: trinkich ist Teil des offiziellen Fachvokabulars der Weinsprache.

Mit trinkich bezeichnet der Experte einen Wein, den er so gut findet, dass er ihn bei Gelegenheit sogar mal privat anrühren würde – nicht nur professionell dran nippen bei einer Verkostung. Es hat also nichts damit zu tun, ob er den Wein soeben tatsächlich getrunken oder ihn ausgespuckt hat. Entscheidend ist der Konjunktiv “würde”.

Offizielle Steigerungsform von trinkich ist übrigens nicht sehrtrinkich (auch wenn man das fälschlicherweiser bisweilen hören kann). Sondern: trinkichsofort beziehungsweise trinkichauffastelle. In der Weinsprache werden beide Termini gleichbedeutend verwendet und beschreiben eine sehr hohe Weinqualität (bisweilen auch nur einen sehr hohen Flaschenpreis).

Im Gegensatz dazu steht trinkichnich (nicht zu verwechseln mit der an Begleiter gerichteten Frageform trinkich, nich?) für eine eher mindere Weinqualität. Hier das gesamte Glossar dieser speziellen Weinsprache für Sie in der Übersicht:

  • trinkich ⇒ würde ich auch  privat trinken, wenn man ihn mir anbietet (Punkte-Äquivalent: circa 83 bis 88)
  • trinkichsofort / trinkichauffastelle ⇒ würde ich privat auch ein zweites und drittes Glas von trinken (Punkte-Äquivalent: circa 89 bis 93)
  • saufich ⇒ schenk nach, ich trinke den Wein hier gerade privat (Punkte-Äquivalent: circa 94 bis 100)
  • trinkichnich ⇒ sowas würde ich privat höchstens meinen Gästen hinstellen  (Punkte-Äquivalent: circa 76 bis 82)
  • trinkdudoch ⇒ weinfachlich korrekte, aber derbe Herabwürdigung einer Person (Punkte-Äquivalent: alles unter 76)

Ich weiß, das mag im ersten Moment verwirrend klingen. Aber wenn man sich die Grundbegriffe einmal einprägt, hat man bei der nächsten Weinprobe garantiert nochmal so viel Spaß. Und Sie können eventuelle Nervensägen fachlich einwandfrei, aber nachhaltig beleidigen.

Mit den besten Wünschen für Ihr vinologisches Wohlbefinden
Ihr Dr. Sommelier

Warnung vor dem Verkostungstisch und kleiner Kombinationstest

Warnung vor dem Verkostungstisch und kleiner Kombinationstest

Zwei Türhänger, die sich besonders bewährt haben im wineroom – aus unserer Serie “10 geniale Türhänger, die jeder Wein-Liebhaber braucht”.

Das rote Exemplar warnt deutlich vor Risiken wie Schnappatmung oder Schockzuständen beim Anblick eines professionellen Verkostertischs mit zehn, zwölf oder noch mehr offenen Flaschen – wahrlich nichts für schwache Nerven.

Warnung vor schockierendem Anblick am Verkostertisch


Der grüne Türhänger überprüft kurz und knapp die Käse-Wein-Kompatibilität des Eintrittswilligen und beugt damit falschen Kombinationen vor. Äußerst hilfreich, um den Mythos “Rotwein zum Käse” zu bekämpfen.

Ein ewiger Mythos, das Käse den Rotwein liebt

Alle zehn Türhänger der Serie zusammen mit downloadbaren PDF-Dateien zum Druck finden Sie hier.

Wein versus Bier, Gin, LimoRunde Vier: Wie hoch ist der Zeitaufwand?

Wein versus Bier, Gin, Limo
Runde Vier: Wie hoch ist der Zeitaufwand?

Drei Runden lang gingen die Punkte in unserem Fakten-Check klar an Wein. Craft-Beer, Gin und Szene-Limonade würden zwar auch gerne ein bisschen von der Klasse ausstrahlen, die Wein hat – gelungen ist ihnen das bislang nicht. Die Details inklusive Infografiken hier.

Vorhang auf für eine neue Challenge, die immer auch eine neue Chance ist. Thema in Runde Vier: Wieviel Zeitaufwand steckt in den vier Produkten, bevor sie irgendwann im Handel landen?

[easy-tweet tweet=”Husch-husch und ab in den Handel: Gin, Bier, Limo sind Quickies gegen Wein.” hashtags=”Wein,Bier,Gin,Infografik”]


Wie viel Zeit braucht’s denn?

Zeit ist bekanntlich Geld. So gesehen sind Gin und Limo Top-Verdiener. Denn Zeit spielt bei deren Produktion keine entscheidende Rolle. Für die Limo werden die Zutaten in Tanks zusammengerührt, Kohlensäure per Imprägnierverfahren reingepimpt. Und sobald die Mischung geimpft und abfüllbereit bereit ist, geht’s ab in die Flasche. Große Abfüller machen das alles im laufenden Betrieb. Ratzfatz und fertig. Innerhalb von ein, zwei, drei Tagen ist das Zeug schon im Handel, je nach Lieferkette.

Ebenso blitzschnell wie die Limo ist nur noch der Gin: Sobald das Destillat abgekühlt ist, kann mit Wasser verdünnt werden und ab in die Designerbuddel. Der Handel ordert Nachschub? Kein Problem. Solange Agrar-Alkohol und Säcke mit Kräutern im Haus sind und der Brennkessel frei ist, kann in wenigen Tagen nachgeliefert werden.

Echte Mega-Quickies, die beiden. Da ist Bier schon anspruchsvoller. Das Einmaischen und Läutern, das Würzekochen und Gären, all das braucht seine Zeit. Da können gerne mal Tage draufgehen. Und anschließend muss das Jungbier noch lagern und reifen. Zwei Wochen Minimum. Meist mehr. Bis zu drei Monaten. Erst dann kommt das Bier in die Buddel oder ins Fass und zum Handel. Da muss man schon die Ruhe weg haben. Nix für nervöse Typen. Und trotzdem ein Witz im Vergleich zu Wein.

Infografik Fakten-Check "Wein versus Bier, Gin, Limo" 4. Kategorie: Wieviel Zeitaufwand kostet die Hersteller die Produktion ihrer Getränke?

Die Herstellung von Wein bemisst sich nicht in Tagen oder Wochen. Über den Daumen braucht’s circa ein Jahr. Okay, stimmt: Es gibt ein paar Winzer und Weine, die brauchen etwas weniger. Die haben im November schon den neuen Jahrgang im Verkauf, der im September noch an den Stöcken hing. Extremfall.

Gibt auch den anderen Extremfall. Weingüter wie den Nikolaihof in der österreichischen Wachau, die ihre Weine zum Teil erst nach zehn, zwölf oder noch mehr Jahren auf die Flasche ziehen. Weißwein wohlgemerkt. Oder Viña Tondonia, bei denen aktuelle Jahrgänge ebenfalls etwa zwölf Jahre alt sind. Für viele Rotweine sind Ausbau und Reife im Fass heute ohnehin selbstverständlich – für ein Jahr, zwei oder mehr.

Die tatsächliche Zeit, die es braucht vom ersten Schritt bis zur Auslieferung an den Kunden, schwankt also erheblich und hängt immer vom jeweiligen Weintyp ab. Für unseren Fakten-Check musste aber ein allgemeiner Richtwert her. Und den haben wir mit einem Jahr angesetzt. Denn sobald die Ernte eines Jahres im Keller ist, geht im Prinzip die Arbeit am nächsten Jahrgang los. Beginnend mit dem Rebschnitt im Weinberg.

Fazit von Runde Vier: Gin, Bier, Limo sind Quickies im Vergleich zu Wein

Fakt ist jedenfalls: Die Zeitzyklen, in denen Winzer denken, planen, arbeiten müssen, unterscheiden sich gravierend von den Zeiträumen, in denen Gin- und Limo-Hersteller denken. Einzig das Bier kann hier in punkto Zeitaufwand noch halbwegs mithalten mit Wein – wenn auch weit abgeschlagen.

Deshalb sehen wir in der Infografik einen vollen grünen Kreis beim Wein. Er repräsentiert die Zeitbasis eines Kalenderjahres. Entsprechend die Abstufungen in Gelb, Rot und Orange für die Quickies Bier, Gin und Limo. Unser Fazit für Runde Vier: Auch beim Thema Zeitaufwand, der nötig ist zur Herstellung, kann niemand dem Wein das Wasser reichen.


Alle veröffentlichten Beiträge dieser achtteiligen Serie finden Sie hier in der Übersicht.