Wein versus Bier, Gin, LimoRunde Drei: Eigenanbau von A bis Z?

Wein versus Bier, Gin, Limo
Runde Drei: Eigenanbau von A bis Z?

In den ersten beiden Runden unseres Fakten-Check haben sich Craft-Beer, Gin und Limo als ziemliche Aufschneider entpuppt. Würden gern in einer Liga spielen wie Wein und ähnlich ernstgenommen werden. Die Details inklusive Infografiken hier.

Vielleicht schaffen’s die drei Szenekumpels ja endlich in Runde Drei. Thema: Wer baut seine Rohstoffe selbst an und übt damit in höchstem Maß Einfluss auf sein Endprodukt aus?


Eigengewächse im Anbau?

Machen wir’s kurz: In Runde Drei unseres Fakten-Check wird’s endlich grün in der Infografik. Das Diagramm, das den Wein repräsentiert, steht auf 99 Prozent. Das ist der Anteil der Rohstoffe, den Winzer selbst anbauen, selbst pflegen, selbst kultivieren, selbst ernten.

Warum nur 99 und nicht 100? Wir wollen fair sein. Das eine fehlende Prozentchen steht für Stoffe wie z.B. Schwefel. Auf den verzichtet praktisch kein Winzer, um seine Weine zu stabilisieren. Und er schürft ihn natürlich nicht selbst. Der Schwefel bemisst sich zwar nur in Milligramm der Gesamtmenge. Aber wenn wir das maßstabsgetreu hätten darstellen wollen, wären wir an die Grenzen des grafisch Machbaren gekommen.

Insofern ist das eine Prozentchen ein Hilfswert. Und steht z.B. auch für Reinzuchthefen, die viele Winzer einsetzen – und natürlich nicht selbst kultivieren. Ebenso wie Zucker, der schwachbrüstigen Mosten zugesetzt werden kann zur Erhöhung des späteren Alkohols – und den der Winzer natürlich auch nicht selbst aufm Acker anbaut.

Wie auch immer: 99 Prozent sind ein Topwert. Da können Craft-Beer, Gin und Limo nicht im entferntesten mithalten. Kein Brauer baut Getreide und Hopfen selbst an. Kein Gin-Brenner kultiviert eigene Wacholderbäume und Kräuterwiesen. Kein Limonaden-Hersteller hegt und pflegt seine eigenen Obstplantagen oder Zuckerrübenfelder. Alle Zutaten für Bier, Gin und Limo werden von Großhändlern bezogen. Zu hundert Prozent (wie wir schon in Runde Zwei festgestellt hatten).

Fazit in Runde Drei: Eigener Anbau, eigene Ernte – das macht nur Wein

Wein ist im Fakten-Check das einzige Produkt, bei dem der Hersteller seine Grundstoffe praktisch alle von A bis Z selbst anbaut, kultiviert, erntet, herstellt. Das gibt ihm nicht nur volle Kontrolle über sein Produkt, sondern auch die Möglichkeit, es maximal zu beeinflussen. Es ist die Grundlage dafür, dass Winzer ihre Weine zum Teil aus kleinsten Parzellen separat ausbauen: einfach weil sie es können. Weil sie wissen, wo der Wein wächst. Wie er wächst. Wo er herkommt. Und weil sie den entscheidenden Einfluß, den sie damit auf ihr Endprodukt ausüben können, auch tatsächlich wahrnehmen wollen.

Hat man je davon gehört, dass die Orangen in der Limo aus einer bestimmten, kleinen Parzelle stammen? Dass der Wacholder des Gin spezifische Sortenaromen trägt? Dass das Getreide des Bieres in kleinen Kisten handgelesen wurde?

Deshalb gibt’s in der Infografik oben null Gelb, null Rot, null Orange. Beim Thema Eigengewächse sind Bier, Gin, Limo echte Drückeberger und machen die Grätsche. Auch in Runde Drei geht für uns im wineroom der Punkt klar an Wein. Alles andere sind nur Wichtigtuer.


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[easy-tweet tweet=”Drei Drückeberger: eigener Anbau, eigene Ernte? Da machen Bier, Gin, Limo die Grätsche.” hashtags=”Wein,Bier,Gin,Infografik”]

Wein versus Bier, Gin, LimoRunde Zwei: Wer kann sich seine Zutaten liefern lassen?

Wein versus Bier, Gin, Limo
Runde Zwei: Wer kann sich seine Zutaten liefern lassen?

In der ersten Runde unseres Fakten-Check hatten wir uns mit der Frage befasst: Wein, Bier, Gin, Limo – welche Hersteller machen es sich bei ihrem Produkt besonders leicht, indem sie einfach den Wasserhahn aufdrehen, um ihr Produkt voll zu kriegen. Das Ergebnis inklusive Infografik gibt es hier.

Vorhang auf für Runde zwei unserer achtteiligen Serie. Hier geht’s darum: Bei welchen Getränken haben es die Hersteller herrlich bequem, weil sie sich die Zutaten (abgesehen vom Wasser) nach Lust und Laune liefern lassen können? Schauen wir uns die Fakten mal an – und dafür direkt in den Produktionsprozess.

[easy-tweet tweet=”Bier und Gin sind wie Tütensuppe im Vergleich zu Wein.” hashtags=”Wein,Bier,Gin,Infografik”]


Easy peasy alle Zutaten liefern lassen

Man kann vom deutschen Reinheitsgebot halten, was man will. Und in der Tat: Es verspricht mehr, als es am Ende hält. Aber wer ein ordentliches Bier brauen will, braucht dazu in der Regel wirklich nur Wasser, Malz, Hopfen, Hefe. Punkt. Wasser lassen wir in dieser Runde außen vor, hatten wir gesagt. Bleiben noch: Malz, Hopfen, Hefe.

Mag sein, dass es irgendwo zwei, drei Brauer gibt, die verrückt genug sind, ihr Getreide selbst anzubauen und zu mälzen, eigenen Hopfen kultivieren und auch ihre Hefekulturen selbst pflegen. Der Regelfall sieht anders aus. Wer Bier braut, im kleinen Stil wie im großen, besorgt sich seine Rohstoffe dafür im Industriebedarf. Anruf genügt – Lieferung kommt. Säckeweise. Wenn nicht gleich ganze Silos gefüllt werden.

Ebenfalls die Regel: Der Brauer bezieht nicht etwa Getreide. Würde unnötig Arbeit machen: wässern, keimen, darren – puuuh … Einfacher geht’s mit industriell vorbereitetem Braumalz. Das wählt man wie im Katalog aus. Gibt hunderte Varianten. Alle genau spezifiziert. Ganz wie man’s braucht. Das Getreide dafür kommt meist vom Weltmarkt. Dort, wo Großhändler oder Importeure die entsprechenden Qualitäten entsprechend günstig einkaufen können. Bequem für den Brauer. Bloss kein Stress hier.

Ganz ähnlich beim Hopfen. Die Kultursorten des Echten Hopfen wachsen eh nur in sehr kleinen, klimatisch speziellen Gebieten. Nach der Ernte werden die Dolden getrocknet und kommen meist als gepresste Pellets in den Handel. Was darf’s sein? Neuseeländischer Hopfen? Amerikanischer? Klassischer Hallertauer? Oder einer von den angesagten Fertig-Mixes?

Auch bei der Hefe nimmt man den Katalog zur Hand. Hunderte Sorten. Welches Aroma soll’s denn werden im Bier? Am Ende stehen am Sudkessel Säcke mit Braumalz, Eimer brauner Pellets und Tüten voll getrockneter Hefekulturen. Quasi Tütensuppe für Braumeister: Menge abmessen – umrühren – fertig.

Aber mal ehrlich: Bei Gin und Limo ist die Lage genauso. Wer einen angesagten Gin auf die Designerflasche ziehen will, geht im Regelfall auch nur shoppen. Erstens Agraralkohol und zweitens Kräuterchen, mit denen der Alkohol aromatisiert wird. Alles in beliebigen Mengen und großer Auswahl erhältlich.

Bei Limo heißen die Zutaten zwar Sirup, Zucker, Zitronensäure, Farbstoff, Kohlendioxid oder was auch immer. Aber die Verfahrensweise ist dieselbe: Fünf Säcke hiervon, zwei Tüten davon, acht von dem – Ware kommt. Mischen, fertig, ab dafür. Herrliche Zeiten für Hersteller von Szene-Zeugs.

Infografik Fakten-Check "Wein versus Bier, Gin, Limo" 2. Kategorie: Wie einfach können Hersteller sich ihre Basis-Rohstoffe liefern lassen??

Einzig der Wein knallt da richtig raus. Na klar, es gibt ein paar große Erzeuger, die Trauben oder Grundwein zukaufen. Aber wenn wir den durchschnittlichen, handwerklich arbeitenden Winzerbetrieb nehmen, der kann niemanden anrufen und sagen: Schick mir mal bis morgen acht Säcke dies, fünf Säcke das.

Halt, stimmt nicht! Ist natürlich vollkommen richtig: Auch im Weingeschäft gibt es Lieferanten, die den Winzer mit Industriebedarf versorgen. Zum Beispiel mit Hefen. Mit Schwefel. Mit Schönungsmitteln. Auch mit Zucker, klar. Bei simplen Qualitätsweinen (also bei Weinen ohne Prädikat wie Kabinett, Spätlese, Auslese …) darf in Deutschland der Most vollkommen rechtmäßig angereichert werden, um den Zuckergehalt im Most etwas zu erhöhen. Aber Achtung, Leute: Der Zucker wird vor der Gärung zugegeben! Ziel ist nämlich nicht süßer Wein, sondern etwas höhere Alkoholgradation.

Und was die Hefen betrifft, da ist die Situation in der Weinwirtschaft mindestens so bunt wie bei den Brauern. Hunderte gezüchteter Spezialhefen, die ganz gezielt auf bestimmte Ergebnisse, auf bestimmte Aromen hin optimiert sind. Aprikose beim Riesling? Melone beim Grauburgunder? Solche Hefen muss der Winzer nicht zwangsläufig einsetzen. Und viele Winzer lassen die Finger davon. Aber wenn ein Winzer es tut, hat er ähnliche Tüten zum Anrühren neben dem Tank stehen wie seine Kollegen am Sudkessel.

Zucker, Schwefel, Hefen – das reicht, damit in unserer Grafik oben immerhin ein kleines grünes Streifchen beim Wein erscheint. Es repräsentiert den Anteil der Zutaten, die ein Winzer sich für sein Produkt bestellen und liefern lassen kann. Minimal. Der Rest seiner Zutaten: Das ist der Traubenmost. Und den kann man nirgends im Industriebedarf ordern. Hartes Leben im Vergleich zu den Kollegen von Limo, Bier und Gin. Aber dafür gibt’s am Ende ein hochkarätiges Produkt.

Fazit in Runde Zwei: Wer’s bequem mag, bleibt bei Bier, Gin, Limo

In punkto Rohstoffe jedenfalls hat’s jeder, der Bier braut, Gin destilliert oder Limo abfüllt, deutlich leichter als ein Winzer. Hundert Prozent der Rohstoffe: einfach aussuchen, anrufen, liefern lassen. Und wenn was fehlt oder aus ist? Kein Problem: Da steht das Telefon. Lkw fährt morgen vor. Easy peasy.

Von solchen Bedingungen können Winzer nur träumen. Aber dafür werden sie mit einem vollkommen anderen Produkt belohnt – weit entfernt von Bier, Gin, Limo. In einer Liga? Von wegen! Bis jetzt hat keiner der Konkurrenten auch nur annähernd die Liga von Wein erreicht.


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Anerkannter Berater für Deutschen Wein – taugt der was?

Anerkannter Berater für Deutschen Wein – taugt der was?

Kurz vor zehn an einem Sommer-Montag. Hamburg Univiertel. Mercure Hotel. Ich gebe zu: Ich gehe mit den allergrößten Bedenken da rein. Ich bin angemeldet zum Seminar “Anerkannter Berater für Deutschen Wein”.

Ja, mein persönliches Leidenschafts-Thema. Aber in den vergangenen Jahren habe ich so viel Schlechtes gehört über Ausbildungen rund ums Thema Wein. Über katastrophale Seminarunterlagen, miese Rahmenbedingungen, überforderte Dozenten, schrottige Verkostungsmuster, hinterfotzige Prüfungen. Auch das Wort Abzocke fiel schon mal. Es tummeln sich ja eine Reihe von Anbietern in diesem wachstumsstarken Markt. Und offenbar mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, was man Lernwilligen an die Hand geben sollte.

All das schwingt mit, als ich das Seminarhotel betrete. Immerhin: Bei einem Investment von 150 Euro als Seminargebühr und da das Ganze quasi fußläufig zum wineroom stattfindet, scheint mir das Risiko überschaubar. Deshalb einige Wochen zuvor mein Entschluss: Ich mache das. Ich will’s wissen. Ich melde mich an. Aus reinem Jux. Denn wirklich benötigen tue ich die Ausbildung nicht. Nicht für meinen Kenntnisstand. Nicht für meinen Werdegang. Ich bin selbständig. Insofern mein eigener Dienstherr. Ein weiteres Zertifikat, ein weiterer Titel, eine weitere Auszeichnung interessiert hier niemanden.

Das ist bei vielen der Anwesenden im Seminarraum sicher anders. Knapp zwei Dutzend Teilnehmer sitzen da. Anfang zwanzig bis Mitte fünfzig. Frauen und Männer ziemlich gleichauf. Gastronomen. Servicekräfte. Köche. Händler. Weinkursanbieter. Die ganze Bandbreite. Einige noch in der Ausbildung und von ihren Lehrbetrieben geschickt bzw. freigestellt fürs Seminar. Und apropos fußläufig: Viele Teilnehmer natürlich aus Hamburg und dem Umland. Aber einige sogar aus dem Weinbaugebiet Pfalz angereist ins weinlandferne Hamburg, extra für dieses Seminar. Ob sich das gelohnt hat?

So plauderleicht, dass mancher gar nicht merkt, dass er lernt

Punkt zehn geht’s los. In lässigem Plauderton stellt sich unser Dozent vor. Erzählt, wie er zum Thema gekommen ist, von seiner Ausbildung zum Koch, zum Restaurantfachmann, erzählt vom Weinmarkt national, international – und ist plötzlich mitten drin im Seminarprogramm. Das Ganze so sympathisch, so unaufgeregt, so locker, dass manch einer womöglich gar nicht bemerkt, dass er sich schon mitten im Lehrstoff befindet. Okay, meine Bauchschmerzen legen sich.

Im Plauderton geht’s weiter: Einflussfaktoren, die deutschen Wein prägen. Wie ist die Herstellerseite strukturiert. Wie die Händlerseite. Wie entscheidet der Verbraucher. Was sagt das deutsche Weinrecht. BSA. Qualitätsstufen. Transvasierverfahren. Mikrooxidation. Rebsorten. Anbaugebiete. Spontangärung. Sektsteuer. SO². Qualitätsweinprüfung. Welche Anforderungen hat Aldi an Weine. Wie kommt die exotische Litschi in den deutschen Wein rein. Und, und, und. Definitiv viel Stoff. Gut, wenn man von alledem nicht das erste Mal hört.

Umfassender Basis-Einstieg ins Thema. Detailreich und persönlich erzählt. Sehr unterhaltsam. Ein erfahrener Routinier. Auf alle Zwischenfragen gute Antworten. Und von Zeit zu Zeit der Kontrollblick ins Seminarheft: Haben wir alles besprochen, was im Test später abgefragt wird? Habe ich was vergessen? Sehr klasse, sehr kompetent. Manchem im Raum mag schon der Kopf rauchen – bei mir verfliegen die Bedenken. Guter Dozent.


Ausbildung zum Anerkannten Berater für Deutschen Wein

Fakten und Daten zum Seminar

Veranstalter: Deutsches Weininstitut GmbH, Bodenheim

Seminardauer: Zwei Tage | Erster Tag 10:00 bis 21:00 Uhr, zweiter Tag 9:00 bis 14:00 Uhr

Kosten: 150 Euro inklusive Verpflegung, umfangreichen Lehrmaterialien und Mehrwertsteuer | Auzubildende erhalten Vergünstigung

Ausbildungszertifikat: Anerkannte(r) Berater(in) für Deutschen Wein (nach erfolgreicher Prüfung mit mindestens 80 von 100 Punkten, anderenfalls Teilnahmebescheinigung, Prüfungs-Teilnahme freiwillig)

Aktuelle Termine: Auf der Website des Deutschen Weininstituts


Die nächste Überraschung bei den Verkostungsmustern. Denn staubtrocken ist alle Theorie, es gehört auch was ins Glas. Und das kann sich sehen lassen. Ja klar, kleine Basisweine am Anfang. Die gehören defintiv dazu, wenn wir über deutschen Wein sprechen. Das Brot- und Butter-Geschäft des deutschen Winzers. Aber selbst diese vermeintlich “Kleinen”: aus guten Häusern.

Ein trockener Silvaner 2014 vom hochgelobten Weingut Windisch in Rheinhessen, wo jüngst mit Jens Windisch die nächste Generation das Ruder übernommen hat. Ein interessanter Weißburgunder 2013 aus dem Minigebiet Saale-Unstrut vom Weingut Zahn: sollte man im Auge behalten. Ein Pinot Blanc 2013 vom Weingut Heitlinger in Baden: die mit den designig-quadratischen Hs auf dem Etikett.

Kriechel, Raumland, Ratzenberger: Top-Erzeuger als Verkostungsmuster

Aber auch Großes kommt ins Glas. Ein fantastischer Spätburgunder Neuenahrer Sonnenberg 2010 vom hervorragenden und wenig bekannten Weingut Peter Kriechel an der Ahr: klasse. Die legendäre Grande Cuvée Brut 8. Triumvirat aus 2008 vom vielfach preisgekrönten Sekterzeuger Raumland: großes Kino. Aus dem Anbaugebiet Mittelrhein vom Spitzen-Weingut Ratzenberger die Bacharacher Wolfshöhle 2011 Riesling Beerenauslese edelsüß: grandios.

Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Es sind auch ungewöhnliche Flaschen dabei. Ein Schaumwein Rosé Cuvée Brut 2013 von der Strauch Sektmanufaktur in der Pfalz, bei dem die Grundweine im Barrique ausgebaut wurden: spannend. Ein Weisser Burgunder 2013 als Trockenbeerenauslese edelsüß von der Winzergenossenschaft Bötzingen, ebenfalls im Barrique gereift: Der schafft’s im Food-Pairing sogar mit der Schokomousse klarzukommen.

Dass der Fokus des Seminars ganz auf deutschem Wein liegt, Frankreich, Italien, Spanien, Übersee also praktisch nicht vorkommen, sollte niemanden wundern, der sich den Seminartitel angesehen hat. Ob man deshalb Themen wie den Rotling (laut “Wein – aktuell Ausgabe 02/15 im Februar 2015” der IHK Trier gerade mal 1 Prozent Anteil an der Weinproduktion bundesweit) gleich zur Prüfungsfrage erheben muss … Na schön.

Das ist wohl eher politischer Natur. Und der Tatsache geschuldet, dass der Veranstalter des Seminars, das Deutsche Weininstitut, über eine Art “Weinpfennig” finanziert wird. Den muss jeder Winzer in Deutschland abdrücken, um damit Marketingmaßnahmen für deutschen Wein zu finanzieren. Da hat natürlich auch die Winzergenossenschaft in Hinterweiningen, die ihr Zeugs unten ins Discounterregal stapelt, das Recht sich im Lehrstoff wiederzufinden. Meinetwegen. Vielleicht erleben wir ja demnächst die große Renaissance des Rotlings. Für den Tag merken wir uns: Anders als Rosé wird Rotling durch die gleichzeitige Verarbeitung roter und weißer Trauben hergestellt.

Darf es eine Stange Zimt und etwas Sternanis dazu sein?

Aber gerbstoffbetonte Rotweine mit der Temperaturempfehlung “mit 18° bis 20° Celsius ins Glas”? Ein fetter Dornfelder von eben jener Winzergenossenschaft Hinterweiningen? Nichts für ungut, aber bei 20° fliegt der schon beim Einschenken auseinander. Und nach fünf Minuten Raumtemperatur peilt er schon die 22°, 23° an. Darf’s noch eine Stange Zimt und etwas Sternanis dazu sein? Oder sind die Trinkempfehlungen für Leute, die ihre Gläser in Nullkommanix runterbechern?

Dass wir das mit den Trinktemperaturen komplett anders halten, ist kein Geheimnis, wie man hier unter Punkt 9. sehen kann. Im wineroom würden wir Weinen wie dem Dornfelder wenigstens eine reelle Chance geben, indem wir sie mit maximal 16° Grad ins Glas geben. Echte Oberkante! Eine goldene Regel bei uns besagt nämlich: Warm werden sie von ganz allein.

Mindestens diskussionswürdig, solche Empfehlungen als Prüfungsthema zu setzen. Kein Wunder, wenn Teilnehmer später im Test entscheiden: “So einen Quatsch kreuze ich nicht an.” Und ganz bewusst die prüfungstechnisch falsche, eigentlich aber richtige Antwort geben. Punktabzug fürs Seminar. Und leider auch für den Teilnehmer, als er sein Testergebnis bekommt.


Ausbildung zum Anerkannten Berater für Deutschen Wein

Das Seminar in der Einzelwertung

Organisation ⊕ ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Sehr gut vorbereitet. Lehrunterlagen frühzeitig zugesandt. Transparente Bedingungen. Umfassende Informationen.

Verkostungsmuster ⊕ ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Sehr gute Bandbreite an Mustern, von Basis-Weinen über High-end-Produkte bis hin zu außergewöhnlichen Kreszenzen.

Dozent ⊕ ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Sympathisch, kompetent, unterhaltsam. Sehr gut.

Lehrstoff ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Ein Punkt Abzug, da der Lehrstoff manchmal ein bisschen outdated wirkt, sehr am deutschen Weinrecht ausgerichtet ist und aktuelle Entwicklungen im Weinwesen eher außen vor lässt.

Fairness ⊕ ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Alle Prüfungsfragen vorab besprochen, keine nicht gelehrten Inhalte abgefragt – sehr fair.

Rahmenbedingungen ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Gutes Hotel, klasse Verpflegung, nur bei der Frage nach frischen Ersatzgläsern leider überfordert.

Preis/Leistung ⊕ ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Mehr als fair. 150 Euro für so viel Leistung – da können sich andere zwei Scheiben von abschneiden.

Gesamtwertung ⊕ ⊕ ⊕ ⊕ ⊕
Volle Punktzahl. Absolut empfehlenswertes Seminarangebot.


Am Ende des ersten Tages: Ausklang bei einem Menü mit Weinprobe. Drei Gänge, allesamt auf erstaunlich gutem handwerklichen Niveau für ein Seminarhotel. Zu jedem Gang jeweils drei verschiedene Weine. Aufgabe: Welches ist der beste Begleiter zum Essen? Lebhafte Diskussionen in der Gruppe. Und überraschend einmütige Ergebnisse. Sehr gut. Auch hier spiegelt sich das prima Basisniveau der Teilnehmer und des Seminars wider.

Kurz vor Mittag des zweiten Seminartags steht die Prüfung an. Teilnahme freiwillig. Dennoch spürt man, wie manchem der Schweiß auf die Stirn tritt. “Meine letzte Prüfung war vor dreißig Jahren der Führerschein”, sagt der Herr neben mir. Und wer von seinem Ausbildungsbetrieb freigestellt wurde und alles bezahlt bekommen hat, steht wohl ebenfalls unter gewissem Erwartungsdruck. Aber der Dozent wischt eventuelle Sorgen fröhlich beiseite: Los, Leute, das schafft ihr.

Klar mache ich mit. Auch wenn es um nichts geht für mich. Denn wir wollen mal aufm Boden bleiben: Anerkannter Berater für Deutschen Wein – klingt gut, der Titel. Ein bisschen nach Krönchen und summa cum laude. Aber am Ende ist er in der Weinwelt das, was das Seepferdchen für die Schwimmer: ein erster Schritt, damit man nicht gleich untergeht, wenn’s in die Tiefe geht. Noch um einiges entfernt von Olympia-Gold.

Andererseits: auch nicht gerade Pipifax, der Lehrstoff. Zweifel? Okay, dann hier, bitte sehr, Probe aufs Exempel: Was sind Arabinosen? Mit wie viel Bar Druck kommt Perlwein in die Flasche? Was unterscheidet die Flaschengärung von der traditionellen Flaschengärung? Kein Achselzucken jetzt, bitte! Alles im Pipifax-Seepferdchen-Seminar besprochen.

Nur das Seepferdchen zwar, trotzdem nicht gerade Pipifax

Mein persönlicher Ehrgeiz jedenfalls ist geweckt: 100 Punkte müssten doch machbar sein. Okay, nicht ganz ohne, der Test. Konzentration! Die Fehlerquelle liegt bisweilen in der Formulierung der Fragen mit Verneinung. Tricky. Bestanden haben am Ende alle Teilnehmer. Wenn auch mancher nur knapp. Und von mindestens einem weiß ich, dass er die richtigen Antworten im Test zwar wusste, sie aber aus Protest verweigert hat. Siehe oben: “Rotwein mit 19° Trinktemperatur – so einen Quatsch kreuze ich nicht an.”

Ich schon. Ich beuge mich dem Prüfungsdiktat. Immerhin lande ich so bei 99 von 100 Punkten. Ganz ordentlich. Aber als Perfektionist und bei meinem Leidenschafts-Thema ärgere mich über den einen verschenkten Punkt. Einsicht: Offenbar doch auch für meinen Kenntnisstand immer noch empfehlenswert, so ein Seminar. Nobody’s perfect.

Und in der Tat: So grundlegend, so auf die Wein-Basics fokussiert, diese zwei Tage, dass auch manchem Profi bisweilen zu raten wäre, sich die Zeit für diese Auffrischung zu gönnen. Es erdet. Es verbindet notorische High-end-Verkoster wieder ein bisschen mit dem harten Boden des echten Weinmarkts da draußen.

Also: Hat sich die Anreise aus der Pfalz gelohnt? Die zwei nicken: Und wie! Taugt er was, der Anerkannte Berater für Deutschen Wein? Taugt. Und ganz nebenbei: Ein Riesen-Vergnügen ist es auch.


 

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Wein versus Bier, Gin, LimoRunde Eins: Wie viel Wasser geben die Hersteller dazu?

Wein versus Bier, Gin, Limo
Runde Eins: Wie viel Wasser geben die Hersteller dazu?

Craft-Beer, Gin, Szene-Limos – alle drei mega-angesagt. In Hamburg zum Beispiel schießen die Mikro-Brauereien nur so aus dem Boden, seit Ratsherrn in den Schanzenhöfen den Trend losgetreten hat. Wer es hochprozentiger mag, schließt sich dem 47-Affen-Hype an und destilliert gleich mal seinen eigenen Gin. Allein im Tausend-Meter-Umkreis rund um den wineroom sind mittlerweile sicher ein halbes Dutzend Wacholder-Schnapsbrenner am Start. Und wie viele hippe Limos sich hier in Gastronomie und Regal drängeln, lässt sich an zwei Händen schon nicht mehr abzählen.

Die 3 Szene-Drinks tun, als würden sie in einer Liga spielen mit Wein

Es gibt Bier-Tastings, bei denen man sich trifft, um dem Gerstensaft (so er denn überhaupt noch welcher ist) andächtig hinterherzuschmecken und über Hopfensorten und Bitterskalen zu philosphieren. Es gibt Gin-Tastings, in denen stundenlang debattiert wird, welcher Gin zu welchem Tonic passt und zu welcher Gemüsebeilage – und hin und zurück. Einzig Limo-Tastings sind mir bislang noch nicht über den Weg gelaufen. Falls es sie tatsächlich noch nicht geben sollte, ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis der erste Fritz seine Kola in eine Tasting-Runde wirft.

Es gibt Bier-Sommeliers. Und sicher sind auch ein paar Gin- und Limo-Lover irgendwann so weit, sich “Gin-Sommelier” oder “Limo-Sommelier” zu nennen. Warum nicht gleich “Ginnelier” oder “Limolier”? Dem Blödsinn sind keine Grenzen gesetzt. Schließlich sind mittlerweile auch schon Milch-Sommeliers, Gewürz-Sommeliers und sogar Ketchup-Sommeliers gesichtet worden.

Nichts gegen ein kühles Bier, Gin-Tonic oder eine alkfreie Limo

Nach langen Verkostungen sieht man auch uns wineroomer bisweilen ein kühles Bier zischen. Ein eiskalter Gin-Tonic kann ein herrlicher Auftakt in den Abend sein. Und auch gegen eine Limo gibt es nix zu sagen – selbst wenn wir wahrscheinlich eine Saftschorle bevorzugen würden.

Dennoch: Alle drei Drinks laufen bei uns im wineroom eher in der Kategorie “Erfrischungsgetränk”. In einer Liga mit Wein? Das hätten die drei Szene-Kumpels natürlich gerne. Aber ist da wirklich was dran? Wir haben uns im wineroom rangesetzt und recherchiert: Fakten auf den Tisch. Das Ergebnis präsentieren wir ab heute in unserer achtteiligen Serie “Wein versus Bier, Gin, Limonade”.

Fakten-Check: Wein, Craft-Beer, Gin und Szene-Limo im Vergleich

In insgesamt acht Kategorien werden wir uns die vier Getränke genauer ansehen und detailliert vergleichen. Und dann Woche für Woche hier veröffentlichen. Ein ungeschminkter Blick auf die Tatsachen. Den Anfang macht die Frage, wie viel ihrer wertvollen Rohstoffe die Hersteller bei den städtischen Wasserwerken beziehen. Anders gesagt: Wie viel schlichtes Leitungswasser setzen sie ihren Produkten zu? Vorhang auf für Runde Eins im Faktencheck!

[easy-tweet tweet=”Craft-Beer, Gin, Limo: mit besten Zutaten aus den städtischen Wasserwerken.” hashtags=”Wein,Bier,Gin,Infografik”]


Hahn aufdrehen und Wasser marsch

Wie hoch ist eigentlich der Anteil an zugesetztem Wasser, wenn man teure Getränke wie Wein, Bier, Gin oder Limo kauft? Wie viel simples Leitungswasser ist dann in der Flasche? Die Fakten sprechen eine klare Sprache: “Hahn auf und Wasser marsch” heißt es bei Bier, Gin und auch bei Limo.

Etwa 90 bis 95 Prozent billiges Leitungswasser beim Bier – selbst wenn man teures Craft-Beer erwirbt. Okay, manche Brauer haben eigenen Quellen und hegen die. Aber bei den meisten Handelsbieren und gerade im Craft-Beer-Sektor ist meist der Wasserhahn der Haupt-Rohstofflieferant.

Das liegt in der Natur des Brauprozesses: Das Malz wird im Braukessel mit Wasser angesetzt zur Maische. Die genaue Wassermenge variiert, abhängig von der Art des Bieres, das man herstellt, von der verwendeten Malzsorte, von ihrem Extraktwert und weiteren Faktoren. Aber als grobe Faustregel kann man sagen: Für eine Menge X an Bier, wird ungefähr die gleiche Menge X an Wasser verwendet, verteilt auf Hauptguss und Nachguss. Ein Teil des Wassers verdampft während des Sudprozesses, ein Teil verbleibt produktionsbedingt im Maischetrester, ein Teil im Braukessel …

Bei den meisten Bieren befinden sich am Ende etwa 90 bis 95 Prozent Leitungswasser im Glas, je nach Alkoholgradation. Angenommen, so ein Bier kommt für zwei, drei Euro in den Handel – hoppla, da wird aber schönes Geld verdient. Wasser, Wasser und nochmal Wasser ist nicht umsonst das Erfolgsrezept vieler Hersteller, die sich über exzellente Gewinnmargen freuen. Kein Wunder, dass so viele Leute auf den Brau-Trend draufhüpfen. Wer einen Wasserhahn in der Nähe hat, verfügt über eine echte Cash-Cow.

Infografik Fakten-Check "Wein versus Bier, Gin, Limo" 1. Kategorie: Wieviel Wasser setzen die Hersteller ihrem Produkt zu?

Auch bei der Limo variert die zugegebene Wassermenge. Je nachdem wie viel Fruchtsaft dabei ist, wie viel Zucker aufgelöst werden muss und was sonst noch reinkommt. Festhalten lässt sich auf jeden Fall: Schlichtes Leitungswasser ist bei den meisten Limos im Markt der Hauptrohstoff. Etwa 80 bis 90 Prozent der Rohstoffe für Limonade kommen aus der Leitung. Yeah, da freut sich die Marge!

Einzig der Gin steht etwas besser da. Hier sind es “nur” 50 bis 60 Prozent Wasser. Auch das ist produktionsbedingt: Nach dem Brennen besteht das Grund-Destillat aus annähernd 100 Prozent Alkohol. So reiner Gin ist nicht trinkbar und erst recht nicht verkehrsfähig. Damit man das Zeug überhaupt in den Handel bringen kann, muss die Alkoholgradation auf irgendwas ab 37,5 Prozent, meist auf irgendwas zwischen 40 und 50 Prozent abgesenkt werden. Sprich: Es muss verdünnt werden. Also Wasser drauf. Oft speziell gereinigtes und neutrales Wasser. Aber wir wollen bei den Fakten bleiben: hin oder her –Wasser ist Wasser.

Wein ist unter den vier Getränken das einzige, das in diesem Punkt vollkommen anders tickt. Klar: Auch Wein enthält am Ende etwa 85 bis 90 Prozent Wasser. Sonst wären Riesling & Co. eine ziemlich staubige Sache. Aber! Großes Aber: Der Wasseranteil im Wein kommt nicht aus der Leitung, sondern aus dem Weinberg. Aus der Traube. Aus der Frucht. Aus ihrem natürlich gewachsenen Saft. Zu hundert Prozent.

Wo andere einfach am Hahn drehen, um ihre Flaschen zu füllen, holt der Winzer jeden einzelnen Tropfen aus dem Wingert. Mehr noch: Wenn bei Bier, Gin und Limo das Wasser der beste Freund der Hersteller ist, betrachtet der Winzer das Wasser als Gegenspieler des Weins. Er versucht den Eintrag von Wasser in den Wein zu vermeiden, wo es nur geht. Klare Ansage: Null-Komma-Null-Null-Null Wasserzugabe beim Wein.

Fazit im Fakten-Check: Runde Eins geht klar an Wein

In einer Liga mit Wein? Wenn ich so mit Wasser rumpladdern würde wie Bier, Gin und Limo, würde ich mal schön die Füße still halten und nicht so große Töne spucken. Runde Eins geht klar an den Wein. Wer so konsequent auf den billigen Rohstoff aus der Leitung verzichtet, kriegt von uns die Siegernadel angeheftet – ohne Wenn und Aber.


Alle veröffentlichten Beiträge dieser achtteiligen Serie finden Sie hier in der Übersicht.

Wartungsarbeiten am Glas und Fokussierung auf Wein

Wartungsarbeiten am Glas und Fokussierung auf Wein

Zwei der schönsten Exemplare aus unserer Reihe “10 geniale Türhänger, die jeder Weinliebhaber braucht”. Der grüne Botschafter informiert über die durchzuführenden Wartungsarbeiten am wichtigsten Werkzeug des Verkosters: dem Glas.

Einladung zum gemeinsamen Gläserpolieren im wineroom


Der orangefarbene Türhänger dagegen fordert zur sprachlichen und thematischen Fokussierung auf: Hinter dieser Tür geht’s um Wein, bitteschön – und um (fast) nichts anderes.

Fokussieren aufs Thema Wein ohne Abschweifungen

Alle zehn Türhänger und die zugehörigen Download-Links für druckbare PDFs finden sich hier.

100% Wein – Weinwissen für Probierer, Genießer & Kenner

100% Wein – Weinwissen für Probierer, Genießer & Kenner

Was flattert uns denn da auf den Verkostertisch? Sieht nicht nach Flasche aus. Eher wie ein schmuckes Schmuckkästlein. Und das verspricht unter dem Titel “100% Wein – Unterhaltsames Weinwissen für Probierer, Genießer & Kenner”.

Im Innern birgt das schmucke Kästchen als Kernstück ein Quiz, das sich ganz und gar dem Thema Wein widmet: hundert Prozent eben. Hundert Spielkarten mit jeweils zwei Fragen auf der Vorderseite und den entsprechenden Antworten plus Erläuterungen auf der Rückseite.

Entwickelt hat das Ganze der Hamburger Weinexperte Christoph Raffelt, der neben vielem anderen auch den lesenswerten Wein-Blog originalverkorkt.de betreibt. Das klingt doch schon mal vielversprechend. Also, Gläser beiseite und ran an die Karten. Mal gucken, was das Quiz so kann. Und was wir selbst so können …


Frage 1.
Das Amarone-Schwesterchen

Welcher Wein aus der italienischen Region Vèneto wird oft als “kleine Schwester” des Amarone bezeichnet?

  • Vènetone
  • Ripasso
  • Amarettini

Richtige Antwort unten am Ende des Beitrags.


Nein, diese Frage stammt ausdrücklich nicht aus dem hier verkosteten Weinkästchen. Ebensowenig wie die weiteren Fragen unten. Damit Sie “100% Wein” immer noch 100%ig unbeschwert genießen können, wenn Sie Lust darauf haben und sich die Schatzkiste zulegen.

Aber: So wie im Beispiel oben sind die meisten Fragen des Spiels angelegt. Viele mit drei vorgegebenen Antwort-Möglichkeiten zur Auswahl, andere auch als offene Fragen zur freien Beantwortung.

Dass das Ganze kurzweilig und amüsant zu spielen ist, allein, zu zweit oder auch in Gruppen, liegt vor allem an der thematischen Breite: von allgemeinem Wein-Knowhow über wissenswerte Hintergrund-Infos bis durchaus in den Spezialistenbereich hinein.


Frage 2.
Alles eine Frage der Zubereitung

Wie heißt das Verfahren, das bei der Herstellung des Beaujolais primeur häufig eingesetzt wird?

  • Méthode beaujolais
  • Vinification primeur
  • Macération carbonique

Begleitet wird das Karten-Quiz von einem Kurz-Ratgeber in Büchleinform. Autor Christoph Raffelt gibt darin praktische Tipps, wie man die weite Welt des Weines für sich erobern kann.

Ob man mit dem Lesen allerdings alle nötigen Infos erhält, um anschließend das Quiz fehlerfrei zu meistern? Eher nicht … Aber so ist das Büchlein auch nicht gedacht. Sondern als allgemeine Einführung ins Thema Wein.

Außerdem im Kästchen: ein Notizbuch für eigene Notizen, bei denen Sinneseindrücke verkosteter Weine mittels eines Aromenrads festgehalten und beschrieben werden.

Plus ein A3-Plakat, das einerseits die wichtigsten Rebsorten mit ihren Eigenschaften beschreibt – und sich auf der anderen Seite dem Thema Wein in Kombination mit Essen widmet.


Frage 3.
Was war das noch gleich …?

Was versteht man unter dem Begriff “Batonnage”?

  • Eine Unterregion der Champagne, in der Stillweine produziert werden
  • Das Aufrühren der Hefe im Fass, nachdem ein Wein vergoren ist
  • Betongefäße in Ei-Form, in denen Wein vergoren wird

Alles in allem liebevoll zusammengestellt, diese Weinkiste, und ebenso liebevoll gestaltet (Design: Sandra Kretzmann). Ein schönes Mitbringsel für weininteressierte Menschen – oder auch zum Selbstschenken.

100% Wein – Unterhaltsames Weinwissen für Probierer, Genießer & Kenner. moses.Verlag GmbH, Kempen. ISBN 978-3-89777-881-8. € 19,95.

Transparenz-Hinweis: Das besprochene Produkt wurde vom Verlag unaufgefordert und kostenlos zur Verfügung gestellt. Rezensent Edgar Wilkening ist mit Autor Christoph Raffelt persönlich bekannt und verkostet gelegentlich mit ihm gemeinsam Weine.


Und hier die Antworten

Frage 1: Der Ripasso wird häufig als “kleine Schwester des Amarone” bezeichnet, da dem Wein Amarone-Trester zugegeben wird, aus dem er Farbstoffe, Aroma und Struktur zieht.

Frage 2: Für den Beaujolais primeur wird meist die Macération carbonique eingesetzt, bei der die geernteten Trauben im Gärtank unter Kohlenstoff-Atmosphäre gesetzt werden.

Frage 3: Bei der Batonnage wird im Fass die Hefe, auf der der Wein lagert, aufgerührt, um ihm mehr Struktur und Cremigkeit zu verleihen.


 

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