Château Grand-Puy Ducasse 1989

Château Grand-Puy Ducasse 1989

Zwei betont unauffällige Männer am Straßenrand, Samstag vormittag, irgendwo auf St. Pauli. Beide über den geöffneten Kofferraum eines uralten Pkw gebeugt, die Köpfe tief unter den Kofferraumdeckel gesteckt. Die Karre hängt bis zum Anschlag in den Knien.

Den Grund dafür nehmen die beiden Männer gerade in Augenschein. Ein halber Weinkeller, die Flaschen provisorisch in Zeitungspapier gewickelt, verlangt der Federung des Pkw alles ab. Ein Wunder, dass es die Karre überhaupt quer durch die Stadt hierher geschafft hat.

Konzentriert kramen die Kerle im Kofferraum, wickeln aus Zeitungen aus, blicken auf Etiketten, manche Flaschen werden länger gemustert, gegen das Licht gehalten, kurze Abstimmung – und dann wandert immer mal wieder die ein oder andere Bouteille an die Bordsteinkante, bevor das Kramen im Kofferraum weitergeht.

Auch so kann man Wein einkaufen im Online-Zeitalter

Was anmutet wie die Dealer-Szenerie eines Vorstadtkrimis, ist das Geschacher zweier Weinkumpel, die alte Bestände plündern. Der eine der der beiden, Fahrer des motorisierten Durchhängers, verleitet interessiertes Volk zum Restetrinken.

Eine private Kellerauflösung von anno dunnemals. Die darauf noch einmal für Jahre in einem weiteren Keller verbracht hat. Ehe die Reste irgendwie hier im Kofferraum auf St. Pauli gelandet sind. Und wiederum die Interessantesten davon an der Bordsteinkante. Auch so kann man Wein einkaufen im Online-Zeitalter.

Will man mehr wissen über diese Szene? Klar! Aber nicht hier und heute, nicht an dieser Stelle. Denn der zweite Mann ist der Schreiber dieser Zeilen. Und der hat am Ende ein gutes Dutzend Flaschen aus dem Kofferraum erworben. Eine davon ein 1989er Grand-Puy Ducasse. Nach dem Besitzerwechsel nochmal ein paar Jahre im wineroom abgelegt.

Bis gestern. Da war ultimo. Der Weinteacher hatte volle sieben Stunden eine Lammkeule bei 80 Grad zum Niederknien niedergegart. Und das wollte sich der alte Mann aus Pauillac keinesfalls entgehen lassen. Immerhin fast dreißig Jahre auf dem Buckel. Ob er da noch was Amüsantes zum Abend beitragen kann?

Füllstand in the neck. Aber der Korken verkrümelt sich. Noch gerade passabel rausgekriegt. Jetzt bloß keinen Korkfehler, bitte! Ach, was – feine aristokratische Nase. Ein würdevoller alter Herr im Sonntagsanzug offenbart sich da. Und hat richtig was zu erzählen im Glas.

Dunkles Rubin, kaum Aufhellungen am Rande. Etwas Erdbeere steigt auf, viel Ledersandale und Zedernholz, dazu Kräuter, Minze, Ätherik. Im Mund süßlicher Kern im Auftakt, immer noch feste Struktur, mittlerer Körper, butterzarte Tannine am Gaumen. Mittlere Länge. Oder doch etwas längere Länge? Darüber lässt sich vortrefflich diskutieren. Auf jeden Fall bleibt Säurespiel im Finish, das die Jahre dem Wein gebracht haben – oder den Wein über die Jahre.

Vorbildlich, wie er sich bei Tisch verhält

Respekt. Nicht wirklich groß, dieser Grand-Puy Ducasse – aber doch groß in seiner Typizität. Vorbildlich, wie er sich bei Tisch verhält und zum Lamm gesellt. Bleibt über den gesamten Abend in Form, ohne auch nur eine Spur auseinanderzubrechen.

Ein Musterbeispiel für das, was Bordeaux früher war – und heute immer seltener ist: markanter Stoff, der es über Jahre und Jahrzehnte schafft, ohne auf fetten Alkohol setzen zu müssen.

Also achten Sie drauf, wenn eine alte Karre mit durchhängenden Achsen bei Ihnen in der Straße hält. Diese Vorstadtkrimi-Schätzchen in Zeitungspapier sind immer wieder für Überraschungen gut.


Was gab’s ins Glas?

Château Grand-Puy Ducasse 1989, Bordeaux, 5ème Grand Cru Classé de Pauillac en 1855, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Der Klassiker: Schulterflasche, Frontetikett, Kapsel, Korken.

Wer steckt dahinter?

Château Grand-Puy Ducasse, Quai Antoine Ferchaud – BP23, 33250 Pauillac, Bordeaux, Frankreich, www.grandpuyducasse.fr

Was kostet der Spaß?

Aktuelle Jahrgänge liegen ab etwa fünfzig Euro aufwärts. Die 89er-Flasche aus dem Kofferraum gab’s für dreißig Euro.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Eisch Bordeaux SensisPlus.

Wer hat’s probiert?

Der Autor mit Weinteacher Ed Richter und Begleitung.

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Nix da.

Sind noch offene Fragen?

Wann macht der Kofferraum-Lieferant seine nächste Tour mit in Zeitungspapier gewickelten Flaschen?


 

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Domaine Duroché Gevrey-Chambertin 2013

Domaine Duroché Gevrey-Chambertin 2013

“Von einem jungen Nachwuchs-Winzer!” Dieses freudige Juchheissa der Weinszene hört und liest man so oft, dass man meinen könnte, es sei ein Qualitätsmerkmal für sich, wenn ein Wein von einem jungen Winzer gemacht wird statt von einem erfahrenen älteren.

Vereinigungen wie z.B. “Generation Riesling” organisieren diesen Jugend-Hype noch und pushen ihn verkaufsfördernd. Selbst wenn sich manches, was da mit dem Label “jung & anders & ich brauch das Geld” in die Flaschen kommt, bei genauerem Hinschmecken besserenfalls als “nice try” entpuppt, schlimmerenfalls als “Üben, üben, üben …”.

Warum das Thema Nachwuchs-Winzer in Deutschland überhaupt so öffentlichkeitswirksam ist, hängt mit der Vor- und Vorvorgänger-Generation zusammen. Die haben oftmals vor sich hingewurschtelt, das Weinmachen bei Papi abgeguckt, kaum mal die Nase über den Tellerrand der eigenen Betriebs- oder Dorfkante gesteckt und dann alle Sünden der landwirtschaftlichen Industrialisierung in den glorreichen 60ern, 70ern, 80ern mitgenommen. (Ja, ja: gab gute Gründe für all das. Und ja, ja: hat auch immer schon Ausnahmen gegeben.)

Das hat sich in den letzten Jahren, Jahrzehnten gründlich geändert. Und ändert sich weiter. Die Generation Winzer, die jetzt das Ruder übernimmt, ist in der Regel top ausgebildet, hat den Beruf nicht nur praktisch gelernt, sondern oft auch akademisch in Geisenheim. Dazu Auslandserfahrungen bei Weingütern in aller Welt, Austausch mit Kollegen, Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen in der Önologie. All das hat in deutschen Weinbaubetrieben tatsächlich einen spürbaren  Qualitätsschub bewirkt.

Aber ist Ihnen jemals, sagen wir: ein Bordeaux ans Herz gelegt worden mit dem Argument, er sei von einem jungen Nachwuchs-Winzer hergestellt worden? Ein Barolo? Ein Champagner? Eine Rioja Gran Reserva?

Dieses Nachwuchs-Ding scheint mir doch ein sehr deutsches Phänomen zu sein. Vielleicht weil hier der Nachholbedarf in Sachen Know-how am größten war? Bedingt auch durch Nazizeit und Nachkriegszeit? Während andere Weinbauregionen der Welt, und insbesondere die Klassiker, schon immer andere Werte, anderes Wissen über die Generationen transportiert haben? Fragen, denen wir uns im wineroom bei anderer Gelegenheit sicher noch dezidierter widmen werden. Denn eigentlich waren all die Ausführungen oben nur atmosphärische Vorbereitung für diesen einen Satz, der jetzt folgt:

Es gibt da einen jungen Nachwuchs-Winzer im Burgund, dessen Weine sollten Sie im Glas haben.

Klingt wie deutsches Marketing-Sprech, dieser Satz. Ist im Falle von Pierre Duroché aber vollkommen korrekt. Im Jahr 2005 in die elterliche Domaine im Côte d’Or eingestiegen. Und zieht Burgunder auf die Flasche, die sich gewaschen haben.

Im vorliegenden Fall ein Gevrey-Chambertin aus 2013. Der Village-Wein aus dem Hause Duroché aus verschiedenen Lagen. Kalkstein und Sandmergel im Untergrund. Die ältesten Reben 1934 gepflanzt, aber selbst die jüngsten sind schon knapp vierzig Jahre alt. Kein leichtes Jahr, dieses 2013: Rekord-Regen, hoher Infektionsdruck, immerhin ein trockener Spätsommer.

Aus all dem hat Pierre Duroché einen Village-Wein gemacht, der nur so strotzt vor Vergnügen ist. Helle Robe im Glas. Hinreißend saftig, frisch, elegant. Die Frucht fantastisch sauber, in einer so beeindruckender Reintönigkeit und Klarheit, wie man sie auch im Burgund eher selten trifft. Kraft, Tiefe, Struktur, und dennoch mit feenhafter Leichtigkeit am Gaumen. Vibrierende Säure, toller Trinkfluß, spielerischer Genuss. Ungefiltert, ungeschönt. Vollkommen perfekter Holzeinsatz, der den Wein stützt. Jetzt schon herrlich – und immer noch Potenzial.

Dieser “kleine” Burgunder ist wahrhaft groß. Und doch erst am unteren Ende der Qualitätspyramide im Hause Duroché. Toll, dass es solchen Nachwuchs gibt – auch im Burgund. Und dass er solche Meisterstücke abliefert. Lohnt sich!

Was gab’s ins Glas?

Domaine Duroché 2013 Appellation Gevrey-Chambertin Contrôlée, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Burgunderflasche, Korken, Frontetikett

Wer steckt dahinter?

Domaine Duroché, 7, place du monument 21220 Gevrey-Chambertin, Côte d’Or, Bourgogne, Frankreich, www.vins-duroche.com

Wo kommt die Buddel her?

Vom sehr empfehlenswerten Burgunder-Spezialisten “Burgunder & Süßweine Nobbi Müller”, Lipp­mannstraße 59, Tür 10, 22769 Ham­burg, www.burgunder-suesswein.de

Was kostet der Spaß?

Ab Händler 33 Euro (Mai 2015)

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Gold Edition und Zalto DenkArt Universal

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Kein Stück.


 

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Vieux Télégraphe rouge 2008

Vieux Télégraphe rouge 2008

Bitter, wenn man Helden wanken sieht. Superman bei Kryptonit. Vieux Télégraphe beim Jahrgang 2008. Beides Helden für die Ewigkeit. Beide eigentlich unbesiegbar.

Aber das Foto oben nimmt’s vorweg. Weine wie der Nullachter kennen hier nur einen Weg: den in den Ausguss. Eine Dreiviertel-Flasche eines der vielleicht besten und bekanntesten Weine der Welt – ab in den Orkus. Denn um ehrlich zu sein: Sowas will ich hier nicht mal in der Soße sehen.

Trüb und altersmüde zeigt er sich im Glas. Verhaltene Nase. Saftlos, kraftlos, spannungslos im Mund. Ein bisschen Frucht blitzt auf, ein bisschen Tannin befällt den Gaumen. Müde, morsch und dumpf ist er. Kurz.

Ganz okay als Partywein, sagt der Sommelier am Verkostungstisch.

Partywein??? Bei 60 bis 70 Euro Investment für die Flasche? Auf welche Art Partys wird der Mann eingeladen??? Okay, er hat den Wein blind im Glas, weiß nicht, was er probiert. Da sagt Partywein alles.

Nichts von der kraftstrotzenden Opulenz, die einen Vieux Télégraphe auszeichnet – und die wir im Nullsechser fanden, im Nullvierer, im Neunundneunziger. Nichts von der überbordenden Frucht, von der feinen Finesse und Länge. Nurmehr lächerlicher Abklatsch seiner selbst, diese Doppelnull-Acht aus der gefeierten Lage La Crau.

Was ist da passiert?

Gute Frage.

Auftritt der Schlaumeier und Flachbolzen: Kann schon mal sein sowas, dass eine Flasche kippt, kann schon mal passieren, dass eine Flasche einen Fehler hat. Vielen Dank, liebe Schlaumeier. So clever sind wir auch hier im wineroom. Und machen dann nicht viel Aufhebens davon, wenn eine einzelne Flasche fehlerhaft ist.

Doch wir wollen der Wahrheit Genüge tun: Dies ist nicht die erste Flasche vom Superhelden, die sich zum Wegkippen empfiehlt. Es ist die sage und schreibe sechste Flasche aus einer Sechser-Original-Holzkiste Vieux Télégraphe 2008. Aufgemacht im Verlauf der letzten vier Jahre. Und nicht eine, nicht eine einzige der sechs Flaschen taugte für irgendwas. Außer für ahnungslose Etikettentrinker.

Original Holzkiste Vieux Télégraphe 2008

Lange habe ich mich schwergetan, hier darüber zu schreiben. Wem nützen schon Verrisse? Andererseits: Genau diese Art Weine waren der Auslöser, warum der wineroom vor Jahren online gegangen ist. Warum aus der vagen Idee eine echte Webseite wurde. Weil es Schrott am Weinmarkt gibt, der hochgejubelt wird – und vor dessen Erwerb einen niemand irgendwo warnt.

Deshalb nochmal die Frage, ganz ernsthaft: Eine Ikone der Weinwelt wie Vieux Télégraphe – sechs Flaschen aus einer Original-Holzkiste – alle sechs Grütze – was ist da passiert? Lag Kryptonit rum in La Crau?

Okay, 2008 war insgesamt ein schwieriger Jahrgang an der Rhône. Aber gerade Spitzenerzeuger zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst in schweren Jahren sehr gute Qualitäten auf die Flasche bringen. Warum hier nicht?

Hat man vielleicht so geringe Erntemengen gehabt, war aber andererseits so große Liefer-Verpflichtungen weltweit eingegangen, dass man aus den Trauben pressen musste, was das Zeug hergab?

Für dieses Szenario spricht ein Hinweis auf wine.com, wo The Wine Advocate zitiert wird mit der Bemerkung, dass die Produktionsmenge für den Vieux Télégraphe 20 bis 25 Prozent niedriger lag als sonst üblich.


Quelle: Screenshot-Ausschnitt von wine.com


Das ist für jeden Weinbaubetrieb bitter. Und kann zu existenzbedrohenden Situationen führen. Da kann man schon mal versucht sein, mehr rauszuholen als drin ist … Aber darf einem Spitzenerzeuger so was passieren?

Vielleicht ist es auch so, dass man unterschiedliche Chargen mit unterschiedlichen Qualitäten abgefüllt hat. Die besseren Qualitäten gehen an die besseren Märkte. Immerhin kommt The Wine Advocate ja noch zu einem ganz gnädigen Urteil über den Wein.

Und den dusseligen Deutschen schickt man die dünnen Reste? Merkt eh keiner da im Land, wo mehr Geld für Autos und teure Küchen ausgegeben wird als für gute Lebensmittel. Lässt sich das vielleicht sogar anhand der Lot-Nummer auf der Holzkiste “Lot No 10159” nachvollziehen?

Oder hat die ganze Charge einfach nur zu lange auf irgendeinem Lkw in der Sonne rumgestanden? Wie auch immer – hier im wineroom gilt: Finger weg vom Doppelnull-Achter Vieux Télégraphe! Arme Teufel, die davon noch was im Keller liegen haben. Und Folge-Jahrgänge stehen hier unter strengster Beobachtung, bevor sie bei uns in irgendeinem Shopping-Cart landen.


Was gab’s ins Glas?

Châteauneuf-du-Pape “La Crau” Domaine du Vieux Télégraphe rouge 2008, 14,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Klassische CndP-Flasche mit Prägung, Korken.

Wer steckt dahinter?

Domaine du Vieux Télégraphe, 3 Route de Châteauneuf-du-Pape 84370 – Bédarrides, Frankreich, www.vieux-telegraphe.fr

Was kostet der Spaß?

Circa 60 bis 70 Euro.

Was macht man damit?

Wertiges Geschenk für ahnungslose Etikettentrinker, Partywein für Spaßbefreite, Kochwein für Hartgesottene. Oder gleich in den Ausguss.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Gold Edition und Zalto Denk’art Universalglas

Wer hat’s probiert?

Weinautor Edgar Wilkening gemeinsam mit einem Top-Sommelier, einem Weinhandelsberater und einer Weinliebhaberin – sowie in früheren Jahren mit diversen anderen Weinfreunden, Sommeliers, Händlern.

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Klingt er etwa so?

Sind noch offene Fragen?

Ja, nämlich die immer noch unbeantwortete Frage von oben: Was ist passiert? Wie konnte das geschehen? Hat jemand verbindliche Antworten darauf?


 

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Blue Pyrenees Estate Sparkling Shiraz

Blue Pyrenees Estate Sparkling Shiraz

Wow-Effekt garantiert! Wenn der Saft tiefdunkelrot ins Glas perlt, nur um gleich wieder hellpurpur im Kelch hochzuschäumen, dann sind Ahs und Ohs am Tisch unausweichlich. Ist aber auch ein toller Hingucker, dieser rote Sprudler.

Lambrusco?, lautet die erste Vermutung. Yep, könnte man meinen. Hat aber eine deutlich längere Reise hinter sich, wenn er bei uns auf den Tisch kommt. Und selbst wenn der Herstellername “Blue Pyrenees” eine europäische Herkunft nahelagen mag – seine wahre Heimat ist ganz unten in gaaanz unten. Im südöstlichsten Zipfel von down under, dem australischen Bundesstaat Victoria.

Hier gedeiht der Shiraz, die australische Version des Syrah, und beschert den Weinbetrieben meist monumentale, üppige Weine. Ja, und bisweilen eben auch Schaumweine – in tiefstem Rot. Eine Tradition, die man auf dem fünften Kontinent schon seit geraumer Zeit pflegt. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Opulente Frucht steigt aus dem Glas, kombiniert mit Würzaromen. Deutliches Lakritz. Süßholz. Kirsche. Und im Mund dann … – das muss man erlebt haben: Vitale Kohlensäure trägt reife Frucht und dazu ein feines Tanningerüst. Was für ein Wonneproppen! Fröhlicher Spaßmacher.

Grinsende Mienen am Verkostertisch: irres Mundgefühl, aufregendes Erlebnis. Großes Vergnügen. Allerdings keines, das über einen ganzen Abend trägt. Gut für ein Glas. Gut für den Wow-Effekt. Dann reicht’s auch irgendwann. Satt macht er in seiner Fruchtfülle und Opulenz.

Wenn man also über Unterschiede sprechen wollte zwischen Champagner oder klassisch hergestelltem Winzersekt und diesem Australier hier, na klar, dann fallen als erstes natürlich die dichte Farbe auf, die Rebsorte, das Tannin …

Aber der größte Unterschied ist dann doch: Wo gute Champagner und Winzersekte animierenden Trinkfluss entwickeln und stets zum nächsten Schluck einladen, ermüdet der Shiraz nach dem ersten Aha-Moment, wirkt immer fruchtiger, süßlicher, sättigender.

Kein Wein für eine Nacht. “Nein, so einer bin ich nicht!” Nur für eine halbe Stunde. Quickie halt. Aber diese halbe Stunde immerhin, die macht richtig Spaß. Dafür unbedingt gekühlt servieren: um die 10° C ist perfekt. Und dann rein ins Vergnügen.

Luxus-Limo Sparkling Shiraz

Was gab’s ins Glas?

Sparkling Hiraz Blue Pyrenees Estate Méthode traditionelle, 14 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Klassische Champagnerflasche mit ebenso klassischer Ausstattung: Folie, Agraffe, Korken

Wer steckt dahinter?

Blue Pyrenees, 656 Vinoca Rd, Percydale VIC 3478, Australia, www.bluepyrenees.com.au

Was sagen andere?

James Halliday’s Australian Wine Companion: “Outstanding.” 94/100 Punkte.

Was kostet der Spaß?

Champagner-Liga: wird in Deutschland zwischen 25 und 30 Euro Endverbraucherpreis gehandelt.

Fazit?

Luxus-Limo: Hingucker, Wonneproppen – bissel teuer, aber lustiges Zeugs.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Schott Zwiesel Viña

Wer hat’s probiert?

Weinexperte Edgar Wilkening und Gäste

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Nicht die Bohne.

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Chan de Rosas Clásico Albariño 2015

Chan de Rosas Clásico Albariño 2015

“Der teuerste Wein muss nicht immer der beste sein.” Oft bemühter Allgemeinplatz. In seiner Absolutheit so vollkommen richtig, dass man ihn kaum widerlegen kann.

Macht nix. Wir haben trotzdem den teuersten bestellt. Den teuersten Weißwein, den wir auf der Karte des “La Trini” fanden – mitten im angesagten Szene-Stadtteil Gràcia in Barcelona. Und für diese kecke Entscheidung waren vor allem drei Gründe maßgeblich:

  1. Wir kannten ihn beide nicht, den Chan de Rosas Clásico. Das ist immer schon mal ein Spitzen-Argument.
  2. Die Rebsorte Albariño steht im Ruf so etwas wie der iberische Riesling zu sein: säurebetont, charakterstark und in der Lage Terroir widerzuspiegeln.
  3. Mit 20 Euro die Buddel (wohlgemerkt: Gastronomie-Endverbraucherpreis) war er tatsächlich der teuerste Wein auf der Karte – aber gemessen an deutschen Verhältnissen in der Gastronomie …? Also her damit!

Der Service bringt eine hinreißend gestaltete Flasche und stellt sie ins Eis. Wow, was für eine einladende Nase: Frisch, gelbe Frucht. Und schon ein Hauch dessen, was sich gleich im Mund abspielen wird. Denn da sind fantastische Saftigkeit, Finesse, Struktur, aber vor allem: ein mineralischer, saliner Nachhall, der auch lange nach dem Trinken den Mund auskleidet und zu spüren bleibt. Hört gar nicht mehr auf. Was für ein Wonneproppen, dieser Albariño!

Chan de Rosas Albariño 2015 in der Bar La Trini Barcelona

Kein Wunder. Denn Winemaker Marcos Lojo gilt als einer der besten seiner Zunft. Von all dem ahnen wir zwar nichts zum Zeitpunkt des Probierens, erfahren erst bei der späteren Recherche davon, aber es ist vom ersten Schluck an spürbar.

Marcos Lojo studierte Lebensmitteltechnik an der Universität von Santiago de Compostela. Als er sein Studium beendet, wird gerade die Denominación de Origen Rias Baixas aus der Taufe gehoben. Das war 1988. 1995 beginnt Lojo seinen Weg als Winemaker, ist für einige der angesehensten Weingüter Galiziens und Portugals tätig. Und gilt heute wohl als erfahrenster Weinmacher in der Region.

Heißt so viel wie: Der Mann weiß, was er tun muss, um einen grandiosen Albariño in die Flasche zu bringen. Die Weinberge liegen in Nähe zum Atlantik. Erodiertes Granit. Das erklärt dann auch seine Salzigkeit, seine Mineralität: Albariño als Spiegel seines Terroirs.

Die Lese erfolgt von Hand, jeweils in 15-Kilo-Boxen. Nach dem Entrappen folgen 12 Stunden Mazeration bei 7 ° Celsius und weitere 24 Stunden Sedimentation des Safts. Nach der alkoholischen Gärung macht ein Teil des Weins noch die malolaktische Gärung durch, um mehr aromatische Komplexität zu erreichen.

Interessieren irgendwen die technischen Daten? Die Website von Chan de Rosas gibt sie an mit: 12,5 % vol. Alkohol – 6,5 gr./l Gesamtsäure – 0,4 gr./l flüchtige Säure – und 3 gr./l Restzucker. Technische Daten hin oder her: Der Wein fügt sich harmonisch mit den Tapas zusammen, die die Bar La Trini von Zeit zu Zeit auf den Tisch stellt.

Und ratzfatz ist sie leer, die Flasche Albariño. Da muss noch jeweils ein Glas der beiden zweitteuersten Weine der Karte her. Und siehe da: beides gute Weine, keine Frage. Aber keiner von der Klasse wie sie der Chan de Rosas hat. Da läuft der Allgemeinplatz von oben so gnadenlos ins bodenlos Leere. Quod erat demonstrandum. Was zu beweisen war: Diesmal ist der teuerste Wein tatsächlich der beste. Gracias, Marcos Lojo!

Tapas Bar La Trini in Gracia Barcelona

Was gab’s in die Gläser?

Chan de Rosas Clàsico Albariño 2015 D.O. Rías Baixas, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung hat der Wein?

Burgunderflasche mit Korken

Wer hat’s in die Flasche gebracht?

Chan de Rosas, Marcos Lojo, Cambados, Pontevedra, Galicia, Spanien, www.chanderosas.com

Wo wurde die Flasche probiert?

Bar La Trini, Carrer de Verdi, 30, 08012 Barcelona, Spanien, www.latrini30.com

Was kostet der Spaß?

Vor Ort in der Bar “La Trini” 20 Euro die Flasche. Ein deutscher Online-Händler hat den 16er-Jahrgang auf seiner Website für neun bis zehn Euro pro Flasche, zeigt ihn aber als aktuell nicht verfügbar an.

Wer hat’s probiert?

Autor Edgar Wilkening und Begleitung

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Ein Abend ganz nach dem Geschmack von Juristen und Anwälten: nix als Jura aufm Tisch! Sorry – musste sein, der Kalauer. Viel zu selten Gelegenheit, den anzubringen. Denn die Weine aus dem französischen Weinbaugebiet Jura kommen einfach viel zu selten auf den Tisch. Selbst im Heimatland Frankreich genießen Jura-Weine praktisch Exotenstatus.

Der Grund ist ganz einfach: Das Jura hat (laut Wikipedia) eine bestockte Rebfläche von gerade mal irgendwas um die 2.000 Hektar. Bei einer Gesamt-Rebfläche von etwa 870.000 Hektar (ebenfalls Wikipedia) stellt das Jura also weniger als 0,25 Prozent der französischen Rebfläche. Entsprechend selten sind die Weine. Entsprechend begehrt. Und entsprechend spannend, wenn sie gebündelt in einer Verkostungsreihe ins Glas kommen.

Den Rahmen stellt eine Runde Hamburger Experten, allesamt der Weinbranche professionell verbunden. Die Spielregeln: jeder Teilnehmer steuert eine Flasche passend zum Thema bei. Zufallsprinzip also, was am Ende auf dem Tisch steht, vom Organisator der Runde lediglich in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht.

Was da beim Thema Jura zusammenkommt, durchschreitet alle Höhen und Tiefen: von Weinhimmel auf Erden bis in die tiefsten Abgründe. Das Line-up in der Reihenfolge des Erscheinens – wir beginnen auf zwölf Uhr im Bild oben und dann im Uhrzeigersinn weiter.


Domaine Pignier Crémant du Jura Brut Blanc “L ‘Autre”

Chardonnay. Biodynamischer Anbau, Demeter. Spontanvergoren, ungeschwefelt, ohne Dosage. Helles Gelb. Die Nase kombiniert mürben Apfel und nussige Töne. Einladend. Frisch im Mund, sehr sauber, knackig, guten Zug. Spritziger Trinkspaß. Wenn das “der Andere ist”, wieviel Spaß macht dann wohl der Andere vom Anderen? (Um die 16 Euro.)


Domaine de l’Octavin Alice Bouvot et Charles Dagand “Corvée de Trou-Trou”

Trousseau. Ohne Jahrgangsangabe auf dem Etikett, vermutlich 2013. Biodynamisch angebaut, Demeter. Spontan, ungefiltert, ungeschönt, 9 % vol. Alkohol. Domaine de l’Octavin gilt als eines der krassesten Naturweingüter. Das erklärt, was da ins Glas fließt: kompottig-trübes Braun. Synchrones “Oha!” am Tisch. Der Wein soll mal rosa gewesen sein. Vermutlich überlagert.

Die Nase deutlich medizinal, kräutrig, nach Apotheke und chinesischen Heilmitteln, weihnachtliche Gewürze. Sehr speziell, aber nicht unangenehm. Leichter Anflug von Sauerkraut. Im Mund Herbe, Hagebutte, Schinkenbrot. Nur wenig am Gaumen von dem, was die Nase verspricht. Extrem kontroverser Stoff. Und ganz klar: Dieser Wein macht’s einem leicht, ihn in Bausch und Bogen abzulehnen – wird ihm aber nicht gerecht. (Um  die 23 Euro.)


Domaine de l’Octavin Alice Bouvot et Charles Dagand “Chez Jean-Marc”

Gamay. Ebenfalls ohne Jahrgang auf dem Etikett, vermutlich 2014. Spontan, ungefiltert, ungeschönt, 12 % vol. Alkohol. Grünliche Nase, kräutrig, erdig, süßlich morbide. Das Wort Rindensaft fällt. Etwas flüchtige Säure. Steht ziemlich nebeneinander, als er etwas zu warm ins Glas kommt. Scharfe, fast kratzige Säure. Fruchtaromen kurz, dann bleiben Säure und Gerbstoffe im Mund zurück. Forderndes Zeug. Gekühlt fügt es sich besser zusammen, wirkt strukturierter im Mund, bleibt aber fordernd. Gilt in Skandinavien als Geheimtipp in der Sommelier-Avantgarde. (Um die 26 Euro.)


Raphaël Monnier “Le Ratapoil” 2014

Gemischter Satz aus autochthonen Rebsorten des Jura. Bio-Anbau. 11 % vol. Stallton und Pferdeschweiß in der Nase. Eine Spur flüchtiger Alkohol. Im Mund stahlig, stumpf wirkend. Sehr einfach am Gaumen. Wenig Struktur, wenig Länge. “Als Zechwein zum Wurstbrot”, heißt es am Tisch. Dafür vielleicht etwas teuer. (Um die 26 Euro.)


Domaine Labet Fleur de Savagnin “En Chalasse” 2014

Savagnin. Aus 2003 angepflanzten Anlagen. Lehmboden und Kalkmergel. Bio. Nur 6 mg/l Schwefelzugabe, 12,4 % vol. In der Nase reif: Nüsse, Birne, Wachs. Champignoncremesuppe, sagt jemand. Kräftig am Gaumen, breite Schultern, Schmelz, Birne. Dabei sehr frisch, fordernde Säure, zitrisch, spritzig. Mineralisch, salzig. Nicht eben elegant, aber ausdrucksstark. Guter Wein, griffig, trinkig, mit nachhallendem Säurespiel. Interessant: Den gleichen Wein produziert produziert Domaine Labet auch noch als komplett ungeschwefelte Variante.


François Rousset-Martin “Cuvée du Professeur Sous Roche” 2014

Savagnin. 30 Jahre alte Reben. Cuvée aus drei verschiedenen Lagen. Spontan, ungeschönt, ungefiltert. 12 % vol. Kartoffelacker, Waldhonig, Sherry in der Nase. Super ausgewogen am Gaumen, breitschultrig, dabei komplex, fordernd, präsente Säure. Fast dickflüssige Textur. Bemerkenswert viel Aroma, Komplexität und Länge bei derart schmalem Alkohol. “Zum Reinlegen”, sagt jemand. Gute Arbeit, Herr Professor. (Um die 36 Euro.)


Benoît Mulin Savagnin Arbois 2011

Savagnin. Flasche erwies sich leider als fehlerhaft. Unabhängig davon war die Qualität des Weines spürbar. Goldgelb im Glas. Sherry, Jod, Rauch steigen in die Nase. Mineralität, gelbe Frucht, Nussigkeit im Mund. (Um die 25 Euro.)


La Cave de la Reine Jeanne Chardonnay 2011

Kooperationsprojekt von Benoît Mulin mit Stéphane Tissot. Chardonnay. Bio. 12,5 % vol. Curry in der Nase, Minze, präsentes Holz mit angenehmem, sattem Toast. Einladende, große Nase. Im Mund üppig ohne breit zu werden. extrem süffig, dabei komplex, große Länge, herrlicher Spannungsbogen. Fett und gleichzeitig elegant, tolle Kombination. Die ersten am Tisch spielen mit dem Gedanken, sich zurückzuziehen mit der Flasche und andächtig zu genießen. Kann man verstehen. Großer Wein. (Um die 23 Euro.)


Domaine André et Mireille Tissot, Bénédicte & Stéphane Tissot “Les Graviers” 2010

Größter Erzeuger im Jura. Chardonnay. Kalkboden. Bio. 13,5 % vol. Fantastischer Wein. Vollkommen ausgewogen, harmonisch, rund. Alle Komponenten fein ausbalanciert. Dicht gewoben, cremige Textur. Komplexität, Volumen, Länge – sehr, sehr gut. “Versuch so was mal im Burgund zu ‘nem annehmbaren Preis zu kriegen”, bemerkt jemand am Tisch. Stille. Definitiv bester Wein des Abends. (Um die 39 Euro.)


Anne et Jean-François Ganevat “Le Zaune à Dédée”

Savagnin und Gewürztraminer. Ohne Jahrgangsangabe auf dem Etikett, vermutlich 2013. 12,5 % vol. Auf der Schale vergoren, spontan. Medizinische Nase, aber angenehm, kräutrig, ätherisch. “Sanostol” fällt am Tisch, nach Eisen und Jod. Auch Hopfen, Harz, gedörrte Früchte. Herrliche Schnüffelnase. Im Mund gelbe Früchte, Pfirsich, ebenfalls kräutrig, spürbare Säure. Außergewöhnlicher Wein. Sicher nicht jedermanns Sache. Aber vollkommen rund in seiner Machart. Was würde man dazu essen? Tajine mit Lamm und Pfirsich zum Beispiel. Gutes Pairing. (Um die 30 Euro.)


 

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