Château Grand-Puy Ducasse 1989

Château Grand-Puy Ducasse 1989

Zwei betont unauffällige Männer am Straßenrand, Samstag vormittag, irgendwo auf St. Pauli. Beide über den geöffneten Kofferraum eines uralten Pkw gebeugt, die Köpfe tief unter den Kofferraumdeckel gesteckt. Die Karre hängt bis zum Anschlag in den Knien.

Den Grund dafür nehmen die beiden Männer gerade in Augenschein. Ein halber Weinkeller, die Flaschen provisorisch in Zeitungspapier gewickelt, verlangt der Federung des Pkw alles ab. Ein Wunder, dass es die Karre überhaupt quer durch die Stadt hierher geschafft hat.

Konzentriert kramen die Kerle im Kofferraum, wickeln aus Zeitungen aus, blicken auf Etiketten, manche Flaschen werden länger gemustert, gegen das Licht gehalten, kurze Abstimmung – und dann wandert immer mal wieder die ein oder andere Bouteille an die Bordsteinkante, bevor das Kramen im Kofferraum weitergeht.

Auch so kann man Wein einkaufen im Online-Zeitalter

Was anmutet wie die Dealer-Szenerie eines Vorstadtkrimis, ist das Geschacher zweier Weinkumpel, die alte Bestände plündern. Der eine der der beiden, Fahrer des motorisierten Durchhängers, verleitet interessiertes Volk zum Restetrinken.

Eine private Kellerauflösung von anno dunnemals. Die darauf noch einmal für Jahre in einem weiteren Keller verbracht hat. Ehe die Reste irgendwie hier im Kofferraum auf St. Pauli gelandet sind. Und wiederum die Interessantesten davon an der Bordsteinkante. Auch so kann man Wein einkaufen im Online-Zeitalter.

Will man mehr wissen über diese Szene? Klar! Aber nicht hier und heute, nicht an dieser Stelle. Denn der zweite Mann ist der Schreiber dieser Zeilen. Und der hat am Ende ein gutes Dutzend Flaschen aus dem Kofferraum erworben. Eine davon ein 1989er Grand-Puy Ducasse. Nach dem Besitzerwechsel nochmal ein paar Jahre im wineroom abgelegt.

Bis gestern. Da war ultimo. Der Weinteacher hatte volle sieben Stunden eine Lammkeule bei 80 Grad zum Niederknien niedergegart. Und das wollte sich der alte Mann aus Pauillac keinesfalls entgehen lassen. Immerhin fast dreißig Jahre auf dem Buckel. Ob er da noch was Amüsantes zum Abend beitragen kann?

Füllstand in the neck. Aber der Korken verkrümelt sich. Noch gerade passabel rausgekriegt. Jetzt bloß keinen Korkfehler, bitte! Ach, was – feine aristokratische Nase. Ein würdevoller alter Herr im Sonntagsanzug offenbart sich da. Und hat richtig was zu erzählen im Glas.

Dunkles Rubin, kaum Aufhellungen am Rande. Etwas Erdbeere steigt auf, viel Ledersandale und Zedernholz, dazu Kräuter, Minze, Ätherik. Im Mund süßlicher Kern im Auftakt, immer noch feste Struktur, mittlerer Körper, butterzarte Tannine am Gaumen. Mittlere Länge. Oder doch etwas längere Länge? Darüber lässt sich vortrefflich diskutieren. Auf jeden Fall bleibt Säurespiel im Finish, das die Jahre dem Wein gebracht haben – oder den Wein über die Jahre.

Vorbildlich, wie er sich bei Tisch verhält

Respekt. Nicht wirklich groß, dieser Grand-Puy Ducasse – aber doch groß in seiner Typizität. Vorbildlich, wie er sich bei Tisch verhält und zum Lamm gesellt. Bleibt über den gesamten Abend in Form, ohne auch nur eine Spur auseinanderzubrechen.

Ein Musterbeispiel für das, was Bordeaux früher war – und heute immer seltener ist: markanter Stoff, der es über Jahre und Jahrzehnte schafft, ohne auf fetten Alkohol setzen zu müssen.

Also achten Sie drauf, wenn eine alte Karre mit durchhängenden Achsen bei Ihnen in der Straße hält. Diese Vorstadtkrimi-Schätzchen in Zeitungspapier sind immer wieder für Überraschungen gut.


Was gab’s ins Glas?

Château Grand-Puy Ducasse 1989, Bordeaux, 5ème Grand Cru Classé de Pauillac en 1855, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Der Klassiker: Schulterflasche, Frontetikett, Kapsel, Korken.

Wer steckt dahinter?

Château Grand-Puy Ducasse, Quai Antoine Ferchaud – BP23, 33250 Pauillac, Bordeaux, Frankreich, www.grandpuyducasse.fr

Was kostet der Spaß?

Aktuelle Jahrgänge liegen ab etwa fünfzig Euro aufwärts. Die 89er-Flasche aus dem Kofferraum gab’s für dreißig Euro.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Eisch Bordeaux SensisPlus.

Wer hat’s probiert?

Der Autor mit Weinteacher Ed Richter und Begleitung.

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Nix da.

Sind noch offene Fragen?

Wann macht der Kofferraum-Lieferant seine nächste Tour mit in Zeitungspapier gewickelten Flaschen?


 

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Domaine Duroché Gevrey-Chambertin 2013

“Von einem jungen Nachwuchs-Winzer!” Dieses freudige Juchheissa der Weinszene hört und liest man so oft, dass man meinen könnte, es sei ein Qualitätsmerkmal für sich, wenn ein Wein von einem jungen Winzer gemacht wird statt von einem erfahrenen älteren.

Vereinigungen wie z.B. “Generation Riesling” organisieren diesen Jugend-Hype noch und pushen ihn verkaufsfördernd. Selbst wenn sich manches, was da mit dem Label “jung & anders & ich brauch das Geld” in die Flaschen kommt, bei genauerem Hinschmecken besserenfalls als “nice try” entpuppt, schlimmerenfalls als “Üben, üben, üben …”.

Warum das Thema Nachwuchs-Winzer in Deutschland überhaupt so öffentlichkeitswirksam ist, hängt mit der Vor- und Vorvorgänger-Generation zusammen. Die haben oftmals vor sich hingewurschtelt, das Weinmachen bei Papi abgeguckt, kaum mal die Nase über den Tellerrand der eigenen Betriebs- oder Dorfkante gesteckt und dann alle Sünden der landwirtschaftlichen Industrialisierung in den glorreichen 60ern, 70ern, 80ern mitgenommen. (Ja, ja: gab gute Gründe für all das. Und ja, ja: hat auch immer schon Ausnahmen gegeben.)

Das hat sich in den letzten Jahren, Jahrzehnten gründlich geändert. Und ändert sich weiter. Die Generation Winzer, die jetzt das Ruder übernimmt, ist in der Regel top ausgebildet, hat den Beruf nicht nur praktisch gelernt, sondern oft auch akademisch in Geisenheim. Dazu Auslandserfahrungen bei Weingütern in aller Welt, Austausch mit Kollegen, Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen in der Önologie. All das hat in deutschen Weinbaubetrieben tatsächlich einen spürbaren  Qualitätsschub bewirkt.

Aber ist Ihnen jemals, sagen wir: ein Bordeaux ans Herz gelegt worden mit dem Argument, er sei von einem jungen Nachwuchs-Winzer hergestellt worden? Ein Barolo? Ein Champagner? Eine Rioja Gran Reserva?

Dieses Nachwuchs-Ding scheint mir doch ein sehr deutsches Phänomen zu sein. Vielleicht weil hier der Nachholbedarf in Sachen Know-how am größten war? Bedingt auch durch Nazizeit und Nachkriegszeit? Während andere Weinbauregionen der Welt, und insbesondere die Klassiker, schon immer andere Werte, anderes Wissen über die Generationen transportiert haben? Fragen, denen wir uns im wineroom bei anderer Gelegenheit sicher noch dezidierter widmen werden. Denn eigentlich waren all die Ausführungen oben nur atmosphärische Vorbereitung für diesen einen Satz, der jetzt folgt:

Es gibt da einen jungen Nachwuchs-Winzer im Burgund, dessen Weine sollten Sie im Glas haben.

Klingt wie deutsches Marketing-Sprech, dieser Satz. Ist im Falle von Pierre Duroché aber vollkommen korrekt. Im Jahr 2005 in die elterliche Domaine im Côte d’Or eingestiegen. Und zieht Burgunder auf die Flasche, die sich gewaschen haben.

Im vorliegenden Fall ein Gevrey-Chambertin aus 2013. Der Village-Wein aus dem Hause Duroché aus verschiedenen Lagen. Kalkstein und Sandmergel im Untergrund. Die ältesten Reben 1934 gepflanzt, aber selbst die jüngsten sind schon knapp vierzig Jahre alt. Kein leichtes Jahr, dieses 2013: Rekord-Regen, hoher Infektionsdruck, immerhin ein trockener Spätsommer.

Aus all dem hat Pierre Duroché einen Village-Wein gemacht, der nur so strotzt vor Vergnügen ist. Helle Robe im Glas. Hinreißend saftig, frisch, elegant. Die Frucht fantastisch sauber, in einer so beeindruckender Reintönigkeit und Klarheit, wie man sie auch im Burgund eher selten trifft. Kraft, Tiefe, Struktur, und dennoch mit feenhafter Leichtigkeit am Gaumen. Vibrierende Säure, toller Trinkfluß, spielerischer Genuss. Ungefiltert, ungeschönt. Vollkommen perfekter Holzeinsatz, der den Wein stützt. Jetzt schon herrlich – und immer noch Potenzial.

Dieser “kleine” Burgunder ist wahrhaft groß. Und doch erst am unteren Ende der Qualitätspyramide im Hause Duroché. Toll, dass es solchen Nachwuchs gibt – auch im Burgund. Und dass er solche Meisterstücke abliefert. Lohnt sich!

Was gab’s ins Glas?

Domaine Duroché 2013 Appellation Gevrey-Chambertin Contrôlée, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Burgunderflasche, Korken, Frontetikett

Wer steckt dahinter?

Domaine Duroché, 7, place du monument 21220 Gevrey-Chambertin, Côte d’Or, Bourgogne, Frankreich, www.vins-duroche.com

Wo kommt die Buddel her?

Vom sehr empfehlenswerten Burgunder-Spezialisten “Burgunder & Süßweine Nobbi Müller”, Lipp­mannstraße 59, Tür 10, 22769 Ham­burg, www.burgunder-suesswein.de

Was kostet der Spaß?

Ab Händler 33 Euro (Mai 2015)

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Gold Edition und Zalto DenkArt Universal

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Kein Stück.


 

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Vieux Télégraphe rouge 2008

Vieux Télégraphe rouge 2008

Bitter, wenn man Helden wanken sieht. Superman bei Kryptonit. Vieux Télégraphe beim Jahrgang 2008. Beides Helden für die Ewigkeit. Beide eigentlich unbesiegbar.

Aber das Foto oben nimmt’s vorweg. Weine wie der Nullachter kennen hier nur einen Weg: den in den Ausguss. Eine Dreiviertel-Flasche eines der vielleicht besten und bekanntesten Weine der Welt – ab in den Orkus. Denn um ehrlich zu sein: Sowas will ich hier nicht mal in der Soße sehen.

Trüb und altersmüde zeigt er sich im Glas. Verhaltene Nase. Saftlos, kraftlos, spannungslos im Mund. Ein bisschen Frucht blitzt auf, ein bisschen Tannin befällt den Gaumen. Müde, morsch und dumpf ist er. Kurz.

Ganz okay als Partywein, sagt der Sommelier am Verkostungstisch.

Partywein??? Bei 60 bis 70 Euro Investment für die Flasche? Auf welche Art Partys wird der Mann eingeladen??? Okay, er hat den Wein blind im Glas, weiß nicht, was er probiert. Da sagt Partywein alles.

Nichts von der kraftstrotzenden Opulenz, die einen Vieux Télégraphe auszeichnet – und die wir im Nullsechser fanden, im Nullvierer, im Neunundneunziger. Nichts von der überbordenden Frucht, von der feinen Finesse und Länge. Nurmehr lächerlicher Abklatsch seiner selbst, diese Doppelnull-Acht aus der gefeierten Lage La Crau.

Was ist da passiert?

Gute Frage.

Auftritt der Schlaumeier und Flachbolzen: Kann schon mal sein sowas, dass eine Flasche kippt, kann schon mal passieren, dass eine Flasche einen Fehler hat. Vielen Dank, liebe Schlaumeier. So clever sind wir auch hier im wineroom. Und machen dann nicht viel Aufhebens davon, wenn eine einzelne Flasche fehlerhaft ist.

Doch wir wollen der Wahrheit Genüge tun: Dies ist nicht die erste Flasche vom Superhelden, die sich zum Wegkippen empfiehlt. Es ist die sage und schreibe sechste Flasche aus einer Sechser-Original-Holzkiste Vieux Télégraphe 2008. Aufgemacht im Verlauf der letzten vier Jahre. Und nicht eine, nicht eine einzige der sechs Flaschen taugte für irgendwas. Außer für ahnungslose Etikettentrinker.

Original Holzkiste Vieux Télégraphe 2008

Lange habe ich mich schwergetan, hier darüber zu schreiben. Wem nützen schon Verrisse? Andererseits: Genau diese Art Weine waren der Auslöser, warum der wineroom vor Jahren online gegangen ist. Warum aus der vagen Idee eine echte Webseite wurde. Weil es Schrott am Weinmarkt gibt, der hochgejubelt wird – und vor dessen Erwerb einen niemand irgendwo warnt.

Deshalb nochmal die Frage, ganz ernsthaft: Eine Ikone der Weinwelt wie Vieux Télégraphe – sechs Flaschen aus einer Original-Holzkiste – alle sechs Grütze – was ist da passiert? Lag Kryptonit rum in La Crau?

Okay, 2008 war insgesamt ein schwieriger Jahrgang an der Rhône. Aber gerade Spitzenerzeuger zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst in schweren Jahren sehr gute Qualitäten auf die Flasche bringen. Warum hier nicht?

Hat man vielleicht so geringe Erntemengen gehabt, war aber andererseits so große Liefer-Verpflichtungen weltweit eingegangen, dass man aus den Trauben pressen musste, was das Zeug hergab?

Für dieses Szenario spricht ein Hinweis auf wine.com, wo The Wine Advocate zitiert wird mit der Bemerkung, dass die Produktionsmenge für den Vieux Télégraphe 20 bis 25 Prozent niedriger lag als sonst üblich.


Quelle: Screenshot-Ausschnitt von wine.com


Das ist für jeden Weinbaubetrieb bitter. Und kann zu existenzbedrohenden Situationen führen. Da kann man schon mal versucht sein, mehr rauszuholen als drin ist … Aber darf einem Spitzenerzeuger so was passieren?

Vielleicht ist es auch so, dass man unterschiedliche Chargen mit unterschiedlichen Qualitäten abgefüllt hat. Die besseren Qualitäten gehen an die besseren Märkte. Immerhin kommt The Wine Advocate ja noch zu einem ganz gnädigen Urteil über den Wein.

Und den dusseligen Deutschen schickt man die dünnen Reste? Merkt eh keiner da im Land, wo mehr Geld für Autos und teure Küchen ausgegeben wird als für gute Lebensmittel. Lässt sich das vielleicht sogar anhand der Lot-Nummer auf der Holzkiste “Lot No 10159” nachvollziehen?

Oder hat die ganze Charge einfach nur zu lange auf irgendeinem Lkw in der Sonne rumgestanden? Wie auch immer – hier im wineroom gilt: Finger weg vom Doppelnull-Achter Vieux Télégraphe! Arme Teufel, die davon noch was im Keller liegen haben. Und Folge-Jahrgänge stehen hier unter strengster Beobachtung, bevor sie bei uns in irgendeinem Shopping-Cart landen.


Was gab’s ins Glas?

Châteauneuf-du-Pape “La Crau” Domaine du Vieux Télégraphe rouge 2008, 14,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Klassische CndP-Flasche mit Prägung, Korken.

Wer steckt dahinter?

Domaine du Vieux Télégraphe, 3 Route de Châteauneuf-du-Pape 84370 – Bédarrides, Frankreich, www.vieux-telegraphe.fr

Was kostet der Spaß?

Circa 60 bis 70 Euro.

Was macht man damit?

Wertiges Geschenk für ahnungslose Etikettentrinker, Partywein für Spaßbefreite, Kochwein für Hartgesottene. Oder gleich in den Ausguss.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Gold Edition und Zalto Denk’art Universalglas

Wer hat’s probiert?

Weinautor Edgar Wilkening gemeinsam mit einem Top-Sommelier, einem Weinhandelsberater und einer Weinliebhaberin – sowie in früheren Jahren mit diversen anderen Weinfreunden, Sommeliers, Händlern.

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Klingt er etwa so?

Sind noch offene Fragen?

Ja, nämlich die immer noch unbeantwortete Frage von oben: Was ist passiert? Wie konnte das geschehen? Hat jemand verbindliche Antworten darauf?


 

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Blue Pyrenees Estate Sparkling Shiraz

Blue Pyrenees Estate Sparkling Shiraz

Wow-Effekt garantiert! Wenn der Saft tiefdunkelrot ins Glas perlt, nur um gleich wieder hellpurpur im Kelch hochzuschäumen, dann sind Ahs und Ohs am Tisch unausweichlich. Ist aber auch ein toller Hingucker, dieser rote Sprudler.

Lambrusco?, lautet die erste Vermutung. Yep, könnte man meinen. Hat aber eine deutlich längere Reise hinter sich, wenn er bei uns auf den Tisch kommt. Und selbst wenn der Herstellername “Blue Pyrenees” eine europäische Herkunft nahelagen mag – seine wahre Heimat ist ganz unten in gaaanz unten. Im südöstlichsten Zipfel von down under, dem australischen Bundesstaat Victoria.

Hier gedeiht der Shiraz, die australische Version des Syrah, und beschert den Weinbetrieben meist monumentale, üppige Weine. Ja, und bisweilen eben auch Schaumweine – in tiefstem Rot. Eine Tradition, die man auf dem fünften Kontinent schon seit geraumer Zeit pflegt. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Opulente Frucht steigt aus dem Glas, kombiniert mit Würzaromen. Deutliches Lakritz. Süßholz. Kirsche. Und im Mund dann … – das muss man erlebt haben: Vitale Kohlensäure trägt reife Frucht und dazu ein feines Tanningerüst. Was für ein Wonneproppen! Fröhlicher Spaßmacher.

Grinsende Mienen am Verkostertisch: irres Mundgefühl, aufregendes Erlebnis. Großes Vergnügen. Allerdings keines, das über einen ganzen Abend trägt. Gut für ein Glas. Gut für den Wow-Effekt. Dann reicht’s auch irgendwann. Satt macht er in seiner Fruchtfülle und Opulenz.

Wenn man also über Unterschiede sprechen wollte zwischen Champagner oder klassisch hergestelltem Winzersekt und diesem Australier hier, na klar, dann fallen als erstes natürlich die dichte Farbe auf, die Rebsorte, das Tannin …

Aber der größte Unterschied ist dann doch: Wo gute Champagner und Winzersekte animierenden Trinkfluss entwickeln und stets zum nächsten Schluck einladen, ermüdet der Shiraz nach dem ersten Aha-Moment, wirkt immer fruchtiger, süßlicher, sättigender.

Kein Wein für eine Nacht. “Nein, so einer bin ich nicht!” Nur für eine halbe Stunde. Quickie halt. Aber diese halbe Stunde immerhin, die macht richtig Spaß. Dafür unbedingt gekühlt servieren: um die 10° C ist perfekt. Und dann rein ins Vergnügen.

Luxus-Limo Sparkling Shiraz

Was gab’s ins Glas?

Sparkling Hiraz Blue Pyrenees Estate Méthode traditionelle, 14 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Klassische Champagnerflasche mit ebenso klassischer Ausstattung: Folie, Agraffe, Korken

Wer steckt dahinter?

Blue Pyrenees, 656 Vinoca Rd, Percydale VIC 3478, Australia, www.bluepyrenees.com.au

Was sagen andere?

James Halliday’s Australian Wine Companion: “Outstanding.” 94/100 Punkte.

Was kostet der Spaß?

Champagner-Liga: wird in Deutschland zwischen 25 und 30 Euro Endverbraucherpreis gehandelt.

Fazit?

Luxus-Limo: Hingucker, Wonneproppen – bissel teuer, aber lustiges Zeugs.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Schott Zwiesel Viña

Wer hat’s probiert?

Weinexperte Edgar Wilkening und Gäste

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Nicht die Bohne.

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Cune Imperial Gran Reserva 2009

Cune Imperial Gran Reserva 2009

Tempranillo hat’s schwer im wineroom. Spaniens Leit-Rebsorte wird jedes Mal argwöhnisch beäugt, wenn sie auf den Tisch kommt. Zu breit, zu bräsig, zu breiig gerät das meistens, was da von der iberischen Halbinsel ins Glas schwappt. Ganz klar: Im Markt hat genau diese Stilistik viele Freunde. Gerade im unteren Preissegment. Und viele Konsumenten goutieren die flüssigen Fruchtbomben mit dem üppigen Vanilleeinschlag.

Trotzdem: Wenn bei uns Tempranillo auf dem Tisch landet, dann meist auf mysteriösen Wegen, die später kaum noch nachzuvollziehen sind. Und es gibt mindestens Stirnrunzeln, wenn nicht sogar hastig zu den Jacken gegriffen wird. “Spät geworden, meine Frau wartet auf mich.” “Bin noch verabredet, fällt mir ein.” “Ich muss morgen wieder früh raus.”

“Hiergeblieben!”, muss man dann anordnen. “Hinsetzen! Ist jetzt gerade halbacht! Und das hier ist nicht irgendein Tempranillo! Wir reden immerhin von Imperial! Cune! Gran Reserva! 2009! Null-Vier war Nummer Eins bei den Wine Spectator Top 100. Der wird jetzt probiert!”

Ist ja nicht so, als wenn sich Gäste im wineroom einer einleuchtenden Argumentation verschließen würden. Erst recht nicht, wenn sie in militärischem Befehlston rausgebellt wird. Alles nimmt brav wieder Platz. Und harrt der Dinge, die da ins Glas kommen.

Und das ist erstaunlich gut, müssen sogar handfeste Tempranillo-Verächter attestieren. 10 % Graciano, 5 % Mazuelo in der Cuvée. Schöne Kraft, schöne Würze, schöne Struktur. Schlehe, Kirschkern, Salmiak. Klar konturiert. Getragen von einer lebendigen Säure, die Lust macht weiter zu probieren. Das hat Eleganz, Finesse, Komplexität. Wohlwollendes Kopfnicken in der Runde: So kann man sich Tempranillo gefallen lassen. Klasse gemacht.

Nein, halt – eben nicht klasse gemacht! Und genau das ist der Haken: Über allem schwebt ein unangenehmer Kleberton. Eine ausgewachsene Pattex-Nase. Und das sogar bei 14° C Einschenktemperatur. “Verfliegt gleich”, wiegelt wer ab. Ja, der Fuselton legt sich etwas. Kehrt dann aber hartnäckig immer wieder zurück. Erst recht bei steigender Temperatur.

Der Imperial wird seit eh und je nur in Top-Jahren hergestellt, heißt es bei Cune. 2009 gilt als ein solches Top-Jahr: viel Wärme. Besser gesagt: Hitze. Auch im eher atlantisch geprägten Rioja.

“Bedeutet das, den Imperial produzieren sie nur in Top-Jahren, weil sie nur dann diesen handfesten Kleberton in die Flasche kriegen?” Grinsen am Tisch. Aber der Spötter hat ja recht. Die Fuselnase verdirbt den Spaß. Bei aller Eleganz, bei aller Komplexität, die dieser Tempranillo zeigt: Solche Fehler bei einem Wein dieser Kategorie? Dürfen nicht passieren. Und führen zu einem klaren Statement am Tisch: bei aller Klasse – kaufen würde den keiner in der Runde.

Was gab’s ins Glas?

Cune Imperial Gran Reserva 2009 DOCa Rioja, 14 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Schulterflasche, Kapsel, Korken, Haupt- und Rückenetikett

Wer steckt dahinter?

Compañia Vinicola del Norte de España, s.a., Barrio de la Estación, 26200 Haro, Rioja, Spanien, www.cvne.com

Wo hat er abgeräumt?

Robert Parker 93 Punkte, Guía Peñín 91 Punkte

Wo kommt die Buddel her?

Unbekannt. Bezugsquelle ist nicht nachzuvollziehen.

Was kostet der Spaß?

Um die 35 Euro.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Standard und Schott Zwiesel Viña.

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Kein Stück.

Sind noch offene Fragen?

Zieht sich die Klebernase auch durch andere Imperial-Jahrgänge? Oder ist das dem Ausnahmejahr 2009 geschuldet?


 

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Mullineux Syrah 2010

Mullineux Syrah 2010

Was ist die Vorgeschichte?

Die Weine der Mullineux Family werden immer wieder hochgelobt und sammeln reichlich Platter- und andere Punkte ein. Das heißt noch lange nicht, dass sie auch im wineroom mit schnalzender Zunge verkostet werden. Im Gegenteil.

Vor einiger Zeit rasselte spätabends noch ein Sommelier rein und hatte eine Buddel Mullineux in Weiß unterm Arm. Bräsig und breit lautete damals das Urteil der Anwesenden am Tisch. Umso misstrauischer – oder doch neugieriger? – wurde die Flasche Syrah begutachtet, die irgendwann ihren Weg in die wineroom-Bestände gefunden hatte.

Stand uns eine weitere hochgejazzte südafrikanische Enttäuschung bevor?

Was gab’s ins Glas?

Mullineux 2010 Syrah, Swartland Wine of Origin, 14,0 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Burgunderflasche, Korken.

Wer steckt dahinter?

Mullineux & Leeu Family Wines Proprietary Limited, Kloof Street, Riebeek Kasteel, 7307, Swartland, Südafrika, www.mullineuxwines.com

Wo kommt die Buddel her?

Vom zwischenzeitlich in die Insolvenz gegangenen Berliner Online-Weinhändler Sommelier Privé. Und der hatte sie vom deutschen Mullineux-Importeur Calistoga Wine, hinter dem der Hamburger Weinhändler Hendrik Thoma steckt.

Was kostet der Spaß?

Aktuelle Jahrgänge liegen bei 26 bis 28 Euro, zum Beispiel beim Bremer Händler Heiner Lobenberg.

Wie ist er denn nun?

Aufregend! Aufregend, herzklopfend und bei alledem so perfectly shaped, wie sich die James-Bond-Macher ihren Geheimagenten im neuen Film wünschen. Kommt der nächste 007-Streifen womöglich aus Südafrika? So saftig, so fruchtig, mit einem herrlichen Zug. Vollkommen sauber vinifinziert, höchstens mit einer Nuance gekochter Töne, sagt jemand am Verkostungstisch.

So souverän von der Frucht getragen, von Sauerkirsche und Saftigkeit, mit ätherischen Noten, mit Wildheit, Fleischigkeit, etwas Erdigkeit – es ist das reinste Trinkvergnügen. Weit entfernt von dem müden Weißen, den wir hier seinerzeit aus gleichem Hause auf dem Tisch stehen hatten.

Dieser Syrah ist so aufregend, dass man kaum weiß, wie man danach schlafen gehen soll. Herzklopfen! Vom schwarzen Kontinent? Da kann sich mancher frenchman Weinbauer in seiner Alten Welt ‘ne dicke Traube abschneiden.

Die Mullineux’ sammeln reihenweise Punkte und Auszeichnungen ein? Dieser Wein erklärt genau, warum.

Was macht man damit?

Perfekt zu Fleisch – versteht sich von selbst. Aber gerade auch als Solist ein Riesengenuss. Ich wette: Diese Flasche wird in jeder Runde bis zum allerletzten Tropfen geleert.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Gold Edition.

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Nix da.


 

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