Corte Pavone Brunello di Montalcino 2008

von | 16. Sep. 2019

Wann ist der perfekte Zeitpunkt, einen Wein aufzumachen? Es ist wie beim Ein- und Ausstieg in Aktien-Investments: Den besten Moment erwischt man nie.

Mal ist der Wein noch zu jung, die Flasche zu früh aufgezogen – und auch die Aktie deutlich vor ihrem Jahrestief gekauft. Mal ist das All-Time-High der Aktie längst überschritten, der perfekte Zeitpunkt zum Verkauf längst vorbei – und auch der Wein hätte früher aus der Flasche gehört.

Den wirklich perfekten Augenblick erwischt man nie. Außer in ganz seltenen Momenten.

So wie bei diesem Brunello di Montalcino aus 2008 von Corte Pavone: perfekt auf der Höhe im Spätsommer 2019 – elf Jahre nach der Lese. Die Frucht opulent und präsent, kein bisschen mau oder müde. Die Tannine exzellent eingebunden und stützend. Der Körper voll und prachtvoll.

Was sollte da noch besser werden?

Das ist ja stets die zentrale Frage, wenn’s darum geht, ob der Wein besser noch ein Weilchen im Keller geblieben wäre: Was sollte dadurch besser werden?

Keine Frage: Der 2008er von Corte Pavone hat genug Substanz, um weitere Jahre im Keller unbeschadet zu überstehen – das ist nicht der Punkt. Sondern: Würde ihn die weitere Flaschenreife noch runder machen, noch saftiger, noch ausgewogener? Oder einfach nur anders?

Die herrliche Frucht wird kaum herrlicher werden – eher beginnen zu schwinden im Laufe der Zeit. Das Tannin hat einen Grad an Geschmeidigkeit erlangt, der Rückgrat verleiht für weitere Jahre, ja – aber kaum feiner werden könnte. Der Körper gibt Kraft, die Säure saftige Balance. All das würde den Brunello über weitere Jahre durch den Kellerschlaf tragen – aber wozu?

Nein – das war der perfekte Zeitpunkt: elf Jahre nach der Lese. Wobei man sagen muss: So schwer war er gar nicht zu treffen, der richtige Moment – denn ein paar Monate mehr, ein paar Monate weniger – sei’s drum …

Der richtige Moment: bei einem Wein dieser Statur ist es eher ein großes Zeitfenster, ein längerer Zeitraum – als ein kurzer Wimpernschlag.

Als Faustregel lohnt es sich zu merken: zehn bis zwölf Jahre nach der Lese sind offenbar ziemlich perfekt für Brunelli von Corte Pavone. Ach, wenn’s doch so klare Empfehlungen auch für den Ein- und Ausstieg in Aktien gäbe.

Charme

Wine Rating: Three stars out of possible three

Komplexität

Wine Rating: Two stars out of possible three

Länge

Wine Rating: Two stars out of possible three

Brunelliness

Wine Rating: Three stars out of possible three

Sangiovese grosso mit Südtiroler Flair: Corte Pavone ist Teil der Loacker Wine Estates in Bozen

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Edgar Wilkening

Head & heart of wineroom bei wineroom.de
Vielfach ausgezeichneter Strategie- und Kommunikations-Experte. Erfinder des legendären Pop-up-Restaurants "Die 7 Sünden", der Weinbar Rieslingrepublik und von vielem mehr. Administratives Oberhaupt von Minden an der Weser.de.

Dem Thema Wein seit Jahren verbunden als Geprüfter Agraffenlöser & Diplom-Korkenzieher (WR) sowie Anerkannter Berater für Deutschen Wein (DWI). Erste bewusste Flasche: fränkischer Bocksbeutel aus dem elterlichen Keller – vermutlich Müller-Thurgau. Ist sowas womöglich prägend ...?
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