Domaine Duroché Gevrey-Chambertin 2013

Domaine Duroché Gevrey-Chambertin 2013

“Von einem jungen Nachwuchs-Winzer!” Dieses freudige Juchheissa der Weinszene hört und liest man so oft, dass man meinen könnte, es sei ein Qualitätsmerkmal für sich, wenn ein Wein von einem jungen Winzer gemacht wird statt von einem erfahrenen älteren.

Vereinigungen wie z.B. “Generation Riesling” organisieren diesen Jugend-Hype noch und pushen ihn verkaufsfördernd. Selbst wenn sich manches, was da mit dem Label “jung & anders & ich brauch das Geld” in die Flaschen kommt, bei genauerem Hinschmecken besserenfalls als “nice try” entpuppt, schlimmerenfalls als “Üben, üben, üben …”.

Warum das Thema Nachwuchs-Winzer in Deutschland überhaupt so öffentlichkeitswirksam ist, hängt mit der Vor- und Vorvorgänger-Generation zusammen. Die haben oftmals vor sich hingewurschtelt, das Weinmachen bei Papi abgeguckt, kaum mal die Nase über den Tellerrand der eigenen Betriebs- oder Dorfkante gesteckt und dann alle Sünden der landwirtschaftlichen Industrialisierung in den glorreichen 60ern, 70ern, 80ern mitgenommen. (Ja, ja: gab gute Gründe für all das. Und ja, ja: hat auch immer schon Ausnahmen gegeben.)

Das hat sich in den letzten Jahren, Jahrzehnten gründlich geändert. Und ändert sich weiter. Die Generation Winzer, die jetzt das Ruder übernimmt, ist in der Regel top ausgebildet, hat den Beruf nicht nur praktisch gelernt, sondern oft auch akademisch in Geisenheim. Dazu Auslandserfahrungen bei Weingütern in aller Welt, Austausch mit Kollegen, Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen in der Önologie. All das hat in deutschen Weinbaubetrieben tatsächlich einen spürbaren  Qualitätsschub bewirkt.

Aber ist Ihnen jemals, sagen wir: ein Bordeaux ans Herz gelegt worden mit dem Argument, er sei von einem jungen Nachwuchs-Winzer hergestellt worden? Ein Barolo? Ein Champagner? Eine Rioja Gran Reserva?

Dieses Nachwuchs-Ding scheint mir doch ein sehr deutsches Phänomen zu sein. Vielleicht weil hier der Nachholbedarf in Sachen Know-how am größten war? Bedingt auch durch Nazizeit und Nachkriegszeit? Während andere Weinbauregionen der Welt, und insbesondere die Klassiker, schon immer andere Werte, anderes Wissen über die Generationen transportiert haben? Fragen, denen wir uns im wineroom bei anderer Gelegenheit sicher noch dezidierter widmen werden. Denn eigentlich waren all die Ausführungen oben nur atmosphärische Vorbereitung für diesen einen Satz, der jetzt folgt:

Es gibt da einen jungen Nachwuchs-Winzer im Burgund, dessen Weine sollten Sie im Glas haben.

Klingt wie deutsches Marketing-Sprech, dieser Satz. Ist im Falle von Pierre Duroché aber vollkommen korrekt. Im Jahr 2005 in die elterliche Domaine im Côte d’Or eingestiegen. Und zieht Burgunder auf die Flasche, die sich gewaschen haben.

Im vorliegenden Fall ein Gevrey-Chambertin aus 2013. Der Village-Wein aus dem Hause Duroché aus verschiedenen Lagen. Kalkstein und Sandmergel im Untergrund. Die ältesten Reben 1934 gepflanzt, aber selbst die jüngsten sind schon knapp vierzig Jahre alt. Kein leichtes Jahr, dieses 2013: Rekord-Regen, hoher Infektionsdruck, immerhin ein trockener Spätsommer.

Aus all dem hat Pierre Duroché einen Village-Wein gemacht, der nur so strotzt vor Vergnügen ist. Helle Robe im Glas. Hinreißend saftig, frisch, elegant. Die Frucht fantastisch sauber, in einer so beeindruckender Reintönigkeit und Klarheit, wie man sie auch im Burgund eher selten trifft. Kraft, Tiefe, Struktur, und dennoch mit feenhafter Leichtigkeit am Gaumen. Vibrierende Säure, toller Trinkfluß, spielerischer Genuss. Ungefiltert, ungeschönt. Vollkommen perfekter Holzeinsatz, der den Wein stützt. Jetzt schon herrlich – und immer noch Potenzial.

Dieser “kleine” Burgunder ist wahrhaft groß. Und doch erst am unteren Ende der Qualitätspyramide im Hause Duroché. Toll, dass es solchen Nachwuchs gibt – auch im Burgund. Und dass er solche Meisterstücke abliefert. Lohnt sich!

Was gab’s ins Glas?

Domaine Duroché 2013 Appellation Gevrey-Chambertin Contrôlée, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Burgunderflasche, Korken, Frontetikett

Wer steckt dahinter?

Domaine Duroché, 7, place du monument 21220 Gevrey-Chambertin, Côte d’Or, Bourgogne, Frankreich, www.vins-duroche.com

Wo kommt die Buddel her?

Vom sehr empfehlenswerten Burgunder-Spezialisten “Burgunder & Süßweine Nobbi Müller”, Lipp­mannstraße 59, Tür 10, 22769 Ham­burg, www.burgunder-suesswein.de

Was kostet der Spaß?

Ab Händler 33 Euro (Mai 2015)

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Gold Edition und Zalto DenkArt Universal

Ist dieser Beitrag gewerblich gesponsort?

Kein Stück.


 

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12 ultimative Tipps,wie Sie Mythos Mosel meistern

12 ultimative Tipps,
wie Sie Mythos Mosel meistern

Mittlerweile mausert Mythos Mosel sich zum markanten Meilenstein in unserem Kalender. “Eine Riesling Reise” nennen es die Macher, der Verein Moseljünger e.V. Und was es damit genau auf sich hat, kann man sehr schön hier nachlesen und natürlich genauso hier.

Wenn man das Ganze auch nur halbwegs ernst nimmt, ist Mythos Mosel allerdings nicht nur reines Vergnügen, sondern auch ein gutes Stück Arbeit. Kleines Rechen-Exempel gefällig auf Basis der Zahlen, die für 2017 angekündigt sind?

Insgesamt 23 Mosel-Weingüter zwischen Detzem und Piesport öffnen ihre Tore. Und haben weitere 68 Weingüter bei sich zu Gast. Macht in Summe über 90 Weingüter. Wenn jedes Weingut im Schnitt fünf Weine zeigt, sind das mehr als 450 Weine, die zur Verkostung anstehen.

Die Riesling-Reise findet an zwei Tagen statt, Samstag und Sonntag, jeweils von 11:00 bis 18:00 Uhr. Das heißt: insgesamt 14 Stunden Zeit. Sind 840 Minuten.

Um auch nur annähernd alle Weine zu probieren, müsste man im Schnitt also etwa alle zwei Minuten den nächsten im Glas haben. Machbar. Aber nur theoretisch. Denn das wären vierzehn Stunden Dauer-Verkostung ohne Pausen, ohne Wegezeiten, ohne Gespräche … Sehr theoretisch.

Ein Wahnsinns-Programm, das die Macher auf die Beine stellen. Umso wichtiger, wenn Sie das Meiste rausholen wollen aus Ihren zwei Tagen Mythos Mosel: solide Planung und gute Vorbereitung. Und genau dabei helfen unsere zwölf ultimativen Tipps.

Manches versteht sich vielleicht von selbst, möchte aber nochmal ausgesprochen werden (Tipp #07). Manches weiß man erst, wenn man’s mal am eigenen Leibe erlebt hat (Tipp #11). Und manches muss einfach nur nochmal in Erinnerung gebracht werden, damit man’s nicht vergisst (Tipp #3).

Selbst, wenn Sie nicht alle zwölf Tipps in gleichem Maße beherzigen und jeder, abhängig von Neigungen und Konstitution, seine Schwerpunkte anders setzen wird, gilt als Regel dennoch: Je mehr, desto mehr haben Sie von Mythos Mosel. Der wineroom wünscht Ihnen auf jeden Fall viel Spaß bei diesem Wein-Event der Extra-Klasse und spannende Einblicke in die Weinwelt der Mosel.

#01
Achten Sie genau darauf, wer Sie zu Mythos Mosel begleitet

Wenn Sie eine leistungsfähige Fußballmannschaft zusammenstellen, werden Sie da auch nicht jeden X-beliebigen reinwählen. Es lohnt sich hinzuschauen, wer den Anforderungen gewachsen ist. Denn die sind nicht ohne bei dem toughen Line-up von Mythos Mosel. Wenn Sie auch nur halbwegs ambitioniert durchprobieren wollen, ist das das glatte Gegenteil von “mal auf ein Gläschen Wein an die Mosel”. Sicher: Für beides ist Platz bei Mythos Mosel. Es muss nur klar sein, was das jeweilige Ziel ist.

Nichts ist schlimmer als ein inhomogenes Team, in dem unterschiedliche Vorstellungen herrschen. Das frustriert auf Dauer beide Seiten. Prüfen Sie deshalb genau, wen Sie in Ihre Mythos-Mosel-Mannschaft holen. Lebensgefährten oder Ehepartner sind nicht automatisch erste Wahl. Und sprechen Sie offen an, was Sie vorhaben und erwarten: ein paar Gläschen Wein oder ein ambitioniertes Programm. Dann weiß Ihr Team von Anfang, wohin die Riesling-Reise geht.

#02
Üben Sie den Wechsel zwischen trockenem und süßem Wein

Eines ist so sicher wie das Amen in der St. Martinskirche von Piesport: Sie werden Weine probieren, die Ihnen vorkommen werden wie der Biss in eine Zitrone. Sauer. Extrem sauer. Und das ist nicht fair! Denn womöglich sind die Weine richtig gut gemacht und vollkommen ausgewogen. Kommen einem nur nicht so vor, wenn man vorher einen deutlich restsüßen oder edelsüßen Wein hatte.

Selbst geübten Verkostern fällt es bisweilen schwer, fair zu bleiben, wenn sie nach der edelsüßen Riesling-Auslese am nächsten Tisch einen trockenen Basis-Riesling ins Glas bekommen. Der Wechsel von 30, 50, 80 Gramm Restzucker oder noch mehr zurück zu trockenen sechs, sieben, acht Gramm fühlt sich an wie in stockfinsterer Nacht plötzlich die Augen auf und in gleißendes Scheinwerferlicht sehen. Wenn man sich dran gewöhnt hat, geht’s – aber im ersten Moment …?

Um solche Effekte und unfaire Bewertungen zu vermeiden, gibt’s eigentlich nur zwei Wege. Erstens: Sie verzichten bei Mythos Mosel auf feinherbe und restsüße Weine. Kein guter Plan. Dann verpassen Sie nämlich so ziemlich das Beste. Die süßen Rieslinge von der Mosel gehören zu den schönsten ihrer Art weltweit. Sie angeboten zu bekommen und abzulehnen, grenzt an Frevel.

Oder zweitens: Sie trainieren den Wechsel zwischen süß und trocken. Einen Riesling Trocken ins eine Glas, wechselweise mit einem Edelsüßen in einem zweiten Glas. Spüren Sie, wie unfair und “ganz schön sauer” sich der Trockene im Mund anfühlt? Dann weiter üben. Und seien Sie etwas gnädiger zu dem ersten Trockenen nach Süßem. Vielleicht liegt’s gar nicht am Wein, wenn er sauer schmeckt – vielleicht liegt’s am Verkoster. Geben Sie beiden eine zweite Chance.

#03
Entscheiden Sie sich für das richtige Schuhwerk

Es geht Steigungen rauf und wieder runter. Es geht Treppen hinauf und hinab und hinauf. Es geht über Kopfsteinpflaster, Asphalt, Schotterweg. An einem einzigen Tag Mythos Mosel wird Ihnen praktisch jede Art von Fußweg über den Weg laufen. Denn trotz des exzellenten Bus-Shuttles: Es bleiben noch genügend Strecken, die zu Fuß bewältigt werden wollen. Und auch an den Verkostungstischen bietet Ihnen niemand einen Stuhl an.

Wer da aus falsch verstandener Eitelkeit mit schicken Schühchen stöckelt statt auf trittfestes, erprobtes Schuhwerk zu vertrauen, ist selbst schuld. Kein Wunder, wenn dann mindestens das halbe Vergnügen bald wortwörtlich auf der Strecke bleibt. Wanderschuhe, Sneaker, Laufschuhe, Stiefel, Quadratlatschen – alles ist erlaubt bei Mythos Mosel. Nur nicht: aufgeben wegen falscher Schuhe.

#04
Versuchen Sie gar nicht erst, alles schaffen zu wollen

Das Programm von Mythos Mosel ist tough. Extrem tough. Das war es in früheren Jahren. Das ist in diesem Jahr so. Und das wird auch künftig so bleiben. Wir hatten oben ja schon die Rechnung aufgemacht: im Schnitt alle zwei Minuten der nächste Wein im Glas. Vierzehn Stunden lang. Nichts anderes zwischendurch. Dann haben Sie eine Chance, alle Weine zu probieren. Theoretisch machbar. Sehr theoretisch allerdings.

Besser: Wir üben uns von vornherein in etwas Demut und Bescheidenheit. Und versuchen gar nicht erst, alles schaffen zu wollen. Statt dem Unmöglichen hinterherzuhecheln lieber realistisch blieben. Machbare Ziele ins Auge fassen. Das heißt: fokussieren. Zum Beispiel auf bestimmte Erzeuger. Auf bestimmte Qualitätsstufen. Auf bestimmte Weine.

Am besten, Sie bereiten sich vor – und zwar deutlich bevor es losgeht. Schon daheim das Line-up studieren, Infos einholen, Routen planen, aussortieren. Mit so viel fokussierter Bescheidenheit holen Sie mehr raus aus Mythos Mosel als mit irgendeinem Irrsinnsplan, der alles lautet.

#05
Von A nach B nach C und D dauert länger, als man denkt

Der exzellente Bus-Shuttle macht Mythos Mosel in dieser Form überhaupt erst möglich. Schließlich verteilen sich die gastgebenden Weingüter auf einer Strecke von mehreren Kilometern entlang des Flußverlaufs. Prima, dass man die Wegstrecken dazwischen nicht mit eigenen Mitteln überwinden muss.

Dennoch: Es geht einiges an Zeit drauf, um von A nach B oder C zu kommen. Das muss man einplanen. Wer sich nicht penibel an den Busfahrplan hält, steht schon mal zwanzig Minuten an einer Haltestelle, bis die nächste Kutsche kommt. Nicht weiter schlimm. Aber wenn das zwei Mal, drei Mal passiert, hat man schnell eine Stunde oder mehr mit Warten verbracht statt beim Verkosten.

Dazu kommt: Bei den Fahrzeugen handelt es sich um reguläre Omnibusse. Bequem. Aber schon auf Grund ihrer Größe können sie nicht jedes kleine Moselgässchen ansteuern. Sondern halten an zentralen Punkten innerhalb der Orte, nah an den Hauptverkehrsstrecken.

Das kann schon mal direkt vor einem der teilnehmenden Weingüter sein, durchaus. Meist sind es aber noch einige hundert Meter zu Fuß bis zum Ziel. Und oftmals in die eine Richtung zum ersten Weingut, und zum zweiten genau in die entgegengesetzte Richtung. Busfahrten plus Wartezeiten plus Fußwege – es summiert sich halt. Gut, wenn Sie das von vornherein berücksichtigen.

#06
Seien Sie pünktlich und fangen Sie früh an

Punkt achtzehn Uhr ist Schluss. Da hilft kein Bitten und kein Betteln: ein Absackergläschen noch, dann schließen sich die Tore. Ende, aus, vorbei – Feierabend! Und das ist auch richtig so. Schließlich stehen alle Mitwirkenden zu diesem Zeitpunkt schon mindestens sieben Stunden hinter den Tischen und haben unermüdlich gearbeitet, eingeschenkt und erklärt. Irgendwann muss mal Schluss sein. Punkt achtzehn Uhr eben.

Ebenso pünktlich wird aber auch angefangen. Exakt um elf. Und wenn Sie das Meiste rausholen wollen aus Mythos Mosel: Seien Sie Punkt elf am Start. Am ersten Weingut. Am Eingang. Nicht erst losfahren daheim. Oder den Plan schmieden. Oder noch Brötchen holen fürs gemütliche Wochenend-Frühstück. Starten Sie pünktlich um elf Uhr durch: das Glas in die Hand und auf geht’s.

#07
Bitte nicht alles runterschlucken, was man Ihnen einschenkt

Versteht sich eigentlich von selbst, oder? Nur Amateure schlucken alles, was sie ins Glas bekommen. Und können sich nach einer Stunde, spätestens zwei auf den Heimweg machen – auf allen vieren. Da hilft dann auch kein Bus-Shuttle mehr.

Okay, nur zum Spaß greifen wir auch bei diesem Thema mal zur Mathematik und rechnen ein bisschen. Gehen wir mal davon aus, dass eine Flasche Wein für fünfzehn Verkostungsproben reicht. Das sind dann 0,05 Liter Wein pro Nase. Manches Schnapsglas ist besser gefüllt. Trotzdem: Es summiert sich. Nach nur fünfzehn probierten Weinen, die nicht gespuckt, sondern geschluckt wurden, hat man rein rechnerisch eine komplette Flasche intus.

Ganz oben hatten wir gesagt: Jedes Weingut stellt fünf Weine zur Verkostung an. Mit rechnerisch einer Flasche Wein geschluckt statt gespuckt hat man also gerade mal drei Weingüter durchprobiert. Nach sechs Weingütern liegen wir schon bei zwei Flaschen. Nach zwölf Weingütern bei vier Flaschen Wein.

Rechnerisch, und auch praktisch, sind wir an diesem Punkt längst sternhagelvoll – haben aber nicht mal ein Siebtel der Weine von Mythos Mosel probiert. Denn insgesamt nehmen mehr als neunzig Weingüter teil. Noch Fragen, wie ernst dieser Tipp hier gemeint ist?

#08
Erwarten Sie nicht allzuviel vom Thema Rotwein

Na, klar: An der Mosel wird bisweilen auch Rotwein angebaut. Na, klar: Mancher Rotwein von der Mosel ist sehr ordentlich. Na, klar: Bei Mythos Mosel gibt’s ab und an auch mal ein rotes Probierschlückchen ins Glas. Ja.

Aber die nicht mal zehn Prozent Rebfläche, die mit Dornfelder & Co. bestockt sind, können nicht darüber hinwegtäuschen: Mosel ist Weißwein. Und die Macher von Mythos Mosel nennen ihre Veranstaltung aus gutem Grunde eben nicht “Eine Regent Reise”, sondern “Eine Riesling Reise”.

Insofern dämpfen Sie besser Ihre Erwartungen, was rote Offenbarungen angeht. Oder verabschieden Sie sich gleich ganz vom Gedanken an Rotwein für dieses Wochenende. Freuen können Sie sich statt dessen auf fantastische Weißweine der Spitzenklasse. Und falls dann doch ganz überraschend mal was erhebendes Rotes ins Glas kommt, darf die Freude umso größer sein.

#09
Vergessen Sie nicht etwas feste Nahrung zwischendurch

Nur von Wein und Luft und Liebe leben – das wär’s! Klasse Diätprogramm. Aber bleiben wir mal auf dem Boden der Tatsachen: Etwas feste Nahrung zwischendurch kann nicht schaden. Bei Mythos Mosel sind die Transfer- und Wartezeiten ideal dafür.

Ob Sie ein paar Schnittchen von zuhause mitbringen, eine Tupperdose mit Frikadellen oder Gemüsesticks füllen oder einfach auf ein paar Tüten Erdnüsse vertrauen, ist natürlich Ihre Sache.

Auf jeden Fall sollten Sie irgendwas im Gepäck haben, wenn der Hunger kommt. Denn erstens: Er kommt. Zweitens: besonders gern während der Leerlaufzeiten im Bus oder an den Haltestellen.

Mittlerweile bieten manche der gastgebenden Weingüter auch vor Ort Essbares feil. Das reicht von der aufgebackenen Laugenstange bis zum ausgewachsenen Foodtruck. Klar, wer genug Zeit hat, kann sich da natürlich in die Schlange stellen. Effizient ist aber, wer rechtzeitig vorgesorgt hat.

#10
Beugen Sie der berüchtigten Weinfreuden-Demenz vor

Spätestens auf dem Heimweg verquirlen sich zwei Tage Mythos Mosel mit 300, 400 Weinen zu einem großen Erinnerungsbrei von Flaschen, Qualitätsstufen, Etiketten, Geschichten … War das in diesem Weingut, wo wir den Wein hatten von dem Erzeuger, der dies und das gemacht hat …? Oder war das in jenem …? Oder ganz woanders …?

Wenn Sie nur halbwegs ambitioniert verkosten und sich am Ende noch an irgendwelche Einzelheiten erinnern möchten, gibt es nur einen Weg: Machen Sie sich Notizen. Das heißt nicht, dass Sie ganze Kladden vollschreiben müssen oder zu jedem Wein ein Epos verfassen sollen. Aber die Dinge, die Ihnen besonders auffallen, seien es Weine, Winzer oder was auch immer – notieren Sie es sich, bevor es im Mythos-Mosel-Meer der Eindrücke verlorengeht.

Oft reichen auch schon kleine Symbole als Erinnerungsstütze. Ein Ausrufezeichen für einen tollen Wein. Zwei für einen herausragenden Wein. Ein Pfeil für einen Wein, den Sie nachverkosten oder ordern wollen. Und so weiter. Machen Sie sich Ihr eigenes kleines Notizsystem. Je simpler, desto besser. Und am einfachsten direkt in den Listen, die alle Winzer an ihren Tischen ausliegen haben.

#11
Empfindliche Zähne? Dann rechtzeitig für Schutz sorgen

Mosel ist Riesling. Und Riesling ist Säure. Daraus folgt: Mythos Mosel ist Säure hoch zwölf. Extrem verkürzte Formel – aber extrem richtig.

Das wird jeder, der auch nur etwas empfindlichere Zahnhälse oder Zähne hat, schnell am eigenen Leibe spüren. Genauer gesagt: im Mund. Nur wenige Stunden Riesling-Verkostung und die Zähne melden sich und murren. Die Säure beißt sich in die Beißerchen.

Da hilft dann nur: Zähne zusammenbeißen und durch. Oder: Sie schützen sich entsprechend. Die richtige Zahncreme, das richtige Zahngel können die Unannehmlichkeiten mildern. Gut, wenn man’s weiß und rechtzeitig vorsorgen kann.

#12
Nehmen Sie’s locker – es ist alles nur ein Spiel

Mythos Mosel ist ein herrliches Genuss-Festival und wird von den Machern fantastisch vorbereitet. Trotzdem wird nicht alles klappen. Irgendwas geht immer daneben. Beim Ausspucken trifft irgendwer Ihre Jacke statt den Napf, immer drängelt sich einer vor, am Tisch werden Sie übersehen, Sie lassen Ihre Unterlagen irgendwo liegen, der Bus fährt Ihnen vor der Nase weg, das Wetter schlägt um … Es kann so viel schiefgehen.

Lassen Sie sich bloß nicht Ihre Mythos-Mosel-Laune davon verderben. Nehmen Sie’s locker. Bewahren Sie sich Ihre Leichtigkeit, Ihren Frohsinn, Ihre Freude. Schließlich ist es kein Wettkampf, es geht nicht um Leben und Tod – es ist einfach nur ein herrlich amüsantes Spiel. Zwei Nachmittage mit einigen der schönsten Weine der Welt.

Machen Sie das Beste draus! Und vielleicht sehen wir uns ja. Die Mythos-Mosel-Mannschaft des wineroom sitzt jedenfalls schon auf gepackten Koffern, voller Vorfreude. Bis dann!

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Frühburgunder-Forum im Kloster Marienthal

Frühburgunder-Forum im Kloster Marienthal

Wenn der Spätburgunder eine Diva ist – dann ist die kleine Schwester Frühburgunder aber ‘ne echte Oberzicke. Schwierig im Anbau. Kleine Beeren, dadurch viel Schale, wenig Saft. Wer jedes Jahr große Fässer vollkriegen will, baut lieber was anderes an. Zwar zwei Wochen früher reif als der Spätburgunder, dann aber auch gefundenes Fressen für Heerscharen von Vögeln und Wespen, die sich auf die vollreifen Früchte stürzen und Party feiern.

Kein Wunder, dass der Frühburgunder kurz vorm Exitus stand. Wer nicht auf Effizienz getrimmt ist, wird ausgemustert. In den 60ern wurde Frühburgunder nur noch auf gut einem Dutzend Hektar angebaut. Wohlgemerkt in ganz Deutschland. Nur ein paar Renitente hielten an dem ertragsschwachen Sonderling fest. Der Rest riss raus und pflanzte effizienten Dornfelder & Co.

Vom Aus-Sterbebett zurückgekehrt ins pralle Leben

Mittlerweile erlebt die Oberzicke eine verdiente Renaissance. Dabei spielt die Ahr eine herausragende Rolle. Nicht nur, weil dieser Winzling unter den deutschen Weinbaugebieten ein Siebtel der Gesamtanbaufläche für Frühburgunder in Deutschland stemmt: immerhin 36 von insgesamt 254 Hektar. (Stand 2015; Quelle: Statistisches Bundesamt, Grunderhebung der Rebflächen, Fachserie 3 Reihe 3.1.5 – 2015, erschienen am 18.05.2016.)


Blick auf die Lagen Alte Lay und Jesuitengarten bei Walporzheim/Ahr
Volles Haus beim Frühburgunder-Forum an der Ahr

Oben: Die Lagen Alte Lay und Jesuitengarten bei Walporzheim/Ahr. Die “hervorragende Nase” links nennt sich Kaiserstuhl.
Unten: Volles Haus beim Frühburgunder-Forum. Wer genau hinschaut, entdeckt sogar (wein)königlichen Glanz in der Hütte.


Noch entscheidender wiegt: Von der Ahr stammen die besten, elegantesten, mineralischsten Frühburgunder, die wir je im Glas hatten. Keine molligen, samtenen Frühburgunderfruchtsäfte, wie sie in Rheinhessen oder Württemberg oft gekeltert werden. Sondern geschliffen klare Weine, die es in punkto Spannkraft und Präzision durchaus mit der großen Schwester Spätburgunder aufnehmen können.

Und man hat sich noch was einfallen lassen an der Ahr, um die Wiedereingliederung der Oberzicke in die Weinwelt zu fördern: das Frühburgunder-Forum. Eine Veranstaltung bei der sich alles, alles und alles ausschließlich um die einst verschmähte Rebsorte dreht. Holla, die Ahr rollt der Oberzicke den roten Teppich aus? Schauen wir mal, ob der das am Ende noch zu Kopfe steigt.

Die Ahr rollt der Oberzicke Frühburgunder den roten Teppich aus

2007 gab’s das erste Frühburgunder-Forum. Seitdem alle zwei Jahre. 2017 also das sechste Mal. Tagungsort ist das Weingut Kloster Marienthal mit seinen charmanten Räumlichkeiten. Und pünktlich high noon ging’s los: zwölf Uhr am Samstag, den 8. April.

Zwanzig Ahr-Weinbetriebe waren dabei: alte Hasen und junger Nachwuchs, Familienbetriebe und Genossenschaften, kleine Namen und große. Von den VDP-Weingütern fehlten nur Nelles und Stodden. Schade eigentlich. Beide haben Frühburgunder im Sortiment. Aber muss dann eben ohne gehen. Und siehe da: ging sehr gut.


Selfie mit Hoheit: Weinautor Edgar Wilkening mit Königin Christina
Gemäuer von Kloster Marienthal im Sonnenschein

Oben: Neee, natürlich nicht die Oberzicke, von der hier die Rede ist! Selfie mit Ihrer Hoheit Weinkönigin Christina Kurth.
Unten: Der Hauch der Geschichte weht durch die Fenster von Kloster Marienthal.


Na klar, Rahmenprogramm gab’s auch. Seminare. Workshops. Aber der eigentliche Reiz besteht in der extremen Fokussierung des Forums. Ein Weinbaugebiet. Eine Rebsorte. Kein Hin und Her. Kein Wechsel zwischen Rebsorten, Ländern, Gebieten, wie bei anderen Veranstaltungen. Nur Ahr. Nur Frühburgunder.

Alle Winzer grundsätzlich mit identischen Ausgangsbedingungen. Das macht es so spannend. Da zeigt sich, wer sein Handwerk ernst nimmt und seine Hausaufgaben gemacht hat. Und wer es hat schleifen lassen. Wer die Oberzicke zum Lachen bringt. Zum Tanzen. Zum Feiern. Und wer nicht. Es war alles dabei: von Siebter-Himmel bis Alter-das-geht-ja-gar-nicht! Und so wird das kleine Frühburgunder-Forum unversehens zur großen Lehrstunde in Winzer-Handwerk.

Das Forum als Lehrstunde in Sachen Winzer-Handwerk

“Grob fehlerhaft” taucht nicht nur einmal in unseren Verkostungsnotizen auf. Da ging’s dann wohl im Weinberg schon los: schlechter Lesezeitpunkt, unsauberes Lesegut, mangelhafte Selektion. Und wurde im Keller nicht mehr besser. Die Oberzicke verzeiht eben keine Fehler. Sondern bringt sie umso deutlicher ins Glas.

Selbst bei einem der namhaften Spitzenerzeuger steht “flach, ausdruckslos, ohne Spannung” in unseren Verkostungsunterlagen. Name tut hier nichts zu Sache. Kriegen eh gerade genug auf den Deckel, nicht nur für ihren Frühburgunder. Spaß macht das alles jedenfalls nicht. Gucken wir also lieber ans andere Ende der Skala. Da hin, wo die wahren Frühburgunder-Meister am Werk sind.


Die Ruine von Kloster Marienthal
Stand von Weingut Peter Kriechel mit sehr breitem und gutem Frühburgunder-Portfolio

Oben: So ruinös der erste Eindruck erscheinen mag, das Gartencafé inmitten der Ruinen ist absolut hinreißend.
Unten: Michael Kriechel, Peter Kriechel und Johan Larsson mit starkem Line-up – zehn verschiedene Frühburgunder.  


Dass wir den klaren, eleganten Stil vom Weingut Deutzerhof (Mayschoß) mögen und insbesondere deren Frühburgunder, ist spätestens seit dieser Geschichte kein Geheimnis mehr. Entsprechend groß die Freude am 15er Alpha & Omega (25 Euro), toller Jahrgang, geerntet aus zwei Lagen, ganz am Anfang und ganz am Ende des Ahrtals, die eine fett, die andere karg, was dem Wein eine wunderbare Kombination aus eleganter Frucht und kühler Mineralik verleiht. Groß!

Getoppt noch vom Großen Gewächs des Deutzerhofs, dem 14er Frühburgunder aus dem Mönchberg (36 Euro). Der zeigt enorme Kraft, dabei Eleganz, Finesse, Länge. Frühburgunder par excellence. Immer noch jugendlich in der Anmutung und mit weiteren fünf bis acht Jahren Potenzial. Klasse, wie gekonnt Betriebsleiter Hans-Jörg Lüchau die burgundisch inspirierte Handschrift Wolfgang Hehles weiterschreibt.

Herrliche Fundstücke auch beim Weingut Paul Schumacher (Marienthal). Hier wird weitgehend bio gearbeitet, möglichst spontan vergoren, aber ohne ein Dogma daraus zu machen. Maximal 1,8 bar Druck schonen die Kerne beim Pressen und ersparen uns Bittertöne. Auch die Maischestandzeiten reduziert man gerade: von früher eher drei Wochen auf aktuell eher zwei Wochen.

Entsprechend reintönig und minimalistisch, fast karg präsentieren sich die Weine. Der 14er Ahr Frühburgunder (13,50 Euro) mit seinen 60 hl/ha Ertrag puristisch, saubere Frucht, schön balanciert. Lustvoller Trinkgenuss für verhältnismäßig kleines Geld. Darüber angesiedelt der 15er Frühburgunder “Alegria” (20 Euro): mit 40 hl/ha deutlich weniger Ertrag, stärkere Selektion, dadurch komplexer, kräftiger, etwas konzentrierter. Verführt mit klarer Frische, purer Eleganz und guter Struktur. Sehr gut!

Zwei Frühburgunder pro Weingut, das ist der Schnitt beim Forum. Manchmal ist’s auch nur eine Flasche, manchmal sind’s drei, selten vier. Aber zehn verschiedene Frühburgunder am Tisch – damit zeigen die Brüder Michael und Peter Kriechel vom Weingut Kriechel (Walporzheim) das mit Abstand breiteste Portfolio des Forums.

Sie sind so etwas wie die Könige des Frühburgunders: Sieger beim Deutschen Rotwein-Preis 2016 mit ihrem Frühburgunder 2012 aus dem Marienthaler Rosenberg. Flächenmäßig größter Anbauer von Frühburgunder weltweit. Und so was wie Frühburgunder-Flüsterer sind sie auch irgendwie. Eigenen Klon selektioniert. Und das Portfolio am Tisch, es ist nicht nur breit – es ist auch groß.

Die Frühburgunder-Flüsterer vom Weingut Kriechel

Den Auftakt macht ein Blanc de Noir Sekt Brut Nature aus 2014 mit 0,7 gr. Restzucker (20 Euro). Und guck mal einer an: Frühburgunder kann Prickel! Schön gemacht. Dezente Frucht, Frische, schöne Säure, Eleganz. Fein! Aber meines Wissens praktisch nicht zu kaufen, falls man nicht direkt im Weingut nachfragt.

Der 15er Jubilus Frühburgunder trocken (9,90 Euro) ist nicht nur bester Frühburgunder unter zehn Euro im Forum, er war auch offizieller Berlinale-Wein 2017. Deutlicher Qualitätssprung dann: der 14er Ahr-Frühburgunder B (15,50 Euro) aus dem Barrique. Herbe Frucht und Tiefe.

Bei der Selektion hat es im Jahr 2014 für die Goldkapsel-Edition nicht ganz gereicht. Deshalb haben die Kriechels ihre Selektion “abgestuft”, auf die Goldkapsel verzichtet und als 14er Frühburgunder “Edition PK” exklusiv in Magnum-Flaschen abgefüllt (42 Euro). Meines Wissens ebenfalls ausschließlich auf Anfrage im Weingut erhältlich. Der 15er Martha Frühburgunder muss erwähnt werden (20 Euro): aus eigenem Klon gezogen, saftiger, süßer, leichter. Nur 400 Flaschen, deshalb ebenfalls nur auf Nachfrage erhältlich.

Und es hört gar nicht mehr auf: die großartige Goldkapsel 2013 Ahr-Jubilus Frühburgunder (25 Euro), herrlich samtig, saftig, gereift. Das 15er Pendant des Rotwein-Preis-Gewinners vom Marienthaler Rosenberg (39 Euro): fantastisch ausgewogen, jugendlich noch, dicht, mit feiner Würze. Daneben, aus der Schatzkammer und nur zum Verkosten: das Äquivalent aus 2009, kraftvoll, rund, vollkommen ausgewogen, exzellent gereift.

Und nicht zu vergessen der Exot am Kriechel-Tisch: Frühburgunder aus Schweden, aus dem früh reifenden, eigenen Klon der Kriechels, vom Weingut Stora Horn auf der Insel Hasslö. Inhaber Johan Larsson präsentiert mit dem 16er Jahrgang ein ehrgeiziges Projekt, das auf lange Sicht angelegt ist: hochqualitative Weine aus Südschweden. Das ist so außergewöhnlich, da reden wir sicher bei anderer Gelegenheit nochmal im Detail drüber. Aber Klimawandel und die Eigenschaften der Rebsorte zeigen: Da geht noch einiges in Sachen Frühburgunder – auch in Schweden. Es bleibt spannend.

Auf jeden Fall erlebenswert, wenn die Oberzicke auf dem Teppich bleibt, den die Ahr ihr ausrollt. Das nächste Frühburgunder-Forum dann im Frühjahr 2019. Genauen Termin und Eintrittskarten gibt es rechtzeitig über die Webseite des Verbands Ahrwein e.V. Es lohnt sich!


Transparenz-Hinweis: Der Besuch des Frühburgunder-Forums erfolgte auf Eigen-Initiative und eigene Kosten.

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Zimmertemperatur bei Rotwein und der Marsch zum Altglas-Container

Zimmertemperatur bei Rotwein und der Marsch zum Altglas-Container

Zwei der orginellsten Exemplare aus unserer schönen Serie “10 geniale Türhänger, die jeder Wein-Liebhaber braucht”.

Der brombeerfarbene Hänger beschäftigt sich mit dem Thema Trinktemperatur bei Rotwein. Der gehört in der Regel nämlich deutlich kühler ins Glas als es häufig der Fall ist. Denn bei unseren heutigen Zimmertemperaturen gilt: kühl ins Glas mit dem guten Zeug – warm wird’s von allein.

Rotwein bei Zimmertemperatur ist ein großes Thema


Der grüne Türhänger bettelt um Hilfe angesichts der Mengen von Altglas, die sich unter dem Verkostertisch schon mal ansammeln können und fachgerecht entsorgt werden wollen. Jemand da, der mit anpacken kann?

Hilfe gesucht für die Entsorgung des Altglas

Die ganze Serie mit allen zehn Türhängern plus Druck-PDFs zum kostenlosen Download findet sich hier.

“Foodblog der Woche” im Web-Adressbuch für Deutschland

“Foodblog der Woche” im Web-Adressbuch für Deutschland

Manchmal landen E-Mails im Briefkasten des wineroom, da denkst du im ersten Moment, der Spam-Filter hat wieder nicht funktioniert. Was wir so alles gewinnen! Bei Lotterien, an denen wir nie teilgenommen haben, bei Online-Casinos, die wir nie besucht haben – und dann auch noch bei der Auszeichnung als Foodblogger der Woche …

Beinah wäre die E-Mail dem automatischen Löschreflex zum Opfer gefallen. Hätte nicht im letzten Moment noch jemand “Halt” gerufen, “nicht wegklicken!” War ich das selbst? Vermutlich. Denn diese Gewinner-E-Mail war ausnahmsweise echt. Und genauso die Auszeichnung. Wow!

Der Titel “Foodblogger der Woche” wird vergeben vom Web-Adressbuch für Deutschland, dem alljährlichen Print-Kompendium für Online-Medien. Die aktuelle Ausgabe 2017 ist erschienen mit dem Schwerpunkt “Die besten Surftipps für Feinschmecker und Genießer”. Mehrere Hundert lohnender Adressen rund um Essen, Trinken und Genuss werden da aufgeführt – sehenswert. Und einige der besten werden zusätzlich geehrt mit der Auszeichnung “Foodblogger der Woche”.

Wir freuen uns natürlich wie Bolle – neee: wie Reinzuchthefe im Traubenmost: volle Kanne Partylaune! Und verstehen den Titel als Bestätigung unseres Mottos “Mehr Spaß beim Weinlesen”. Vielen Dank an die Redaktion des Web-Adressbuch für die Würdigung. Den Link zum entsprechenden Facebook-Posting gibt’s hier – und den Zwitscher-Tweet findet man hier.


Das “Web-Adressbuch für Deutschland 2017” ist erschienen im m.w. Verlag, Frankfurt, hat 672 Seiten und ist für 19,95 Euro im Buchhandel erhältlich.