Generation Pfalz Masterclass 2016

by | Allgemein | 0 comments

Unter dem sinnigen Motto „Je feiner – desto besser“ stand die Masterclass am 13. April im Literaturhaus Hamburg. Axel Biesler präsentierte Gewächse von jungen Pfälzer Winzern, die sich unter dem Label „Generation Pfalz“ zusammengefunden haben. Auf dem Tisch: vier Rieslinge, drei Pinot Noirs, allesamt aus den Jahren ’13 bis ’15.

Die Expertenmeinungen am Tisch zu den Weinen gingen weit auseinander, lagen oft sogar diametral entfernt. Was der eine als sperrig und unattraktiv empfand („Nach maximal einem Glas bin ich satt von dem Wein“), bewerteten andere als animierend und voller Trinkfluss („Ich könnte erst aufhören, wenn die Flache leer ist.“).

Und vielleicht ist das das Bemerkenswerte an dieser Masterclass: dass es einer neuen Generation gut ausgebildeter Winzer gelingt, mit ihren Pfälzer Weinen Kontroversen auszulösen – statt einfach nur bräsig jedermann „Zum Wohl“ (Pfalzwein-Slogan) zu sein. Also, wer sagt’s denn – geht doch.


Weingut Margarethenhof, Forst an der Weinstraße

Forst Ungeheuer Riesling Kabinett trocken 2014
Winzer Yvonne und Martin Lucas. Riesling-Weingut mit Pfälzer Vorzeigelagen. Klare Pfirsichnase, fruchtbetonte Kabinett-Leichtigkeit. Deutlich auf der fruchtbetonten Seite. Saftig, dicht. Abgestufte Spätlese. Edelstahl. Reinzucht. Rating 5/12
Typischer Pfalz-Kabinett für unkomplizierten, fruchtigen Genuss.


Weingut Jesuitenhof, Dirmstein

„Kalkmergel“ Dirmstein Riesling trocken 2015
Winzer Moritz Schneider. Leichte Kohlensäure-Perlung im Glas. Von seiner Jugendlichkeit geprägt, fruchtbetont, leicht dropsig, fast parfümiert. Klare, reife Frucht, exotische Noten. Ausgewogen, harmonisch, klar. Über Nacht auf der Maische gestanden. Stahltank. Reinzucht. Rating 5/12
Herrlich der Kalkmergel im mineralischen Ausklang.


Weingut Schäfer, Neustadt-Mußbach

„Limit“ Haardt Herrenletten Riesling trocken 2014
Winzer Frank Schäfer. Setzt sich mit der Linie „Limit“ klar von der Vorgeneration ab. Deutlich weniger fruchtbetonter Riesling. Würzige Noten. Stoffig, cremig, dicht, vielschichtig, mineralisch. Toller Trinkfluss, schöne Länge. Nur 800 Flaschen. Ertrag bei 35 hl/ha. Lehmböden. 30 Jahre alte Reben. Handlese. Viereinhalb Monate Lager auf der Vollhefe. Rating 7/12
Klasse gemacht – da gehen wir mit bis ans Limit.


Weingut Gabel, Herxheim am Berg

Bissersheim Goldberg Riesling trocken 2014
Winzer Oliver Gabel. Zunächst zurückhaltend in der Nase, kaum Fruchtnoten, entwickelt sich im Laufe der Zeit aber deutlich weiter ins Würzige. Liebstöckel-Aromen. Spannende Entwicklung, wie der Wein sich öffnet. Im Mund ausgewogen, dicht, cremig, komplex, tolle Länge. Spontan vergoren. Vollhefelager. Große, hundertjährige Fässer. Nur grobe Filtration. Rating 7/12
Kein typischer Pfälzer – und deshalb umso spannender.


Weingut Grimm, Schweigen-Rechtenbach

„âge“ Pinot Noir trocken 2014
Winzer Andreas Grimm. Präsentes Holz: rauchige, zigarrige Nase, geröstete Nüss. Dunkle Früchte. Präsente Frische im Mund, schöne Spannung, lebendige Säure. Finesse. Kalkhaltige Böden. Handlese. 2 Wochen Maischestandzeit. 18 Monate Barrique, ein Drittel davon Neuholz. Rating 6/12
Märchenhafter Pinot noir aus dem Hause Grimm.


Weingut Jülg, Schweigen-Südpfalz

„Kalkmergel“ Spätburgunder trocken 2014
Winzer Johannes Jülg. Fassprobe – noch nicht abgefüllt. Kirschnase, Brombeere, Blaubeere. Fast likörige Anklänge. Kühler Grip im Mund. Sehr schönes Säurespiel, toll am Gaumen, elegant, finessenreich. Noch etwas unausgewogen, aber das wird sich im Lauf der Zeit legen. Potenzial. Rating 7/12
Spätburgunder liebt den Kalkmergel – und wir genauso.


Weingut Stefan Meyer, Neustadt-Mußbach

Rhodt Rosengarten Pinot noir trocken 2013
Winzer Stefan Meyer. Wunderschöne deutsche Pinot-Nase. Im Mund ausgewogen, cremig, finessenreich. Gute Struktur. Nicht weichgespült, sondern mit eleganter Schroffheit. Handlese, strenge Selektion im schwierigen Jahr 2013.  Beigabe von Rappen zur Maische. 50% neues Barrique. Keine Filtration. Gut und gerne zehn Jahre Potenzial. Sehr gut. Rating 8/12
Toller Pinot Noir aus deutschen Landen. Love it!


 

Cune Imperial Gran Reserva 2009

Tempranillo hat's schwer im wineroom. Spaniens Leit-Rebsorte wird jedes Mal...

Schraube versus Naturkork –
Selbstversuch mit einem normalen Rotwein

Immerhin liegen sieben Jahre zwischen den Jahrgängen des Pinotage von...

Château Cos Labory 2006

Herrje, was wurde der 2006er gebasht! Nach dem grandios verlaufenen Null-Fünf...

SaarRieslingSommer 2019

Zum Sommer gehört der Riesling. Zum Riesling gehört die Saar. Und zur Saar –...

Weltner Sylvaner Hoheleite 2011

Was gab’s ins Glas? Weltner Sylvaner Rödelseer Küchenmeister GL...

Erzeuger-Abfüllung: Ist da was dran …?

Lieber Dr. Sommelier! Blöde Frage vielleicht, aber meine Kumpels haben gesagt:...

Schwarz „Tief Schwarz“ 2016

So sehen sie sich am liebsten, Vater und Sohn: tiefschwarz. Der Familienname...

„Foodblog der Woche“ im Web-Adressbuch für Deutschland

Manchmal landen E-Mails im Briefkasten des wineroom, da denkst du im ersten...

Jurtschitsch GrüVe 2015

Was war im Glas?GrüVe 2015, Grüner Veltliner, trocken, 11,5 % vol.,...

Château Margaux 1983

Was gab’s ins Glas?Château Margaux 1983 Premier Grand Cru ClasséWelche...

Mullineux Syrah 2010

Was ist die Vorgeschichte?Die Weine der Mullineux Family werden immer wieder...

Castello di Ama Haiku 2009

Was gab’s ins Glas?Castello di Ama Haiku 2009 IGT (13 % Vol.)Wer steckt...

Badenhorst White Blend 2013

Was gab’s ins Glas?A.A. Badenhorst White Blend 2013, Wine of Origin Swartland,...

Perfekt verkuppelt: Champagner mit Hafenblick und ein Sommelier, der die Korken nicht knallen lässt

Die Weinbühne von Sommelier Carsten Laade ist zurück!Was haben wir sie...

Pop-Musik versus Jazz

Nichts gegen Easy-listening. Im Fahrstuhl, im Supermarkt, beim Friseur – okay,...

Die deutsche Ausgabe des früheren Benetton-Fotograf

Verblüffend, wie sehr sich Geschichten manchmal ähneln. Zum Beispiel die des...
Edgar Wilkening
Follow me