Domaine Duroché Gevrey-Chambertin 2013

von Jun 21, 2017Red, Tasting0 Kommentare

“Von einem jungen Nachwuchs-Winzer!” Dieses freudige Juchheissa der Weinszene hört und liest man so oft, dass man meinen könnte, es sei ein Qualitätsmerkmal für sich, wenn ein Wein von einem jungen Winzer gemacht wird statt von einem erfahrenen älteren.

Vereinigungen wie z.B. “Generation Riesling” organisieren diesen Jugend-Hype noch und pushen ihn verkaufsfördernd. Selbst wenn sich manches, was da mit dem Label “jung & anders & ich brauch das Geld” in die Flaschen kommt, bei genauerem Hinschmecken besserenfalls als “nice try” entpuppt, schlimmerenfalls als “Üben, üben, üben …”.

Warum das Thema Nachwuchs-Winzer in Deutschland überhaupt so öffentlichkeitswirksam ist, hängt mit der Vor- und Vorvorgänger-Generation zusammen. Die haben oftmals vor sich hingewurschtelt, das Weinmachen bei Papi abgeguckt, kaum mal die Nase über den Tellerrand der eigenen Betriebs- oder Dorfkante gesteckt und dann alle Sünden der landwirtschaftlichen Industrialisierung in den glorreichen 60ern, 70ern, 80ern mitgenommen. (Ja, ja: gab gute Gründe für all das. Und ja, ja: hat auch immer schon Ausnahmen gegeben.)

Das hat sich in den letzten Jahren, Jahrzehnten gründlich geändert. Und ändert sich weiter. Die Generation Winzer, die jetzt das Ruder übernimmt, ist in der Regel top ausgebildet, hat den Beruf nicht nur praktisch gelernt, sondern oft auch akademisch in Geisenheim. Dazu Auslandserfahrungen bei Weingütern in aller Welt, Austausch mit Kollegen, Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen in der Önologie. All das hat in deutschen Weinbaubetrieben tatsächlich einen spürbaren  Qualitätsschub bewirkt.

Aber ist Ihnen jemals, sagen wir: ein Bordeaux ans Herz gelegt worden mit dem Argument, er sei von einem jungen Nachwuchs-Winzer hergestellt worden? Ein Barolo? Ein Champagner? Eine Rioja Gran Reserva?

Dieses Nachwuchs-Ding scheint mir doch ein sehr deutsches Phänomen zu sein. Vielleicht weil hier der Nachholbedarf in Sachen Know-how am größten war? Bedingt auch durch Nazizeit und Nachkriegszeit? Während andere Weinbauregionen der Welt, und insbesondere die Klassiker, schon immer andere Werte, anderes Wissen über die Generationen transportiert haben? Fragen, denen wir uns im wineroom bei anderer Gelegenheit sicher noch dezidierter widmen werden. Denn eigentlich waren all die Ausführungen oben nur atmosphärische Vorbereitung für diesen einen Satz, der jetzt folgt:

Es gibt da einen jungen Nachwuchs-Winzer im Burgund, dessen Weine sollten Sie im Glas haben.

Klingt wie deutsches Marketing-Sprech, dieser Satz. Ist im Falle von Pierre Duroché aber vollkommen korrekt. Im Jahr 2005 in die elterliche Domaine im Côte d’Or eingestiegen. Und zieht Burgunder auf die Flasche, die sich gewaschen haben.

Im vorliegenden Fall ein Gevrey-Chambertin aus 2013. Der Village-Wein aus dem Hause Duroché aus verschiedenen Lagen. Kalkstein und Sandmergel im Untergrund. Die ältesten Reben 1934 gepflanzt, aber selbst die jüngsten sind schon knapp vierzig Jahre alt. Kein leichtes Jahr, dieses 2013: Rekord-Regen, hoher Infektionsdruck, immerhin ein trockener Spätsommer.

Aus all dem hat Pierre Duroché einen Village-Wein gemacht, der nur so strotzt vor Vergnügen ist. Helle Robe im Glas. Hinreißend saftig, frisch, elegant. Die Frucht fantastisch sauber, in einer so beeindruckender Reintönigkeit und Klarheit, wie man sie auch im Burgund eher selten trifft. Kraft, Tiefe, Struktur, und dennoch mit feenhafter Leichtigkeit am Gaumen. Vibrierende Säure, toller Trinkfluß, spielerischer Genuss. Ungefiltert, ungeschönt. Vollkommen perfekter Holzeinsatz, der den Wein stützt. Jetzt schon herrlich – und immer noch Potenzial.

Dieser “kleine” Burgunder ist wahrhaft groß. Und doch erst am unteren Ende der Qualitätspyramide im Hause Duroché. Toll, dass es solchen Nachwuchs gibt – auch im Burgund. Und dass er solche Meisterstücke abliefert. Lohnt sich!

Was gab’s ins Glas?

Domaine Duroché 2013 Appellation Gevrey-Chambertin Contrôlée, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Burgunderflasche, Korken, Frontetikett

Wer steckt dahinter?

Domaine Duroché, 7, place du monument 21220 Gevrey-Chambertin, Côte d’Or, Bourgogne, Frankreich, www.vins-duroche.com

Wo kommt die Buddel her?

Vom sehr empfehlenswerten Burgunder-Spezialisten “Burgunder & Süßweine Nobbi Müller”, Lipp­mannstraße 59, Tür 10, 22769 Ham­burg, www.burgunder-suesswein.de

Was kostet der Spaß?

Ab Händler 33 Euro (Mai 2015)

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Gold Edition und Zalto DenkArt Universal

Ist dieser Beitrag gewerblich gesponsort?

Kein Stück.


 

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Edgar Wilkening

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Vielfach ausgezeichneter Strategie- und Kommunikations-Experte. Erfinder des legendären Pop-up-Restaurants "Die 7 Sünden", der Weinbar Rieslingrepublik und von vielem mehr. Administratives Oberhaupt von Minden an der Weser.de.

Dem Thema Wein seit Jahren verbunden als Geprüfter Agraffenlöser & Diplom-Korkenzieher (WR) sowie Anerkannter Berater für Deutschen Wein (DWI). Erste bewusste Flasche: fränkischer Bocksbeutel aus dem elterlichen Keller – vermutlich Müller-Thurgau. Ist sowas womöglich prägend ...?
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