Durst Sylvaner 2013

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Was gab’s ins Glas?
Durst Sylvaner 2013, Pfälzer Landwein, 12,5 % vol.

Welche Ausstattung?
Schlegelflasche 750 ml, Long-cap-Schraubverschluss.

Wer hat’s gemacht?
Andreas Durst, Leininger Ring 69, 67278 Bockenheim a.d. Weinstraße, Pfalz, Deutschland, www.durst-wein.de

Wo kommt die Buddel her?
Aus München vom Online-Händler „225 Liter – Handverlesene Weine“.

Was kostet der Spaß?
Ehrliche 13 Euro.

Was ist interessant zu wissen?
Andreas Durst ist so etwas wie die deutsche Ausgabe von Oliviero Toscani, dem früheren Benetton-Fotograf. Mit seinen schockierenden Fotos förderte der in den 80ern und 90ern nicht nur den Absatz italienischer Strickware, sondern provozierte öffentliche Diskussionen. Heute kümmert sich Toscani mehr um sein Weingut als ums Fotografieren. Und macht in der Toskana exzellente, gegen den Mainstream gebürstete Weine.

Ein Toscani in der Toskana? Da würde sich ein arg lustiges Wortspielchen doch geradezu aufdrängen, oder? Und damit sind wir bei einem Pfälzer Winzer mit dem Namen Durst.

Auch da drängen sich 1. die Wortwitzchen nur so auf. Auch Andreas Durst ist 2. von Haus aus Fotograf. Jeder Weininteressierte hat seine Fotos womöglich öfter gesehen, als er meint. In Büchern, in Zeitschriften, im Web. Praktisch die gesamte deutsche Weinelite hat er vor der Kamera gehabt. Und auch Durst hat 3. seinen eigenen, unverwechselbaren Bildstil: zupackende, dramatische Hingucker, die provokant von harter Arbeit in Weinberg und Keller erzählen.

Und noch etwas ist sozusagen toscanisch: Auch Durst ist 4. erst nach dem Fotografieren zum Weinmachen gekommen. Ein Quereinsteiger. Ein Querulant sogar. Ebenfalls auf Mission gegen 5. den allseits verbreiteten Mainstream. Was bringt er also ins Glas, der deutsche Toscani?

Wie ist er denn nun?
Blindprobe. Saftig, exotisch, Mango, nicht Frankreich, kein Riesling – sind die ersten Worte, die am Verkostungstisch fallen. Der Schrauber kam direkt vorm Einschenken runter von der Buddel. Das ist wohl der Grund, warum auch gemüsig und Pastinake in der Nase liegen.

Im Mund geht’s mit Saftigkeit weiter. Präsente Säure. Deswegen wird Silvaner ausgeschlossen am Tisch. Heuig, erdig, grüne Aromen, grüner Apfel, grüne Ananas, schöne Länge. Auf jeden Fall jemand, der in Richtung Bio und Sponti arbeitet, lautet die Einschätzung.

Großes Hallo, als aufgedeckt wird. Andreas Durst ist natürlich kein Unbekannter am Tisch. Derweil entwickelt sich der ypsilonisierte Sylvaner mit Luft und Temperatur, zeigt Steinobst, Schmelz, mineralische Länge mit einem kalkig-trockenen Mundgefühl. Dem Wein wird’s zu eng im klassischen Weißweinglas. Größere Gläser müssen auf den Tisch.

In denen zeigt er sein wahres Format sogar erst am Folgetag. Erhaben und reif, schlank bei guter Struktur. Erwachsen, ausgewogen, würzig. Als Solist ein anspruchsvoller Gesprächspartner, der erwartet, dass man ihm zuhört. Als Begleiter beim Essen ein seriöser Tischpartner, der perfekt moderiert.

Was macht man damit?
Hatten wir oben Aufzählungspunkte? Dann machen wir das hier genauso, bitte: 1. Rechtzeitig einsacken, den Sylvaner. Gibt nämlich nicht viel davon. 2. Aufmachen ab 2017 – wenn man denn so lange warten kann. 3. Rechtzeitig raus aus der Kühlung. Das hier ist keiner von den Burschen, die erst kurz vorm Gefrierpunkt genießbar werden. Im Gegenteil: Der hier mag’s gern etwas wärmer. Und so rund um die 12 Grad dreht er richtig auf. 4. Rechtzeitig karaffieren. Oder am Vortag Flasche auf, ein Glas raus, Flasche zurück in die Kühlung und warten, bis der zugeführte Sauerstoff am nächsten Tag sein segensreiches Werk vollbracht hat. 5. Große Gläser.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?
Weißweinglas, Universalglas und Bordeauxglas von Zalto Denk’Art.

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Edgar Wilkening
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