Las Machuqueras 2014

Was gab’s ins Glas?
Viña Bodega Matías i Torres Las Machuqueras, La Palma, Listán Bianco, 13 % Vol.

Wer steckt dahinter?
Victoria E. Torres Pecis, Bodega Juan Matías torres C/ Ciudad Real, s/n. Los Canarios, 38740 Fuencaliente, La Palma, Islas Canarias, España, www.matiasitorres.com

[easy-tweet tweet=”Vorbildliches Etikett: Solche Auszeichnung wünschen sich Ausschenker, Einschenker und Rumschwenker öfter.”]

Was ist vorab interessant?
Zwei Dinge. Erstens: ziemlich vorbildliches Etikett. Und damit ist nicht etwa das unaufgeregte, klare Design gemeint oder das lässige, gestanzte Loch links unten im Papier. Sondern: Neben den Pflichtangaben geben die Macher Ihrem Getränk eine ganze Reihe weiterer Informationen mit auf den weiten Weg von den kanarischen Kellern ins deutsche Glas.

Rebsorte: Listán Bianco de Canarias 100%. Parzelle: Las Machuqueras (mit den geografischen Daten 28° 28′ 58,26” N, 17° 50′ 27,20” W). Rebstöcke: 40 bis 120 Jahre und – Respekt! – wurzelecht. Boden: vulkanisch mit der Bezeichnung “Picón” – was leo.org ohne zu zögern mit “Holzkohle” übersetzt.

Anbauform: Secano. “Trockenfarmsystem” nennt leo.org das. Gemeint ist: ohne künstliche Bewässerung, bewässert nur durch den kargen, natürlichen Niederschlag (was zwar der traditionellen Anbauform der Kanaren entspricht, in Zeiten umfangreicher Bewässerungssysteme in Kalifornien, Australien und sonstwo auf dem Globus aber durchaus bemerkenswert ist). Ernte: “027/2014” – äh, meint das die Kalenderwoche? Das wäre dann die erste Juli-Woche Vierzehn gewesen. Flasche Nummer 0252 von gesamt 2950. Und so weiter …

Gut! So umfangreiche Auszeichnung auf dem Etikett wünschen sich ambitionierte Ausschenker, Einschenker und Rumschwenker öfter. Da muss der Händler nur noch wenig ergänzen in seinem Beiblatt: auf 450 bis 500 Höhenmetern angebaut; 35 hl/ha Ertrag; im Sechshunderter-Tonneaux vergoren; sieben Monate auf der Hefe.

Und zweitens: Zurück aus der Zukunft! Eigentlich gibt’s den Las Machuqueras nämlich erst in ein paar Tagen zu verkosten. Genauer gesagt: am 19. Februar um 20:00 Uhr. Im Livestream auf www.weinamlimit.de, dem Videoportal von Mastersommelier Hendrik Thoma. Da wird der Wein auf den digitalen Verkostungstisch kommen und es darf via Chat von überall auf der Welt mitprobiert und mitkommentiert werden. (Die Aufzeichnung der Show steht anschließend auch als Stream zur Verfügung.)

Freitag? So lange konnten wir im wineroom nicht warten. Deshalb sind wir in der Zeit einfach vorausgereist und hatten den Inselwein hier vor einigen Wochen schon im Glas. Kleiner Tipp aus der Zukunft für alle, die am Livestream teilnehmen: ruhig morgens schon mal aufziehen und karaffieren.

Wo kommt die Buddel her?
Aus dem Weinshop Wein am Limit im Rahmen des Pakets “Spaniens Weine am Limit” zum 23. WaL-Livestream.

Was kostet der Spaß?
Schätzungsweise um die 16 bis 18 Euro.

[easy-tweet tweet=”Kamillentee mit Umdrehungen: Las Machuqueras 2014 von La Palma.”]

Wie ist er denn nun?
Kamillentee mit Umdrehungen. Ob wir wirklich Freunde werden? Abwarten. In der Nase zeigt sich – eine Art Reifeton? Gerade mal zwei Jahre jung, der Bursche. Wohl doch eher längerer Schalenkontakt, der sich da andeutet. Und das ganze unterlegt von – ja, wirklich: das ist Kamille in der Nase. Im Mund auf der herben Seite. Spröde. Fast abweisend. Wenig Säure. Wirft sich einem nicht gerade an den Hals, der Insulaner. Tadellos gearbeitet, das spürt man. Aber ob er mir irgendwann wirklich schmecken wird? Richtig spielen will er noch nicht. Definitiv: Dieser Wein ist das, was der Händler im Namen führt – am Limit. Fordernd. Ecken. Kanten. Eigensinnig.

Die fresh cuisine hat ein Risotto auf dem Herd. Frischen Babyspinat untergehoben. Dazu Pilzpfanne mit frischen Shiitake, Kräuterseitlingen, braunen Champignons. Klasse Kombination. Und schau mal an: Kaum steht das Essen auf dem Tisch, schon mag der Las Machuqueras mitspielen. Entpuppt sich als kongenialer Begleiter. Drängt sich nicht nach vorne, zeigt aber klare Präsenz. Die anfängliche Sprödheit verliert sich. Großes Kino. Na schön, er hat jetzt auch ein bisschen Luft gehabt im Glas, ein bisschen mehr Temperatur. Und siehe da, das steht ihm gut. Fantastisch.

Kein Solist, der Inselwein, aber hervorragender Teamplayer. Und das glatte Gegenteil von Everybody’s Darling. Will er auch gar nicht sein. Muss er auch nicht. Denn diese Rarität mit ihren knapp 3.000 Flaschen findet ihre Freunde garantiert.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?
Zalto Denk’Art Universalglas

Ist dieser Beitrag gewerblich gesponsort?
Nein.

Noch offene Fragen?
Hab ich die Kaltsteller, Aufzieher und Wegschlürfer etwa vergessen da oben in der Aufzählung? Die würden sich natürlich auch freuen.

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Edgar Wilkening

Strategie & Kreation bei BIG IDEAS | Edgar Wilkening
Im Hauptberuf Strategieentwickler und Kampagnenberater. Kopf des Pop-up-Restaurants "Die 7 Sünden" und von einigem mehr. In den verbleibenden Stunden des Tages dem Thema Wein verbunden als amtierender Korkenzieher von eigenen Gnaden. Erste bewusste Flasche: fränkischer Bocksbeutel aus dem elterlichen Keller – vermutlich Müller-Thurgau. Ist so was womöglich prägend ...?
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