Castello di Ama Haiku 2009

by | Allgemein | 0 comments

Was gab’s ins Glas?
Castello di Ama Haiku 2009 IGT (13 % Vol.)

Wer steckt dahinter?
Castello di Ama s.r.l. Società Agricola Gaiole, Loc. Ama, 53013 Gaiole in Chianti, Siena, Italien, www.castellodiama.com

Wo hat er abgeräumt?
Wine Advocat 92/100, Wine Spectator 90/100, L’espresso 18/20.

Was ist interessant zu wissen?
Castello di Ama gehört zu den renommiertesten Erzeugern der Toskana. Haiku dagegen ist japanisch, gilt als kürzeste Gedichtform der Welt und bedeutet übersetzt in etwa „scherzhafter Vers“. Dem böswilligen Verkoster drängen sich da Assoziationen von „kurzer Wein“ bis „schlechter Scherz“ auf – aber halt!, warten wir mal ab.

Vielleicht möchte der Name als Andeutung verstanden werden, dass der Wein kein klassischer Italiener ist. Als IGT-Erzeugnis (Indicazione Geografica Tipica) darf er auch andere Rebsorten enthalten als die fürs Chianti-Gebiet typischen.

Und davon hat der Weinmacher hier Gebrauch gemacht: 45 bis 50 Prozent Sangiovese vermählen sich mit 25 bis 30 Prozent Merlot und weiteren 25 bis 30 Prozent Cabernet Franc. So die Angaben auf dem Rückenetikett. Mal schauen, ob das in Summe auch 95 bis 110 Prozent Genuss ergibt.

Was sagen andere dazu?
„Er ist das ‚Alter Ego‘ der Riserva von Castello di Ama. Hier, in der unerhörten Feinheit und würzigen Komplexität der Cabernet Franc, definiert Ama das eigene Terroir ganz neu.“ Lobenbergs Gute Weine auf www.gute-weine.de.

Was kostet der Spaß?
Etwa 30 bis 32 Euro

Wie ist er denn nun?
Leuchtendes Rot. Reiche Zigarrenkiste mit frischem Tabak in der Nase. Dunkle Früchte. Voller Mund. Tief, opulent, würzig. Tannin noch etwas staubig. Technisch tadellos gemacht, der Wein. Aber macht er wirklich Spaß? Hat er Seele? Trinkfluss? Eine Geschichte? Nö.

Auffällig: Der Reiter, der den oberen Rand aller Ama-Etiketten ziert – bei allen Weinen ist er stets genau in der Mitte des Etiketts platziert, exakt über der Jahrgangs-Angabe. Nur beim Haiku nicht. Hier ist der Reiter am oberen Etikettrand deutlich nach links verrückt. Und so wirkt der Wein auch im Glas: als ob er seine Mitte nicht gefunden hat.

Was macht man damit?
Trinken. Oder höflich danke sagen und stehenlassen. Oder in den Topf damit. Wurscht. Wem er gerade gefällt: schmecken lassen. Wem er nicht gefällt: weiterschauen. Es gilt das alte deutsche Sprichwort: Andere Winzer haben auch hübsche Flaschen.

Wer hat’s probiert?
Autor Edgar Wilkening

Wein versus Bier, Gin, Limo
Runde Zwei: Wer kann sich seine Zutaten liefern lassen?

In der ersten Runde unseres Fakten-Check hatten wir uns mit der Frage befasst:...

SaarRieslingSommer 2019

Zum Sommer gehört der Riesling. Zum Riesling gehört die Saar. Und zur Saar –...

K&U-Hausmesse 2015 im Nürnberger Ofenwerk

Das schaffen höchstens ein, zwei Handvoll Weinhändler in Deutschland: ein...

Die vielleicht längste und zugleich kürzeste Praline der Welt

Hat da jemand reihenweise duplo-Riegel im Fass versenkt? Jedenfalls begrüßt...

Fiasco Classico – oder Wildschwein im Chianti

„Wenn Italien, dann Toskana“, sagen viele Deutsche und reisen in das Land des...

RAW Wine Fair Berlin 2015

"Sponti?" – "Bio oder konventionell?" – "Unfiltriert?" Fragen, die man immer...

Diskriminierte Erzeugerinnen

hallo dr. sommelier ich bin ja große weinfreundin. aber irgendwie ist das...

Badenhorst White Blend 2013

Was gab’s ins Glas?A.A. Badenhorst White Blend 2013, Wine of Origin Swartland,...

Künstler Kostheim Weiß Erd 2009

Was ist die Vorgeschichte? Immer, wenn Geheimagent Null-Null-Neun auf dem...

Castelvecchio Chianti „Santa Caterina“ 2016

Muss es jeden Tag was Großes sein im Glas? Für manche Menschen ja. Denen wäre...

Mullineux Syrah 2010

Was ist die Vorgeschichte?Die Weine der Mullineux Family werden immer wieder...

25 Jahre Lagrein-Vertikale – der Kernige aus Südtirol

Wir schreiben den Monat „Null-Zwei“ im Jahre des Herrn „Zwei-Null“. Die...

Italien 2014: Ein ganzer Jahrgang unter dem Fallbeil?

Steiles Statement! Nicht nur das provokante Artwork da oben. Sondern auch der...

Château Cos Labory 2006

Herrje, was wurde der 2006er gebasht! Nach dem grandios verlaufenen Null-Fünf...

Wein versus Bier, Gin, Limo
Runde Vier: Wie hoch ist der Zeitaufwand?

Drei Runden lang gingen die Punkte in unserem Fakten-Check klar an Wein....

„We have to rethink everything“: Corona-Shutdown und seine (ja: positiven!) Folgen

Der Corona-Shutdown führte im wineroom zu einem Filmprojekt mit bemerkenswerter Bildgewalt und Tiefe.

Edgar Wilkening
Follow me
Edgar Wilkening
Follow me