Montelio La Giostra Müller Thurgau 2011

von | 7. Aug. 2015

Was gab’s ins Glas?
Montelio La Giostra 2011, provincia di Pavia, IGT, Müller Thurgau, 13,5 % vol.

Welche Ausstattung hat er?
Bauchige Flaschenform; schwarzes, praktisch undurchsichtiges Glas; Wappen-Prägung; kein Papieretikett, sondern alle Daten mit Lack direkt auf die Flasche appliziert; schwarze Kapsel; Kork-Verschluss. Alles in allem: ungewöhnliche Ausstattung. Vielleicht nicht eben das, was Design-Freaks vor Ehrfurcht niederknien lässt.

Aber die Buddel mit dem breiten Becken war früher die typische Flaschenform des Herstellers Montelio. Anadima heißt sie. Und wird erst seit 1998, dem 150. Jahrestages des Weinguts, wieder produziert. Wer sich so eine Tradition leistet und seine besten Weine so abfüllt, muss sich etwas dabei gedacht haben.

Wer steckt dahinter?
Azienda Agricola Montelio, Società Agricola di C. e G. Brazzola, Via Domenico Mazza 1, 27050 Codevilla, Provinz Pavia, Lombardei, Italien, www.montelio.it

Wo hat er abgeräumt?
Wein-Plus: 87 WP (19.03.2014)

Was ist interessant zu wissen?
Müller-Thurgau ist eine Rebsorte, die bei Wein-Auskennern oft nur mit einem müden Lächeln bedacht wird: Lasst uns mal was Ernstzunehmendes probieren. Was unweigerlich dazu führt, dass sich ein anderer Auskenner sofort berufen fühlt zu verkünden, Müller-Thurgau sei ja wohl vollkommen unterschätzt und könne nämlich und zwar, jawohl!, und jetzt erst recht und überhaupt und so. Streitbare Rebsorte, die Müllerin.

Sicher ist jedenfalls: Der Müller-Thurgau wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Schweizer Rebforscher Hermann Müller-Thurgau gezüchtet und bringt in der Regel leichte, unkomplizierte Weine hervor, die meist jung getrunken werden wollen.

In Italien gehört der Müller-Thurgau nicht eben zum traditionellen Rebmaterial. Umso spannender die Geschichte, wie die Rebsorte ihren Weg zum Weingut Montelio fand.

Wo kommt die Buddel her?
Aus dem Verkostungspaket „III/2014: Sommer“ von Wein-Plus.

Was kostet der Spaß?
Um die zehn Flocken.

Wie ist er denn nun?
Was? Müller-Thurgau? Ha, wie lustig! Das hier hat mit dem, was man im Supermarkt als Müller-Thurgau hingestellt kriegt, so viel zu tun wie Parker-Punkte mit Eleganz.

Intensives Strohgelb. Kräftige Nase. Dichte, Volumen, Körper, Grip. In der Verkoster-Runde, die blind probierte, fielen sofort die Stichworte: Orange-Wein, Maischestandzeit und Italien. Nicht schlecht, Leute! Denn in der Tat: La Giostra steht 18 bis 24 Stunden bei fünf Grad auf den Schalen, eher er (oder besser: sie) abgezogen wird.

„Da die Aromen in der Schale sitzen und der Müller Thurgau eine aromatische Sorte ist“, erklärt Giovanna Brazzola, Eigentümerin von Montelio, im Gespräch mit Bloggerin Katrin Walter, „respektiert und garantiert dieses Vorgehen die Originalaromen, die sich dann im Duft und Geschmack des Weins wiederfinden.“

Sehr schön, was hier aus des Müllers Thurgau gemacht wird. Herbe, würzige Länge. Super Essensbegleiter. Mit Weinen wie diesem entwickelt die Sorte eine ganz eigene Daseinsberechtigung. Und bietet keinerlei Anlass für blasiertes Auskenner-Lächeln. Also unbedingt probieren, wenn Ihnen die bauchige Anadima mal begegnet.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?
Zalto DenkArt Weißwein-Glas

Wer hat’s probiert?
Der Weinschreiber, der Wein-Teacher und die Winelady

Ist dieser Beitrag gewerblich gesponsort?
Nein.

Der ambitionierte Schmeichler – Soave Classico

Oh, wie schön ist dieses Fleckchen Erde! Umgeben von einer riesigen,...

Sommelier Ed Richter im Video zum Jahrgang 2014 in Italien

Gerade mal zwanzig Sekunden, aber die haben es in sich. Rhythmus, Power,...

Canalicchio di Sopra Brunello di Montalcino 1985

Was war im Glas?Canalicchio 1985 Brunello di Montalcino, 13,5 % vol.Wer steckt...

Künstler Kostheim Weiß Erd 2009

Was ist die Vorgeschichte? Immer, wenn Geheimagent Null-Null-Neun auf dem...

Sur lie – oder sans lie …?

Sehr geehrter Dr. Sommelier, irgendwie weiß ich nie so richtig, was ich von...

Weingut Mades 2002 Bacharacher Posten Spätlese

Was gab’s ins Glas? Weingut Mades Mittelrhein 2002 Bacharacher Posten Riesling...

„Brunello & Co.“ mit Weinteacher Ed Richter

Ob das wirklich eine gute Idee war: eine Masterclass vor diesem Panorama...

Generation Pfalz Masterclass 2016

Unter dem sinnigen Motto "Je feiner – desto besser" stand die Masterclass am...

Anerkannter Berater für Deutschen Wein – taugt der was?

Der wineroom macht den Praxistest: Was taugt die Ausbildung zum Anerkannten Berater für Deutschen Wein?

Edgar Wilkening
Follow me

Gärtanks mit AKW-Strom gekühlt?

Wie sich Weine ohne AKW-Strom wie Tschidas 2012er Non-Tradition im Glas...

Luce – und es ward Licht!

Was für eine Strahlkraft in der Weinwelt, dieser Name: Luce! Seit 2018 steht...

Wein zum Essen: Nicht mehr so genau …?

Hallo Dr. Sommelier, am Wochenende habe ich Gäste bei mir zum Essen. Einen...

Der Grüne Veltliner und das kleine Pfefferl

Dem Grünen Veltliner wird ja gern das "kleine Pfefferl nach hintenraus"...

OperaWine – ein exklusiver Besuch in Verona

OperaWine: geradezu italienisches Happening mit „Wein, Weib, Gesang und großen Reden“ – und dennoch hat es ein internationales Bewusstsein mit amerikanischer Wahrnehmung. Eine sehr exklusive, kurzweilige und somit privilegierte Präsentation in der historischen Stadt der dramatischen Liebe.

Edgar Wilkening
Follow me

Schraube versus Naturkork –
Selbstversuch mit einem normalen Rotwein

Immerhin liegen sieben Jahre zwischen den Jahrgängen des Pinotage von...

Der falsche Stolz der Scheinheiligen

Da freut man sich als Sommelier auf die exklusiven Verkostungen echter Ikonen...
Edgar Wilkening
Follow me