Cune Imperial Gran Reserva 2009

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Tempranillo hat’s schwer im wineroom. Spaniens Leit-Rebsorte wird jedes Mal argwöhnisch beäugt, wenn sie auf den Tisch kommt. Zu breit, zu bräsig, zu breiig gerät das meistens, was da von der iberischen Halbinsel ins Glas schwappt. Ganz klar: Im Markt hat genau diese Stilistik viele Freunde. Gerade im unteren Preissegment. Und viele Konsumenten goutieren die flüssigen Fruchtbomben mit dem üppigen Vanilleeinschlag.

Trotzdem: Wenn bei uns Tempranillo auf dem Tisch landet, dann meist auf mysteriösen Wegen, die später kaum noch nachzuvollziehen sind. Und es gibt mindestens Stirnrunzeln, wenn nicht sogar hastig zu den Jacken gegriffen wird. „Spät geworden, meine Frau wartet auf mich.“ „Bin noch verabredet, fällt mir ein.“ „Ich muss morgen wieder früh raus.“

„Hiergeblieben!“, muss man dann anordnen. „Hinsetzen! Ist jetzt gerade halbacht! Und das hier ist nicht irgendein Tempranillo! Wir reden immerhin von Imperial! Cune! Gran Reserva! 2009! Null-Vier war Nummer Eins bei den Wine Spectator Top 100. Der wird jetzt probiert!“

Ist ja nicht so, als wenn sich Gäste im wineroom einer einleuchtenden Argumentation verschließen würden. Erst recht nicht, wenn sie in militärischem Befehlston rausgebellt wird. Alles nimmt brav wieder Platz. Und harrt der Dinge, die da ins Glas kommen.

Und das ist erstaunlich gut, müssen sogar handfeste Tempranillo-Verächter attestieren. 10 % Graciano, 5 % Mazuelo in der Cuvée. Schöne Kraft, schöne Würze, schöne Struktur. Schlehe, Kirschkern, Salmiak. Klar konturiert. Getragen von einer lebendigen Säure, die Lust macht weiter zu probieren. Das hat Eleganz, Finesse, Komplexität. Wohlwollendes Kopfnicken in der Runde: So kann man sich Tempranillo gefallen lassen. Klasse gemacht.

Nein, halt – eben nicht klasse gemacht! Und genau das ist der Haken: Über allem schwebt ein unangenehmer Kleberton. Eine ausgewachsene Pattex-Nase. Und das sogar bei 14° C Einschenktemperatur. „Verfliegt gleich“, wiegelt wer ab. Ja, der Fuselton legt sich etwas. Kehrt dann aber hartnäckig immer wieder zurück. Erst recht bei steigender Temperatur.

Der Imperial wird seit eh und je nur in Top-Jahren hergestellt, heißt es bei Cune. 2009 gilt als ein solches Top-Jahr: viel Wärme. Besser gesagt: Hitze. Auch im eher atlantisch geprägten Rioja.

„Bedeutet das, den Imperial produzieren sie nur in Top-Jahren, weil sie nur dann diesen handfesten Kleberton in die Flasche kriegen?“ Grinsen am Tisch. Aber der Spötter hat ja recht. Die Fuselnase verdirbt den Spaß. Bei aller Eleganz, bei aller Komplexität, die dieser Tempranillo zeigt: Solche Fehler bei einem Wein dieser Kategorie? Dürfen nicht passieren. Und führen zu einem klaren Statement am Tisch: bei aller Klasse – kaufen würde den keiner in der Runde.

Was gab’s ins Glas?

Cune Imperial Gran Reserva 2009 DOCa Rioja, 14 % vol.

Welche Ausstattung hat die Flasche?

Schulterflasche, Kapsel, Korken, Haupt- und Rückenetikett

Wer steckt dahinter?

Compañia Vinicola del Norte de España, s.a., Barrio de la Estación, 26200 Haro, Rioja, Spanien, www.cvne.com

Wo hat er abgeräumt?

Robert Parker 93 Punkte, Guía Peñín 91 Punkte

Wo kommt die Buddel her?

Unbekannt. Bezugsquelle ist nicht nachzuvollziehen.

Was kostet der Spaß?

Um die 35 Euro.

Aus welchen Gläsern wurde probiert?

Gabriel Glas Standard und Schott Zwiesel Viña.

Ist dieser Beitrag gewerblich gesponsort?

Kein Stück.

Sind noch offene Fragen?

Zieht sich die Klebernase auch durch andere Imperial-Jahrgänge? Oder ist das dem Ausnahmejahr 2009 geschuldet?


 

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Edgar Wilkening
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